Präsidentenwahl in Chile
Sozialistin ist Anwärterin auf höchstes Staatsamt

Sollte Michelle Bachelet die absolute Mehrheit verfehlen, könnte es zu einer denkwürdigen Stichwahl kommen: Ihre stärkste Rivalin ist die Tochter eines ehemaligen Junta-Mitglieds.
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Santiago de Chile/Buenos AiresSo viele Bewerber gab es bei einer Präsidentenwahl in Chile noch nie - sechs Männer und drei Frauen. Doch nur einer der Frauen wird bei der Wahl am Sonntag auf Anhieb der Sieg zugetraut: der Sozialistin Michelle Bachelet, die das Land bereits von 2006 bis 2010 regierte. Die einzige Mitbewerberin, die Bachelet laut Umfragen in eine Stichwahl zwingen könnte, ist Evelyn Matthei, eine Kandidatin des rechten Lagers. Vor dem Hintergrund der jüngeren chilenischen Geschichte eine denkwürdige Begegnung.

Bachelet (62) und Matthei (60) kennen sich von Kind auf, da ihre beiden Väter befreundete Luftwaffenoffiziere waren. Die Wege der Väter trennten sich mit dem Militärputsch vom September 1973, als General Augusto Pinochet den ersten sozialistischen Präsidenten Chiles, Salvador Allende, stürzte und fortan als Diktator regierte. General Alberto Bachelet, der Allende loyal blieb, wurde von den Putschisten festgenommen und zu Tode gefoltert. General Fernando Matthei kehrte kurz nach dem Staatsstreich aus London nach Chile zurück und übernahm zunehmend Verantwortung in der Militärregierung - bis zum Junta-Mitglied.

Michelle Bachelet genießt in der Bevölkerung große Beliebtheit, die weit über die ideologische Bindung der Wähler an die Parteien des Mitte-Links-Bündnisses Nueva Mayoría hinausgeht. Neu an der „Neuen Mehrheit“ ist die Aufnahme der Kommunistischen Partei in das Bündnis von Christdemokraten, Sozialdemokraten und Sozialisten.

Evelyn Matthei von der rechten Unabhängigen Demokratischen Union (UDI) gilt als „eiserne Lady“ Chiles. Im Kabinett des scheidenden Präsidenten Sebastián Piñera (63) war sie Arbeitsministerin. Der unabhängige Kandidat Franco Parisi (46), der mit einem parteifreien und unternehmernahen Ton auftritt, steht in den meisten Umfragen an dritter Stelle und schneidet in einigen sogar besser ab als Matthei.

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