Elektroautos Ich lad' mit (m)einer Laterne

Wer sich ein Elektroauto zulegt, kommt ohne eigenen Stromanschluss – und damit ohne eigene Garage – nicht weit. Das Startup Ebee entwickelt seit Juni 2011 eine Möglichkeit, Autoakkus an Straßenlaternen aufzuladen.
2 Kommentare
Strom für das Elektroauto: Künftig könnten die Fahrzeuge an Straßenlaternen aufgeladen werden. Quelle: Reuters

Strom für das Elektroauto: Künftig könnten die Fahrzeuge an Straßenlaternen aufgeladen werden.

(Foto: Reuters)

Anhalten, Stecker rein, Aufladen, fertig. Es könnte für deutsche Elektroautobesitzer so einfach sein, ihr Gefährt im öffentlichen Raum mit Strom zu versorgen – ist es aber nicht. Denn das Ladesäulennetz ist bislang nur spärlich ausgebaut. Allein in Berlin gibt es bislang nur rund 120 öffentliche Ladesäulen. Bis 2015 sollen es 800 sein. Das Startup „Ebee“ aus der Hauptstadt hat sich vorgenommen, den nötigen Strom nicht neu auf die Straße zu bringen, sondern ihn dort zu nutzen, wo er heute schon ist – in jedem Laternenpfahl.

Mit einem Zusatzgerät, das kaum größer als ein Feuerlöscher ist, kann theoretisch jede Straßenleuchte zur Ladesäule erweitert werden. Entscheidend ist dabei neben dem Standort lediglich, ob die Verkabelung und der Netzanschluss einen zusätzlichen Verbraucher zulassen. Eine einzelne Laterne um- beziehungsweise aufzurüsten, kostet laut Ebee weniger als 1000 Euro – beinahe ein Schnäppchen für Kommunen, die auf diese Weise ihr Ladenetz erweitern wollen. Denn bisher waren es neben der Säule selbst vor allem die Erdarbeiten, die den Preis in fünfstellige Höhen trieben und eine flächendeckende „Elektrifizierung“ bremsten.

Zehn Fragen zur Energiewende auf Rädern
191573
1 von 10

1.: Wie weit kommt ein Elektroauto eigentlich?

Neben dem hohen Anschaffungspreis ist die geringe Reichweite eines der größten Probleme von Elektroautos. Diese beträgt bei den meisten Fahrzeugen 150 bis 200 Kilometer, was in der Regel für den täglichen Bedarf genügt. Für Dienstreisen oder eine Urlaubsfahrt eignen sich E-Autos aber noch nicht. Bei schneller Fahrt auf Autobahnen genauso wie bei Minusgraden sinkt der Aktionsradius deutlich.

Darum setzen einige Hersteller auf Reichweitenverlängerer, sogenannte Range-Extender. Das sind kleine Verbrennungsmotoren, die in der Regel keine Verbindung zu den Rädern haben, sondern lediglich als Generator arbeiten. Bei niedrigem Akkustand springt dieser automatisch an, lädt die Batterie und sorgt während der Fahrt für elektrischen Nachschub.

192224
2 von 10

2.: Kann ich mein E-Auto nur zuhause an der Steckdose oder an einer Ladestation tanken?

Nein, auch Schnellladestationen sind eine Möglichkeit. An so einer Station lässt sich beispielsweise der BMW i3 in weniger als einer halben Stunde auf 80 Prozent Ladestand bringen. An der Schnelladestation fließt Gleichstrom mit einer Spannung von maximal 500 Volt und einer Leistung von bis zu 50 Kilowatt. Im Vergleich: Eine gängige Ladestation mit Wechselstrom hat eine Spannung von 230 Volt (Haushaltsspannung) und maximal 3,6 Kilowatt Leistung, der Ladevorgang dauert bei leerer Batterie je nach Modell sechs bis zehn Stunden. In Deutschland sind Schnelladestationen jedoch noch recht selten.

184543
3 von 10

3.: Was bedeutet „induktives Laden“?

Induktives Laden ist praktisch drahtlose Energieübertragung. Die Energie wird dabei kabellos über ein Magnetfeld im Straßenbelag auf einen Empfänger im Fahrzeug übertragen. Mit diesem Strom wird dann die Batterie aufgeladen. Im Gegensatz zum kabelgebundenen Laden ist dieses Verfahren platzsparend, verschleißfrei und sicher vor Vandalismus. Kosten für Kabel, Stecker und Gehäuse fallen nicht an. Bislang gibt es aber noch keine geeigneten Fahrzeuge dafür und auch die Technik steckt noch in den Kinderschuhen.

181735
4 von 10

4.: Welche weiteren Antriebsarten gibt es noch neben Benzin-, Diesel- und Elektromotor?

Eine weitere Variante ist der Hybridantrieb. Dabei ist Hybrid nicht gleich Hybrid. Grundsätzlich bedeutet das nur, dass zwei verschiedene Antriebe miteinander kombiniert werden, meist ein Verbrennungs- mit einem Elektromotor. Beim Voll-Hybrid besteht die Möglichkeit, kleinere Strecken auch rein elektrisch zurückzulegen. Der Mild-Hybrid hingegen hat ebenfalls zwei Antriebe, der Elektromotor kann das Auto allerdings nicht alleine bewegen. Er nimmt dem Verbrenner lediglich Arbeit ab und senkt so seinen Verbrauch oder stellt in bestimmten Fahrsituationen zusätzliche Leistung zur Verfügung.

Eine Mischform aus Elektroauto und reinem Hybrid stellt der Plug-in-Hybrid dar. Seine Batterie kann zusätzlich extern über das Stromnetzt geladen werden.

191857
5 von 10

5.: Warum benötigt ein E-Auto sauberen Strom?

Entscheidend für den tatsächlichen Beitrag zum Umweltschutz ist die Herkunft des Stroms. Stammt dieser überwiegend aus konventionellen Kraftwerken, gerät das Elektro-Auto zur Mogelpackung, da seine Treibhaus-Bilanz nur geringfügig besser ausgefüllt ist als die eines konventionellen Autos. Nur wenn der Strom aus regenerativen Energien wie Wind-, Wasser- oder Sonnenkraft stammt, ist er wirklich sauber.

191856
6 von 10

6.: Können Elektroautos auch Spaß beim Fahren bereiten?

Ja, denn das Elektroauto hat im Vergleich zum Pkw mit Verbrennungsmotor den Vorteil, dass sein Drehmoment nahezu sofort verfügbar ist. Selbst kleinere Elektroautos können so sofort die maximale Leistung ihres Motors nutzen und an der Ampel einem Sportler davonziehen. Beispielsweise liegt das Drehmoment des Kleinstwagen Peugeot iOn bei 196 Newtonmetern. Vom Antritt eines Tesla-Performance-Modells ganz zu schweigen ...

192211
7 von 10

L7.: Wie hoch ist die Batterielebensdauer bei E-Autos?

Langzeiterfahrungen mit den Hochvoltspeichern gibt es noch nicht. Trotzdem dehnt Nissan die Garantieleistung auf die Stromspeicher seines Leaf: Für fünf Jahre garantieren die Japaner eine Gesamtkapazität von mindestens 75 Prozent des Ursprungswertes. Und BMW verspricht Ersatz, sollte der Akku innerhalb von acht Jahren oder binnen 100.000 Kilometer den Geist aufgeben.

Doch wie sich häufiges Nachladen auf Kapazität, Reichweite und Fahrleistungen auswirkt, bleibt abzuwarten. Renault will Erfahrungen über das Ladeverhalten gewinnen und deshalb wird die Batterie des Kleinwagen Zoe auch nur verleast und per eingebauter SIM-Karte fernüberwacht.

Umgekehrt war es auch das schlecht ausgebaute Ladenetz, das manchen kaufkräftigen Interessenten davon abhielt, auf ein rein elektrisches Auto umzusteigen. Zwar lässt sich sagen, dass sich die Zahl der Neuzulassungen von rein batteriebetriebenen Pkws im Jahr 2013 verdoppelt hat. Ein Blick auf die absoluten Zahlen macht jedoch klar: 6000 Elektroautos mehr und damit insgesamt etwa 13.000 auf deutschen Straßen machen den Betrieb von Ladesäulen auch weiterhin zum Zuschussgeschäft.

Umrüstung ohne Baumaßnahmen möglich
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%