Tuttlingen
Die Wiege der Medizintechnik

Die Herstellung von chirurgischen Instrumenten hat in Tuttlingen Tradition. Um für genügend Fachkräfte zu sorgen, gründete die Stadt sogar eine Uni.
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TuttlingenAuf Besuchermassen ist man im "Weltzentrum der Medizintechnik" nicht eingestellt: Ganze acht Schließfächer gibt es in der Bahnhofshalle der kleinen Stadt Tuttlingen im Süden Baden-Württembergs. Dafür auf dem Vorplatz für alle, die schnell wegwollen, gleich zwei "Kiss Ride"-Halteplätze, um die Liebsten mit dem Auto abzusetzen: Die Intercity-Züge Richtung Zürich oder Stuttgart fahren tagsüber alle zwei Stunden.

"Willkommen in der Provinz", begrüßt der Taxifahrer im breiten Schwäbisch die Ankommenden. Dass sich die Tuttlinger trotzdem mit dem Begriff "Weltzentrum für Medizintechnik" schmücken und das an der Autobahn 81 auch groß ankündigen, hat gute Gründe: Denn in der Stadt und Region an der oberen Donau forschen, entwickeln, bauen und vertreiben mehr als 450 Firmen medizintechnische Produkte.

Die Spezialisierung hat Tradition. Das wird sofort beim Blick auf den monumentalen roten Industriebau schräg gegenüber dem Bahnhof deutlich: Das 1899 errichtete Gebäude ist Zentrale des ortsansässigen Marktführers Aesculap. Der Spezialist für chirurgische Instrumente, Endoskope und Gelenkprothesen gehört seit 1976 mehrheitlich zum Familienkonzern BBraun aus dem hessischen Melsungen und ist mit mehr als 1,4 Milliarden Euro Jahresumsatz das größte Unternehmen vor Ort. Die Wurzeln von Aesculap liegen in einer kleinen Instrumentenwerkstatt, die der Messerschmied Gottfried Jetter 1867 eröffnete.

Auch der Gründer der zweitgrößten Medtech-Firma am Ort, die Karl Storz GmbH und Co. KG, stammte aus einer Instrumentenmacherfamilie. Seine Tochter Sybill baute den Hersteller von Endoskopen und optischen Geräten in den vergangenen beiden Jahrzehnten zu einem weltweit agierenden Unternehmen mit mittlerweile knapp 1,3 Milliarden Euro Umsatz aus.

Tuttlingen bleibt dennoch das Zentrum, sagt die engagierte 76-jährige Geschäftsführerin. "In Tuttlingen ist das Herz des Unternehmens. Hier ist die Tradition, hier finden wir das Know-how und die Technologien, die wir für die Entwicklung und Herstellung der mechanischen Instrumente und der Optik brauchen. Besser als an anderen Plätzen der Welt." Gerade hat Storz für 48 Millionen Euro ein neues Logistikgebäude im nahe gelegenen Neuhausen ob Eck gebaut - fast dreimal so groß wie das bisherige.

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