„Mission erfüllt, Präsident tot“
Staatsstreich prägt Chile bis heute

Vor 40 Jahren putschte das chilenische Militär gegen Präsident Salvador Allende. Er wollte das Land demokratischer machen. Bis heute ist unklar, welche Rolle die US-Regierung unter Richard Nixon dabei spielte.
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Santiago de Chile/Buenos Aires/Washington„Meine Aufopferung wird nicht vergeblich sein, sie wird ein moralisches Beispiel sein, das die Untreue, die Feigheit und den Verrat bestrafen wird.“ Das waren die letzten Worte des chilenischen Präsidenten Salvador Allende über Radio Magallanes am 11. September 1973. Zu diesem Zeitpunkt hatte der erste Sozialist im Regierungspalast La Moneda keine Chance mehr, sich dem Staatsstreich der Militärs entgegenzustemmen.

Es war ein grauer Dienstagmorgen. Allende war früh angekommen, nachdem er von den ersten Truppenbewegungen der Marine in Valparaíso erfahren hatte. Heerespanzer umzingelten das Regierungsgebäude. Die Putschisten forderten den Präsidenten zum Rücktritt auf. Ihm werde freies Geleit ins Ausland garantiert. „Scheißverräter!“, hieß die Antwort Allendes. Am Mittag begann der Bombenangriff der Hawker Hunter der Luftwaffe. Zwei Stunden später beging der Staatschef Selbstmord, kurz vor dem Eindringen der Militärs.

Das dreijährige Experiment eines „demokratischen Wegs zum Sozialismus“ war abgebrochen worden. „Mission erfüllt, Präsident tot“, meldete seinen Vorgesetzten der General Javier Palacios, der den Angriff anführte. Unter der Führung des Generals Augusto Pinochet begannen 17 Jahre Diktatur, in denen bis zu 38 000 Menschen gefoltert oder getötet wurden.

Unter den Opfern war Luftwaffen-General Alberto Bachelet, der sich dem Staatsstreich widersetzt hatte. Er starb im März 1974 an den Folgen der Folter, die er im Keller der Luftwaffenakademie erlitten hatte. Zum Direktor der Akademie war der damalige Luftwaffen-Oberst Fernando Matthei ernannt worden - vier Jahre später wurde er als Luftwaffenchef Mitglied der Militärjunta und blieb dies bis zur Wiedereinführung der Demokratie 1990. Von der Folterung seines Freundes Bachelet habe er nichts gewusst, erklärte Matthei vor zwei Monaten vor Gericht.

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