„Mali hat die Nase voll“
Wahl-Tristesse im Wüstenstaat

Im August wählte Mali mit Rekordbeteiligung einen neuen Präsidenten. Vor den Parlamentswahlen herrscht hingegen Desinteresse. Das liegt auch daran, dass Hoffnungsträger „IBK“ Keita die Bevölkerung schwer enttäuscht hat.
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BamakoWenn ein Land politisch so viel durchgemacht hat wie das westafrikanische Mali, dann sollte die Ausrichtung von demokratisch organisierten Parlamentswahlen eigentlich ein Grund zur Freude sein. Anders als noch bei den Präsidentschaftswahlen vor rund drei Monaten ist aber derzeit in dem Wüstenstaat kein Enthusiasmus zu spüren. Pessimisten rechnen bereits mit einem dramatischen Einbruch bei der Wahlbeteiligung. „Die Leute sind völlig desinteressiert, und die Kandidaten haben keine neuen Slogans. Es sind immer dieselben Köpfe“, sagte ein politischer Beobachter im südlichen Bezirk Sikasso. „Davon haben die Leute die Nase voll.“

Immerhin hat der triste Wahlkampf zumindest in der Hauptstadt Bamako und anderen urbanen Zentren in den vergangenen Tagen ein wenig an Schwung gewonnen. Gingen die Kandidaten wochenlang meist von Tür zu Tür, um Sympathien zu gewinnen, zeigten sie sich kurz vor Toresschluss endlich auch bei öffentlichen Kundgebungen. Aber Mega-Events wie vor den Präsidentschaftswahlen - als der später gewählte Ibrahim Boubacar Keita Zehntausende Menschen ins größte Stadion des Landes lockte – stehen dieses Mal nicht auf dem Programm.

Das Interesse der Bürger bleibt derweil trotz aller Reden und Wahlplakate mager. „Wir spüren null Enthusiasmus. Deshalb sind wir überzeugt, dass die Beteiligung sehr niedrig sein wird“, sagt Aruna Keita von der Präsidentenpartei RPM (Rally für Mali). Für den Mechaniker Amidou Doumbia sind die Kampagnen schlicht „langweilig“. Die rund 6,5 Millionen wahlberechtigten Malier seien desillusioniert und unmotiviert, von ihrem demokratischen Recht Gebrauch zu machen.

Das war im Juli und August anders, als fast die Hälfte der Malier in langen Schlangen vor den Wahllokalen ausharrte. Es handelte sich um ein Rekordergebnis, denn in dem riesigen Land ist die Wahlbeteiligung traditionell äußerst niedrig. Die Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität in dem gebeutelten Land war wohl die treibende Kraft bei der Abstimmung. Der Politikveteran Keita (68) sollte es richten – so sahen es 77 Prozent der Wähler.

„Aber jetzt ist schon wieder eine große Kluft zwischen dem Volk und den Politikern zu spüren“, erklärt der Präsident der „Organisation Junger Reporter in Mali“ (Ojrm), Kassim Traoré. „Präsident Keita hat bisher enttäuscht, und die Wähler scheinen ihre Entscheidung bereits zu bereuen.“

Allerdings hatte der frühere Ministerpräsident auch eine Herkules-Aufgabe vor sich, denn das Land ist seit einem Militärputsch im März 2012 von Chaos, Gewalt und Terror gezeichnet. Radikale Islamisten hatten im Zuge des Staatsstreiches den Norden erobert und dort eine brutale Auslegung der Scharia eingeführt. Seit Januar konnten französische und afrikanische Truppen die Extremisten zwar aus der Region vertreiben – aber Anschläge verüben sie noch immer. Auch sind die Wunden der Schreckensherrschaft noch nicht verheilt.

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Tuareg-Rebellen verüben weiter Anschläge

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