Readly

Lesen bis zum Abwinken

Das schwedische Start-up Readly bringt eine Zeitschriften-Flatrate nach Deutschland. Für den monatlichen Preis von 9,99 Euro haben Nutzer digital unbegrenzten Zugang zu Zeitschriften. Vorbild ist der Musikdienst "Spotify".
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Zeitschriften-Flatrate Readly: Seit März gibt es sie in den USA. Quelle: PR

Zeitschriften-Flatrate Readly: Seit März gibt es sie in den USA.

(Foto: PR)

Es war Laurence Mehl, der Geschäftsführer der "Neuen Osnabrücker Zeitung", der am Donnerstag auf dem Publishing-Gipfel der Münchener Medientage den deutschen Geschäftsführer von Spotify, Stefan Zilch, fragte, wie denn eine Variante seines Angebots für Zeitungen aussehen könnte. Gegen eine monatliche Gebühr von 9,99 Euro gewährt Spotify seinen Nutzern unbegrenzten Zugang zu Musik jeglicher Couleur.

Wie man dieses Geschäftsmodell auf den Zeitungsmarkt überträgt, wusste Zilch auch nicht so genau. Vielleicht hätte Mehl besser Per Hellberg gefragt, den CEO von Readly. Wie Spotify kommt Readly aus Schweden. Statt Musik verbreitet der Dienst, ebenfalls zum monatlichen Preis von 9,99 Euro, die Inhalte von Zeitschriften.

In Schweden, den USA und Großbritannien, den drei Märkten, in denen Readly bereits vertreten ist, sind bisher insgesamt 8 487 Ausgaben von 678 Magazinen verfügbar. Schon Anfang Oktober hatte die Hamburger Bauer Media Group ("Bravo", "TV Movie") verkündet, der "erste globale Kooperationspartner" von Readly zu sein.

Diesen Montag starten die Schweden in Deutschland. Außer den deutschen Bauer-Titeln sind auch die Blätter der Funke-Mediengruppe ("Hörzu", "Bild der Frau"), der International Data Group IDG ("Computerwoche", PC Welt") sowie die deutsche Ausgabe des "Vice"-Magazins dabei. Große Zeitschriftenhäuser wie Burda und Gruner + Jahr fehlen zwar, aber Readly-CEO Hellberg ist dennoch zufrieden: "Wir haben 20 Prozent der für uns geeigneten deutschen Zeitschriften im Programm", sagt er.

Groß und Klein gesellt sich gern
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Wenn Groß sich klein macht

Start-ups können internationalen Konzernen frische Ideen liefern, im Gegenzug können große Unternehmen den kleinen Partnern ein gewisses Gewicht am Markt verleihen. Die aufstrebenden Firmen bringen außerdem oft einige Nachwuchstalente mit: Yahoo hat seit 2012 ganze 20 Start-ups in seinen Besitz gebracht. Eines davon ist Stamp, dessen Gründer nach New York geschickt wurden, um dort an Yahoos Produkten im Bereich Mobile Technik zu arbeiten.

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Filmreife Kooperation

Start-ups mit dem entsprechenden Potenzial können sich mit Hilfe von Partnerschaften auf höherer Ebene ausprobieren: Das Technologieunternehmen Oblong, dessen Gründer die Gestik-basierte Steuerungssoftware aus dem Film Minority Report mitbeeinflusst haben, hat für GE ein Pilotkonzept im Bereich Smart-Grid-Analyse entwickelt. Im Jahr 2013 haben die beiden Firmen einen Lizenzabschluss vermeldet.

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Big money, Big Data

Unternehmen können potenzielle Wettbewerber auch gleich kaufen. Im Juli 2014 hat Salesforce, ein großes Unternehmen im Bereich Kundenbeziehungsmanagement, 390 Millionen US-Dollar für RelateIQ bezahlt – ein kalifornisches Big-Data-Start-up, das Daten aus E-Mails und Telefonanrufen sammelt und auswertet, um relevante Erkenntnisse in Echtzeit zu liefern.

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Unerforschtes Terrain

Bei Übernahmen geht es nicht nur darum, sich Wettbewerber einzuverleiben. Große Unternehmen können Start-ups auch kaufen, um ihre Position in neuen Märkten zu festigen. Im Juli hat Apple die Firma BookLamp gekauft, ein E-Book-Start-up, das für seine Buch-Analysesoftware bekannt war. Dessen Technik soll nun vermutlich Apples iBooks-Service verbessern.

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Wie hält man die Ehe am Laufen?

Damit Partnerschaften zwischen Start-ups und Giganten gelingen, müssen oft die Kulturen, Strukturen und Ausrichtungen zweier Unternehmen verflochten werden. Für Start-up-Kräfte, die unabhängiges Arbeiten gewohnt sind, kann das schnell stressig werden. Aber Größenvorteile und die Fähigkeit „die Welt zu verändern“ können ein gutes Verkaufsargument sein.

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Das Risiko wert

Wie nützlich gemeinschaftliche Aktivitäten sein können, war Unternehmen nicht schon immer bewusst. Doch die Angst um das geistige Eigentum haben sie offenbar überwunden. Laut GE Innovation Barometer 2014 gaben 77 Prozent der befragten Manager an, dass Kooperationen das Risiko wert sind. Als Innovationsmotor der nächsten Dekade sind Start-ups und Jungunternehmer die beliebtesten Partner.

Der Inhalt dieser Bilderstrecke stammt aus einer Publikation auf GE Look Ahead und kann unter folgendem Link eingesehen werden: http://gelookahead.economist.com/slideshow/odd-couples/

Das Angebot soll noch wachsen. Für die ersten drei bis vier Monate ist nur ein sogenannter "Soft Launch" geplant. In dieser Zeit wird sich Readly noch mit Marketingausgaben zurückhalten. In den USA ist das Unternehmen ähnlich vorgegangen. Gegründet wurde Readly Ende 2012 von dem schwedischen Internet-Entrepreneur Joel Wikell. Im März 2013 kam die Zeitschriften-App in Schweden auf den Markt. Ein Jahr später expandierte Readly nach Großbritannien und in die USA. Zudem bietet das Unternehmen in Schweden eine App für Bücher an. In einer zweiten Phase, die 2015 beginnen soll, wollen die Skandinavier Asien und Lateinamerika aufrollen. Möglich machen soll das eine Hauptfinanzierungsrunde, die noch 2014 über die Bühne gehen wird. Laut Hellberg ist das Investoreninteresse groß. In einer allerersten Runde hatte das Unternehmen, so der CEO, "13 bis 13,5 Millionen Euro" eingesammelt.

30 Prozent der Abo-Einnahmen behält Readly für sich. Das entspricht exakt dem Prozentsatz, den Apple für Abos, die über seinen iTunes-Store verkauft werden, von Verlagen an Provision verlangt. Doch die unterschiedlichen Geschäftsmodelle sind schwer zu vergleichen, zumal Readly seinen Partnern kostenfrei sämtliche Daten über das Leseverhalten seiner Nutzer überlässt. Zudem verweist Hellberg darauf, dass sein Angebot gedruckte Zeitschriften praktisch nicht kannibalisiere. Lediglich zwei Prozent seiner Nutzer seien vom Print-Magazin zu dem von Readly angebotenen PDF umgestiegen.

Direkte Konkurrenz haben die Skandinavier nicht. Lediglich das holländische Start-up Blendle bietet nach dem iTunes-Prinzip in seinem Heimatmarkt einzelne Artikel an, die für 10 bis 30 Cent pro Stück abgerufen werden können.

In Schweden beschäftigen sich Hellberg und seine Mitarbeiter derzeit übrigens vor allem mit Zeitungen. Am 22. September starteten sie die Betaversion einer Zeitungsflatrate. Seit vergangenen Donnerstag gibt es die reguläre Zeitungs-App, die Readly auch gerne exportieren würde. Vielleicht sollten Zeitungsmanager wie Mehl wirklich mal mit den Schweden sprechen.

  • khr
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