„Mission erfüllt, Präsident tot“

Staatsstreich prägt Chile bis heute

Vor 40 Jahren putschte das chilenische Militär gegen Präsident Salvador Allende. Er wollte das Land demokratischer machen. Bis heute ist unklar, welche Rolle die US-Regierung unter Richard Nixon dabei spielte.
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Ein Panzer fährt am 11. September 1973 zum Präsidentenpalast: Unter General Augusto Pinochet begannen 17 Jahre Diktatur. Quelle: ap

Ein Panzer fährt am 11. September 1973 zum Präsidentenpalast: Unter General Augusto Pinochet begannen 17 Jahre Diktatur.

(Foto: ap)

Santiago de Chile/Buenos Aires/Washington„Meine Aufopferung wird nicht vergeblich sein, sie wird ein moralisches Beispiel sein, das die Untreue, die Feigheit und den Verrat bestrafen wird.“ Das waren die letzten Worte des chilenischen Präsidenten Salvador Allende über Radio Magallanes am 11. September 1973. Zu diesem Zeitpunkt hatte der erste Sozialist im Regierungspalast La Moneda keine Chance mehr, sich dem Staatsstreich der Militärs entgegenzustemmen.

Es war ein grauer Dienstagmorgen. Allende war früh angekommen, nachdem er von den ersten Truppenbewegungen der Marine in Valparaíso erfahren hatte. Heerespanzer umzingelten das Regierungsgebäude. Die Putschisten forderten den Präsidenten zum Rücktritt auf. Ihm werde freies Geleit ins Ausland garantiert. „Scheißverräter!“, hieß die Antwort Allendes. Am Mittag begann der Bombenangriff der Hawker Hunter der Luftwaffe. Zwei Stunden später beging der Staatschef Selbstmord, kurz vor dem Eindringen der Militärs.

Die Schnitzer der Schlapphüte
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Die Anschläge auf das World-Trade-Center hätten womöglich verhindert werden können - wenn die zahlreichen Hinweise nur ernst genommen worden wären. So wurde die Terrororganisation El Kaida völlig unterschätzt und sehr konkrete Erkenntnisse über die späteren Attentäter nicht richtig ausgewertet. Man rechnete offenbar mit Anschlägen im Ausland und fühlte sich in den USA sicher. Zwei der späteren Piloten standen sogar seit dem August 2001 auf den Fahndungslisten der US-Bundespolizei FBI. Trotzdem konnten sie sich unerkannt in Amerika bewegen und unter ihrem wahren Namen in die Todes-Jets steigen.

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Wenig zimperlich ging der CIA mit vermeintlichen Terrorverdächtigen aus fremden Ländern um: Mit einer Flotte im geheimen betriebener Flugzeuge - hier der Start eines CIA-Fliegers in Spanien - brachten die Schlapphüte die zuvor Gekidnappten ins Ausland. Unter den Entführten waren auch der Deutsche Khaled El Masri sowie mehrere Italiener.

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Pikant: Offenbar waren deutsche Sicherheitskräfte frühzeitig in die rechtswidrigen Machenschaften eingeweiht. Ein Untersuchungsausschuss versuchte Licht in die Vorgänge zu bringen. Die deutsche Justiz erließ gegen zehn CIA-Agenten Haftbefehl, in Italien wurden 25 Amerikaner in Abwesenheit verurteilt. El Masri kämpft unterdessen für die in Haft erlittene Folter um Entschädigung.

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Eines der Gefängnisse war in dieser ehemaligen Reitschule in Litauen versteckt. Jahrelang wurden hier Terrorismusverdächtige widerrechtlich festgehalten und gefoltert. Dabei kam auch das gefürchtete "Waterboarding", also simuliertes Ertrinken, als Folter zum Einsatz.

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Auch das US-Gefangenenlager Guantanamo gehört zu den unrühmlichen Fehltritten der amerikansichen Geheimdienste. Eingerichtet in einer Bucht am Südende Kubas ist das Lager durch zahlreiche Skandale aufgefallen: Die USA internieren hier neben Terrorkämpfern auch Unschuldige, darunter Kinder im Alter ab 13 Jahren. Auch der Deutsche Murat Kurnaz wurde nach Guantanamo verschleppt und illegal festgehalten.

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Viele der ursprünglich 774 Gefangenen in "Camp Justice" müssen in Drahtverschlägen unter freiem Himmel ausharren, Gerichtsprozesse nach rechtsstaatlichen Grundsätzen fanden bislang nur vereinzelt statt. Präsident Obama hat angekündigt, dass Lager zu schließen - die Bemühungen stocken jedoch seit Monaten.

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Die Berichte sind skurril: Agenten verlieren ihre Laptops nach Zechgelagen im Taxi, Minister tragen Geheimdokumente für alle Sichtbar durch die Öffentlichkeit, CDs mit sensiblen Daten gehen auf dem Postversand verloren - Seit Jahren kämpfen CIA, FBI und MI5 mit der Schusseligkeit ihrer Mitarbeiter.

Das dreijährige Experiment eines „demokratischen Wegs zum Sozialismus“ war abgebrochen worden. „Mission erfüllt, Präsident tot“, meldete seinen Vorgesetzten der General Javier Palacios, der den Angriff anführte. Unter der Führung des Generals Augusto Pinochet begannen 17 Jahre Diktatur, in denen bis zu 38 000 Menschen gefoltert oder getötet wurden.

Unter den Opfern war Luftwaffen-General Alberto Bachelet, der sich dem Staatsstreich widersetzt hatte. Er starb im März 1974 an den Folgen der Folter, die er im Keller der Luftwaffenakademie erlitten hatte. Zum Direktor der Akademie war der damalige Luftwaffen-Oberst Fernando Matthei ernannt worden - vier Jahre später wurde er als Luftwaffenchef Mitglied der Militärjunta und blieb dies bis zur Wiedereinführung der Demokratie 1990. Von der Folterung seines Freundes Bachelet habe er nichts gewusst, erklärte Matthei vor zwei Monaten vor Gericht.

Nixon: „Wir holen Allende von der Bühne. Er ist ein Feind.“
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