Z wie Zeppelin
Das fliegende Schiff

In den 1920er und 1930er Jahren galten sie als Zukunftstechnologie. Die lenkbaren Luftschiffe des Grafen Zeppelin schienen Flugzeugen überlegen zu sein, bis ein tragisches Unglück den Wettbewerb entschied.
  • 0

Fliegen könnte so schön sein. Statt stundenlang auf engstem Raum nebeneinander zu sitzen, könnten Passagiere in geräumigen Kabinen die Beine ausstrecken und im Speisesaal richtig gut essen gehen. Als Graf Zeppelin ab 1900 seine Luftschiffe entwickelte, schienen diese in Größe, Komfort und Sicherheit den Flugzeugen weit überlegen zu sein. Doch die Konkurrenz zwischen Flugzeug und Luftschiff, die in den 1920er und 1930er Jahren herrschte, wurde durch ein tragisches Unglück im Jahr 1937 endgültig entschieden.

Obwohl es auch andere Entwickler gab, ist das Luftschiff untrennbar mit dem Namen Ferdinand von Zeppelin verbunden. Das liegt wohl an der großen Hartnäckigkeit des Grafen vom Bodensee. Dieser investierte allein 800.000 Mark seines Privatvermögens in seinen Traum vom fliegenden Schiff, inflationsbereinigt wären das heute mehr als fünf Millionen Euro. Unermüdlich warb der Graf zudem bei Investoren für sein Vorhaben. Bei der von den bis zu 200 Meter langen Luftschiffen faszinierten Bevölkerung herrschte zudem eine ausgeprägte Spendenbereitschaft. Das war auch nötig, denn Pleiten, Pech und Pannen rissen in den Anfangsjahren nicht ab. Die ersten Zeppelin-Modelle mussten reihenweise notlanden, stürzten ab oder rissen sich, einmal gelandet, wieder los und trieben ab. Eine Festschrift zum 175. Geburtstag des Grafen Zeppelin berichtet: „Allein zwölf von 19 Luftschiffen wurden vor 1913 bei Unglücken zerstört, im Oktober1912 ertrinken 14 Besatzungsmitglieder, nachdem ihr Luftschiff LZ 14bei einem Sturm über der Nordsee ins Meer gedrückt worden war.“

Trotz aller Pannen: Mit Beginn des Ersten Weltkriegs sah der Graf, frühzeitig aus dem Armeedienst ausgeschieden, die Zeit für den Durchbruch seiner Luftschiffe gekommen: Die Zeppeline galten in Militärkreisen als Spitzentechnologie der Luftfahrt und als Wunderwaffe. Sie erreichten größere Höhen als Flugzeuge und eigneten sich dadurch für Aufklärungsfahrten ins feindliche Gebiet. Manche Zeppeline stiegen, allerdings unfreiwillig, über 7000 Meter hoch. 51 Mal wurden die Zeppeline außerdem eingesetzt, um Bomben abzuwerfen, meist über England. Doch trotz der technischen Überlegenheit hatten die meisten der 88 während des Krieges produzierten Luftschiffe nur eine kurze Lebensdauer. Sie fielen Pannen zum Opfer oder wurden abgeschossen – vor allem nachdem die Alliierten begannen, Brandmunition zu nutzen. Denn das Gas in den Luftschiffen, der leicht zu beschaffende und guten Auftrieb gebende Wasserstoff, hatte auch einen entscheidenden Nachteil: Er brennt. Vielen Luftschiffen wurde das zum Verhängnis. Auch der „Hindenburg“.

Ein Luxusliner und sein Ende

Das nach Reichskanzler Paul von Hindenburg benannten Luftschiff wurde 1936 in Friedrichshafen fertig gestellt. Es ist bis heute das größte fliegende Objekt, das jemals gebaut wurde. Es war 245 Meter lang, 40 Meter breit und durchschnittlich 120 Kilometer pro Stunde schnell. Die Hülle bestand aus Baumwoll- und Leinenstoff, der mit einem Zellon-Aluminium-Gemisch imprägniert war. 18 Tonnen Wasserstoff an Bord gaben dem Luftschiff Auftrieb, für den Antrieb sorgten vier Propeller mit Dieselmotoren zu je tausend PS.

Die Hindenburg  unternahm als Linien-Flugschiff 55 Fahrten, mehrmals in die USA und einmal sogar nach Rio de Janeiro. Kabinen gab es für gerade einmal 70 Passagiere, die es sich gut gehen lassen konnten: Fünf Köche und ein Arzt waren an Bord, die Einrichtung der Kabinen war zweckmäßig, aber hochmodern und von einem Designer der Bauhaus-Schule eingerichtet – obwohl die der nationalsozialistischen Regierung ein Dorn im Auge war. Im Speisesaal kam das edelste Geschirr auf den Tisch und ein Pianist unterhielt die Passagiere beim Essen. Der Preis war entsprechend: Hin- und Rückfahrt in die USA kosteten 720 US-Dollar, nach heutiger Kaufkraft ist das etwa zehnmal so viel. Ansonsten transportierte das Schiff Post und Güter.

Am 3. Mai 1937 brach die Hindenburg wieder in die USA auf; Ziel war Lakehurst. Nach 77 Stunden Reisezeit setzte sie dort während eines Gewitters zur Landung an, indem Seile zum Bodenpersonal herabgelassen wurden. Dabei brach im Heck des Schiffs ein Feuer aus, das sich schnell ausbreitete. Dass „nur“ 35 der 97 Menschen an Bord starben, war auch den waghalsigen Rettungsmanövern des amerikanischen Bodenpersonals zu verdanken, die verletzte Passagiere aus dem brennenden Wrack holten. Die Unfallursache ist immer noch nicht ganz geklärt. Heute vermutet man, dass die Hülle durch eine elektrostatische Entladung Feuer fing und so schließlich auch den Wasserstofftank entzündete. Mit der „Katastrophe von Lakehurst“ war das Vertrauen in die Luftschifffahrt dahin. Ein weiterer Zeppelin wurde nur einen Monat nach dem Unfall zu einem Museum ausgebaut. Das Schwesterschiff der Hindenburg, die „Graf Zeppelin 2“, vorgesehen als neues Flaggschiff unternahm nur noch Testflüge und beförderte nie Personen.

Der größte Kunde ist der Reifenhersteller Goodyear, der die Luftschiffe zu Werbezwecken einsetzt. Doch das große Comeback der Zeppeline als Transportmittel wird wohl ausbleiben. Die Menschen haben sich klar für das Flugzeug entschieden. Trotz mangelnder Beinfreiheit. Die Glanzzeit der Zeppelin-Luftfahrt ist lange vorbei, doch die Deutsche Zeppelin-Reederei (DRZ) in Friedrichshafen gibt es noch. Sie bietet Rundflüge über den Bodensee im 75 Meter langen „Zeppelin NT“ an – der heute übrigens mit nicht brennbarem Helium befüllt ist. Auch Heiraten im Zeppelin ist möglich.

Christina Stahl
Christina Stahl
Handelsblatt / Freie Mitarbeiterin
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%