Sexuelle Bombe
Vor 60 Jahren schlug der Kinsey-Report ein

Als Schmutzfinken, der unanständige Sachen ans Tageslicht brachte, sehen ihn heute noch einige: Vor 60 Jahren hat Alfred Kinsey seinen Bericht über die Sexualität der Frau vorgelegt. Das Entsetzen war vorprogrammiert.
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New YorkVielleicht war es einfach nur Neugier. Vielleicht aber auch der Umstand, dass er mit 27 unberührt in die Ehe ging und die Hochzeitsnacht ein Desaster war: Alfred Kinsey war der große Faktensammler, wenn es um Sex ging. Nachdem er bei Tausenden unter die Bettdecke geschaut hatte, veröffentlichte er zwei Berichte, die Skandal und Aufbruch zugleich waren. Der aufsehenerregendere, der über die Sexualität der Frau, wird nun 60 Jahre alt.

Wie der große Aufklärer sah Kinsey nicht aus: Strubbelige Haare, schiefsitzende Fliege und Anzüge, die auch Ende der 1940er nicht mehr so taufrisch waren. Seine Vorträge waren monoton, aber er galt als Experte. Für Gallwespen. Der Insektenforscher hatte sich mehr als 20 Jahre der Art gewidmet, bevor er merkte, dass in den USA über das Paarungsverhalten der Spezies Gallwespe mehr bekannt war als über das Paarungsverhalten der Spezies Mensch. Also befragten er und seine Mitarbeiter Tausende Menschen, sehr intim und sehr anonym.

Der Bericht über die Sexualität der Männer sorgte 1948 schon für Aufsehen, schrieb Kinsey doch, dass Homosexualität keine Randerscheinung und schwule Gefühle auch bei Heteros weit verbreitet seien. Auch das Thema Selbstbefriedigung wurde aus dem Verborgenen gerissen. Erregung durch sadomasochistische Schilderungen? Bei fast jedem Vierten. Und obwohl man ahnen konnte, dass bei der Sexualität des Mannes oftmals auch eine Frau dabei war – die junge Frau der Fünfziger war doch keusch und züchtig und schätzte den Beischlaf doch höchstens als Blümchensex. Oder?

Skandal: Jede vierte Frau nehme es mit der Treue nicht so genau, behauptete Kinsey 1953 nach der Befragung von 6000 Frauen. Gut die Hälfte gehe zwar in unschuldigem Weiß, aber beileibe nicht unerfahren in die Ehe.

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Kritik an Kinsey nicht ganz unberechtigt

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