Politstar und Arbeiterkaiser
Vor 100 Jahren starb August Bebel

Er war ein Gegenpol zum Kaiser. Ein Politstar seiner Zeit. August Bebel ebnete den Weg der Sozialdemokratie zur Massenbewegung und setzte sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein. Vor 100 Jahren starb er.
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BerlinAugust Bebel war bei seinem Tod ein reicher Mann. Er hinterließ der Tochter und dem einzigen Enkelkind 300.000 Mark, das 200-fache eines gehobenen Facharbeiterlohns zu jener Zeit. Recht viel für einen aus armen Verhältnissen stammenden Arbeiterführer. Er war ein „mit allen Wassern der kapitalistischen Geldanlage gewaschener Arbeiterführer“, schreibt der Historiker Jürgen Schmidt.

Aber er blieb seiner Arbeiterklasse treu, gepaart mit großer rhetorischer Gabe wurde er einer der entscheidenden Wegbereiter der deutschen Sozialdemokratie. Ein Jahr vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs starb er - vor genau hundert Jahren am 13. August 1913.

Bebel war bis zu seinem Tod der bekannteste Kopf der SPD, bei den Reichstagswahlen 1912 wurde die Partei mit fast 35 Prozent der Stimmen stärkste Fraktion. Sehr zum Verdruss der Monarchisten im Kaiserreich. „In der Person Bebels entfaltete sich die ganze Breite politischen Arbeitens: Netzwerke knüpfen, Reden halten, Kongresse organisieren, das Geld der Partei renditeträchtig in Wertpapieren anlegen“, schreibt Schmidt in einer sehr fundierten, lesenswerten Biografie, die gerade im Rotpunkt-Verlag erschienen ist.

Bebel war eine Art Sisyphos der Arbeiterbewegung: erstmal musste sie geeint werden, dann der Fortbestand auch zur Zeit von Bismarcks Sozialistengesetzen (1878-90/de facto ein Parteiverbot) gesichert und mehr soziale Gerechtigkeit hart erkämpft werden. Wegweisend war Bebels Buch „Die Frau und der Sozialismus“, noch zu seinen Lebzeiten erschien es in 52 Auflagen. Hier setzte er sich visionär für eine berufliche und politische Gleichberechtigung von Mann und Frau ein. Er war ein begnadeter Redner, Arbeiter strömten zu seinen Auftritten. In vielen Arbeiterwohnungen hing sein Porträt neben dem des Kaisers.

„Er hat gegen den Obrigkeitsstaat gekämpft und dafür Verfolgung und Haft in Kauf genommen“, sagt der heutige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel. Er habe „geradezu prophetisch vorausgesehen, dass der wilhelminische Militarismus in einem verheerenden Weltkrieg münden würde“. Mit einer Legende muss Gabriel aber aufräumen. „Die Bebel-Uhr, die angeblich von einem Parteivorsitzenden an den nächsten weitergereicht wird, die ist leider ein schöner Mythos.“

Der in Köln-Deutz am 22. Februar 1840 als Sohn des Unteroffiziers Johann Gottlob Bebel Geborene schreibt in seinen Memoiren, das erste Licht der Welt sei für ihn „das trübe Licht einer zinnernden Öllampe“ gewesen, in einer Stube, die Schlaf- und Wohnzimmer, Salon, Küche und Wirtschaftsraum zugleich war. „Eine preußische Unteroffiziersfamilie der damaligen Zeit lebte in erbärmlichen Verhältnissen.“ Es galt: „Für Gott, König und Vaterland den Schmachtriemen anzuziehen und zu hungern“. Diese Verhältnisse haben Bebel tief geprägt und zum politischen Kämpfen ermuntert.

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