Wein, Kaffee und Sushi
Schwangerschaftsratgeber der anderen Art

Ihre Thesen sorgen für Wirbel in den USA: Die Wirtschaftswissenschaftlerin Emily Oster hat ein Buch veröffentlicht - über die Schwangerschaft. Darin räumt sie mit gängigen Empfehlungen und Verboten auf.
  • 0

New YorkAlkohol? Zwei Gläser Wein pro Woche im ersten Schwangerschaftsdrittel und jeweils eines täglich im zweiten und dritten Quartal sind okay. Kaffee? In Maßen gut verträglich. Sogar Sushi, das rohen Fisch enthält, dürfen Schwangere nach Ansicht von Emily Oster essen. Der kleine Haken: Oster ist keine Medizinerin, sondern Wirtschaftswissenschaftlerin an der Universität von Chicago.

Erlebnisse ihrer eigenen Schwangerschaft - Tochter Penelope ist jetzt zwei Jahre alt - hat sie in ein gerade erschienenes Buch eingebaut, vor allem aber Empfehlungen und Ratschläge, die Schwangeren gerne gegeben werden, geprüft. „Der Ansatz war, sorgfältig über alles nachzudenken, sich die bestmöglichen Informationen zu verschaffen und dann die Empfehlungen entsprechend der eigenen Prioritäten und der eigenen Risikotoleranz zu sortieren“, sagt Oster in einem Interview der Nachrichtenagentur AP.

Die meisten schwangeren Frauen seien sehr gut informiert, aber es gebe viele verwirrende und einander widersprechende Informationen - „auch wenn Sie jedes Buch und jede Website zu dem Thema gelesen haben, gibt es einige Punkte, bei denen Sie nicht wissen, was die wirklichen Fakten sind“. Oster verglich Empfehlungen in verschiedenen Ländern, überprüfte, was wissenschaftliche Studien ergeben haben und verglich das mit den Tipps, die schwangeren Frauen in herkömmlichen Ratgebern gegeben werden.

In jedem Fall rate sie Frauen, sich bei beim amerikanischen Gynäkologen-Verband zu informieren, betont Oster. Nur in wenigen Punkten sei sie zu einem anderen Schluss als dieser gekommen.

Es gebe aber Fragen, bei denen der Verband nicht weiterhelfen könne. Zum Beispiel bei der Pränataldiagnostik: Eine Frau müsse das Risiko, dass es bei einer Untersuchung zu einer Fehlgeburt kommen könne, selbst abwägen. Oster kam bei ihren Recherchen übrigens zu dem Schluss, dass das Risiko einer Fehlgeburt beispielsweise als Folge einer Fruchtwasseruntersuchung deutlich geringer ist als allgemein angegeben.

Auch beim Thema Alkohol unterscheidet sie sich von dem, was der Gynäkologenverband empfiehlt: „Wir sind uns einig, dass große Mengen, selbst wenn sie nur gelegentlich getrunken werden, gefährlich sind. Aber ein Glas Wein ab und zu scheint kein Problem darzustellen. Auch das ist eine sehr persönliche Entscheidung“, betont sie - und verweist darauf, dass es in manchen Ländern keine Empfehlung für ein absolutes Alkoholverbot während der Schwangerschaft gibt.

Seite 1:

Schwangerschaftsratgeber der anderen Art

Seite 2:

Thesen haben schon Proteste ausgelöst

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%