150 Jahre DRK
„Wir stehen nicht an der Spitze der Kritiker“

150 Jahre hat die Rotkreuz-Idee in Deutschland gut funktioniert. Doch was tun, wenn die Jugend fort bleibt? Wenn Migranten zögerlich sind? Wenn es aber gleichzeitig immer mehr Hilfsbedürftige gibt?
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Stuttgart/BerlinDeutschland steuert nach Ansicht von Rotkreuz-Präsident Rudolf Seiters sehenden Auges auf einen massiven Pflegenotstand zu - und tut nichts. „Daher fordern wir eine Aufwertung der Pflegeberufe“, sagte der ehemalige Bundesminister in Interview der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. In Baden-Württembergs Landeshauptstadt feiert das Deutsche Rote Kreuz am Donnerstag mit einem Festakt sein 150-jähriges Bestehen.

150 Jahre DRK. Wo liegen die größten Zukunftssorgen?
Wir sehen, dass wir auf einen Pflegenotstand zusteuern, wenn es nicht gelingt, notwendige Pflegekräfte zu bekommen. Zuwanderung ist kein Allheilmittel. Daher fordern wir eine Aufwertung der Pflegeberufe, um diese Berufe attraktiver zu machen. Professionellen Pflegekräften muss mehr Eigenverantwortung übertragen werden. Sie brauchen aber auch mehr flexible Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten.

Aber das kostet Geld.
Pflegekräfte, die ins Ausland - etwa nach Skandinavien oder Luxemburg - abwandern, begründen dies nicht nur mit der Höhe des Gehaltes, sondern auch mit der größeren Verantwortung, die ihnen im Ausland übertragen wird.

Wie geht es dem DRK im 150. Jahr seines Bestehens?
Wir sind die mit Abstand größte humanitäre Organisation in Deutschland. Wir haben mit unseren sechs Millionen Einsätzen im Rettungsdienst und bei den Krankentransporten einen Anteil in Deutschland bundesweit von 54 Prozent. Wir versorgen mit 3,5 Millionen Blutspenden zu 75 Prozent die Blutversorgung in Deutschland. Wir haben eine Fülle von Krankenhäusern, Altenheimen, Kindergärten. Wir haben Projekte in 50 Ländern der Welt.

Und wie sind die Aussichten?
Wir haben Gott sei Dank die Situation, das die Zahl von 400.000 ehrenamtlichen Helfern stabil geblieben ist. Doch wissen wir, dass die Alterung in der Gesellschaft uns vor große Herausforderungen stellt. Nach allen Prognosen wird die Bevölkerung in Deutschland in den nächsten 20 Jahren um fünf Millionen schrumpfen und die Zahl der 20- bis 65-Jährigen wird auf 53 Prozent zurückgehen. Das heißt: Einer dramatisch steigenden Zahl von Kranken und Hilfsbedürftigen steht eine sinkende Zahl von potenziellen Helfern gegenüber.

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