iGo3D
Schuhleisten aus dem 3D-Drucker

Massentauglich und erschwinglich wollen die Oldenburger den 3D-Druck machen. Das junge Start-up-Team iGo3D spricht von der neuen Technologie als eine technische Revolution.
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OldenburgHäufig kommen die Kunden in das Geschäft von iGo3D und fragen nach einer 3D-Brille. Dabei bietet ihnen das junge Start-up-Team in der Oldenburger Innenstadt viel mehr: einen 3D-Drucker zum Selberaufbauen und andere Geräte, Workshops zu der neuen Technologie oder ein perfektes Abbild ihrer selbst per Personenscan – kurz: 3D-Druck für jedermann fernab von der bisher vor allem bekannten Industrieproduktion. Dass viele Kunden von dem Angebot überrascht sind, wundert iGo3D-Marketing-Chef Evgeni Vichnevetski nicht: „Wie bei jeder Innovation braucht es Vorlauf, bis sie bei der breiten Masse ankommt.“

Bisher ist der 3D-Druck vor allem als Großanwendung in der Industriefertigung im Aufschwung. Das Oldenburger Start-up ist von seinem Potential und Nutzen für viel alltäglichere Anwendungsbereiche überzeugt und bringt den Kunden die Technik in Workshops nahe. „Für Architekten und Produktdesigner liegen die Vorzüge auf der Hand: Was ihnen gerade noch als Idee durch den Kopf ging, haben sie im nächsten Moment originalgetreu in der Hand“, erklärt Vichnevetski. „Gerade war aber zum Beispiel ein Schuster bei uns im Laden.“ Für den Handwerker sei es günstiger, schneller und unkomplizierter, Schuhleisten für seine Reparaturen per 3D-Druck selbst zu fertigen, statt sie bei den Herstellern zu ordern.

Das günstigste Einsteigermodell bei iGo3D bekommt der Kunde schon für 950 Euro, die teureren Modelle liegen bei bis zu 4.000 Euro, danach kommen die Industriedrucker. Die passende Software inklusive Einführung gehört zum Angebot. Erschwinglich und massentauglich soll der 3D-Druck so werden, ein Geschäftsmodell mit dem das junge Start-up-Duo Michael Sorkin und Tobias Redlin die wie sie sagen gründerfreundliche Umgebung in Oldenburg schnell überzeugen konnten.

Die beiden Anfang-Zwanziger sind für BWL eingeschrieben und haben ihr Geschäft parallel zum Studium aufgezogen. Auch an ihrer Hochschule, der Universität Oldenburg, haben sie Unterstützung für ihr Projekt bekommen.

Die Drucker von iGo3D sind ihren zweidimensional-beschränkten Kollegen auch im Design einiges Voraus: Die etwa bierkastengroßen Glaswürfel erinnern mit ihrem Stahlrahmen wahlweise in Rot, Türkis, Orange, Grau oder anderen Farben an eine schicke Gartenlaterne im futuristischen Design. Im Inneren rast eine haarfeine Nadel leise kratzend in wildem Zickzack hin und her. Gerade einmal 0,02 Millimeter messen die einzelnen Schichten, die die Verkaufsschlager von iGo3D in Feinarbeit auftragen. Diese sogenannte Schichtauflösung ist das Pendant zu der Maßeinheit DPI beim herkömmlichen Druck, die die Qualität des Druckerzeugnisses angibt.

Geschäftsführer Sorkin und Co. haben sich für ihr Sortiment die alleinigen Distributionsrechte im deutschsprachigen Raum gesichert und ihre Partner aus den Niederlanden mit Bedacht ausgewählt. In dem neuen Marktsegment versuchen derzeit viele Hersteller ihr Glück; sie wollen den 3D-Druck im übertragenden Sinne zur Gelddruckmaschine machen. Für den Laien ist es schwierig, den Überblick über diese breite Masse an Anbietern zu behalten und im einzelnen die Qualität zu beurteilen. „Statt auf ein breites, unübersichtliches Portfolio zu setzen, konzentrieren wir uns daher lieber auf ausgewählte starke Partner“, sagt Vichnevetski.

So wollen die Jung-Unternehmer die Qualität ihrer Produkte sicherstellen und zuverlässige Garantien bieten. Beispielsweise seien kostengünstige Filamente, die Druckpatronen für die 3D-Variante, oft aus ungesunden Stoffen gefertigt. Bei iGo3D sind sie nach eigener Auskunft biologisch abbaubar und food-safe, das heißt gesundheitlich unbedenklich, auch wenn das Kleinkind die Eigenkreation mal in der Mund nimmt.

Das Konzept scheint aufzugehen: Gerade mal ein gutes halbes Jahr nach dem Startschuss in Oldenburg plant das Start-up neue Büros in Hannover. Das derzeit 16-köpfige Mitarbeiterteam soll vor allem im Servicebereich aufgestockt werden.

Dann kommt in Hannover vielleicht auch bald die blaue Kette zum Einsatz. Bei der Eröffnung im September vergangenen Jahres in Oldenburg schnitt Geschäftsführer Sorkin nicht etwa wie üblich ein rotes Band durch. Mit der Kneifzange durchtrennte er eine Reihe hellblauer Kettenglieder – natürlich Marke Eigendruck, produziert im hauseigenen 3D-Gerät.

Caroline Lindekamp
Caroline Lindekamp
Handelsblatt / Freie Journalistin
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