45 Jahre Prager Frühling
Historiker kämpfen gegen Windmühlen

In der Nacht auf den 21. August 1968 beendeten die Panzer der Sowjetunion und ihrer Verbündeten gewaltsam den „Prager Frühling“. 45 Jahre danach wird das Thema im Geschichtsunterricht noch immer totgeschwiegen.
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Bratislava„Für heutige Schüler ist das Jahr 1968 ebenso weit entfernt wie das Mittelalter oder der 30-jährige Krieg“, sagt Viliam Kratochvil. Damals, vor 45 Jahren, beendeten sowjetische Panzer gewaltsam den „Prager Frühling“. Der Historiker der Universität Bratislava, seit einem Jahr auch Leiter des slowakischen Staatlichen Pädagogischen Instituts SPU, kämpft seit Jahren gegen Windmühlen, wenn es um die Förderung des zeitgeschichtlichen Bewusstseins und die Durchsetzung geeigneter Unterrichtsmaterialien geht.

In der Nacht auf den 21. August 1968 überrollten Panzer der Sowjetunion und ihrer Verbündeten die Tschechoslowakei. Sie beendeten damit gewaltsam das von weltweiter Faszination begleitete Experiment eines „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ unter Führung des slowakischen Reformkommunisten Alexander Dubcek.

Der charismatische Dubcek hatte in seiner Funktion als „Erster Sekretär der Kommunistischen Partei“ und damit oberster politischer Führer des Landes versucht, eine von der sowjetischen Linie abweichende Variante des Kommunismus als Modell einer humaneren Gesellschaft durchzusetzen. Das wollte Moskau mitten im Kalten Krieg nicht akzeptieren und schlug mit eiserner Faust zu.

Zeitzeugen schildern in Privatgesprächen und - immer seltener - auch gegenüber den Medien ihre traumatischen Erlebnisse, als sie damals vom Lärm der durch die Straßen rollenden Panzer aus dem Schlaf gerissen wurden. Aber für die Schulen in Tschechien und der Slowakei sind die damaligen Ereignisse noch immer kein Thema, beklagt Kratochvil. In Tschechien wird das Gedenken in diesem Jahr durch die aktuelle Regierungskrise überschattet. Aber auch in der Slowakei sorgt die Erinnerung an 1968 nur für Randnotizen, obwohl das mediale „Sommerloch“ genug Platz für eine Aufarbeitung lassen würde.

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Es fehlt an Lehrbüchern – und am Willen

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