P wie Positronen-Emissions-Tomographie
Alarmfarbe Rot

Eine PET-Aufnahme sieht aus wie ein Kinderbild: Rote, grüne und blaue Flecken. Doch für Arzt und Patienten ist die Untersuchung aufschlussreich: Tumore werden als leuchtende Areale sichtbar.
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Die Diagnose Krebs oder auch nur der Verdacht daran erkrankt zu sein, ist für Patienten ein harter Schlag. Trotzdem wollen die meisten schnell Klarheit. Die kann eine Positronen-Emissions-Tomografie (kurz PET) geben. Das bildgebende Verfahren der Nuklearmedizin zeigt: Handelt es sich um einen bösartigen Tumor und wenn ja wieweit ist die Erkrankung fortgeschritten? Wie schnell wächst der Tumor? Wird der Patient bereits behandelt, kann mittels PET der der Erfolg einer Operation, Strahlen-oder Chemotherapie überprüft werden.

Der PET-Scanner erinnert an einen Computertomografen: Der Patient wird auf einer Liege in eine enge "Röhre" geschoben und darf sich möglichst wenig bewegen. Eine Stunde vorher wird Glukose in die Armvene gespritzt. Der Traubenzucker ist angereichert mit einer kleinen Dosis einer kurzlebigen radioaktiven Substanz. Diese fließt mit dem Blut durch den Körper, die Zellen nehmen es auf. Nach ungefähr einer Stunde hat sich die Flüssigkeit im gesamten Körper verteilt. Dann beginnt die eigentliche PET-Messung. Eine Kamera erfasst die ausgesendeten Strahlen. Ein angeschlossener Computer verwandelt sie anschließend zu einem Bild.

Ein teures Verfahren

Tumore sind meist echt Energiefresser und haben einen sehr hohen Stoffwechsel. Das bedeutet, sie nehmen mehr Zucker auf als gesundes Gewebe. Auf dem Computerbild sind sie dann als – meist rot-leuchtende Areale zu erkennen. Der Arzt weiß nun, ob und wo genau sich ein Tumor befindet und wie weit er sich ausgedehnt hat. Das Problem: Nicht immer muss ein rot leuchtender Fleck auf Krebszellen hindeuten. Auch Zell-Reparaturen (kurz nach der OP), Entzündungen und Verspannungen können eine Erklärung sein. Um sicherzugehen wird die PET deshalb oft mit einer Computertomografie ergänzt.

Nicht nur das macht die Untersuchung so aufwändig und teuer. Eine Ganzkörper-PET mit CT kostet etwa 1.100 Euro, damit gehört sie zu den kostspieligsten bildgebenden Verfahren der Medizin: Schon die Produktion des radioaktiven Präparats ist teuer: Ein Teilchenbeschleuniger ist nötig, außerdem muss der herstellende Betrieb viele Gesetze und Auflagen erfüllen. Auch die Anschaffung eines PET-Geräts ist kein Schnäppchen: Der Kaufpreis liegt je nach Ausstattung bei 1,5 bis 3 Millionen Euro.

Hoffnung der Alzheimer-Forschung

Trotz der hohen Kosten kommt die PET regelmäßig zum Einsatz. Nicht nur bei Krebspatienten, sondern auch in der Neurologie und der Kardiologie. Bei Epilepsie-Patienten etwa wird per PET vor Operationen der Herd im Gehirn lokalisiert, der die Anfälle auslöst. Auch die Alzheimer-Forschung setzt auf PET: Die sogenannte Amyloid-Positronen-Emissions-Tomographie ist bei der Diagnose deutlich sensibler als andere Verfahren. Sie soll helfen, die Krankheit viele Jahre vor dem Eintritt der eigentlichen Symptome erkennen zu können.

In der Kardiologie wird die Untersuchung eingesetzt, um zu sehen, wie gut Herzkranzgefäße und Herzmuskel durchblutet sind – etwa als Vorsichtsmaßnahme vor einer Bypass-Operation.

Für den Patienten ist die PET meist kein Grund für einen Schweißausbruch. Der Pieks mit der Nadel beim Verabreichen der Injektionslösung ist bereits der schmerzhafteste Teil. Nur für Patienten mit Platzangst kann die Untersuchung lang werden, denn die Messzeit beträgt 30 bis 90 Minuten. Und sich zu bewegen ist nicht erlaubt. Die radioaktive Substanz scheidet der Körper übrigens schnell wieder aus. Für Schwangere und besonders empfindliche Menschen ist die Untersuchungsform aber meist nicht geeignet.

Christina Stahl
Christina Stahl
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin
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