Spionage
Ex-Nato-Mitarbeiter zu sieben Jahren Haft verurteilt

Er beschaffte sich hochbrisante Daten der Nato, kopierte und versteckte sie. Deshalb muss ein früherer Mitarbeiter des Militärbündnisses nun für mehrere Jahre in Haft. Nach Auffassung der Richter wollte er die Daten an eine fremde Macht verkaufen.
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KoblenzEin früherer Nato-Mitarbeiter ist wegen Spionage bei dem Militärbündnis zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Das Koblenzer Oberlandesgericht (OLG) sah es am Dienstag als erwiesen an, dass sich der 61-Jährige 2012 auf der US-Airbase Ramstein sensible Daten überspielen ließ und dann auf eigene Rechner und USB-Sticks abspeicherte. Er habe sie später weiterverkaufen wollen. Da es sich um Staatsgeheimnisse gehandelt habe, sei der Angeklagte der landesverräterischen Ausspähung schuldig, sagte der Vorsitzende Richter Andreas Völpel.

Die Daten enthielten nach Gerichtsangaben unter anderem Passwörter für Nato-Systeme sowie Informationen zu Serverstandorten. Als Abnehmer wären demnach die Geheimdienste Chinas und Russlands infrage gekommen. Es wäre für Experten möglich gewesen, mit Hilfe der Daten Schadsoftware in ein geschlossenes System der Nato einzuschleusen. Völpel nannte die Daten ein „operatives Herzstück“ der Nato. Eine mit diesen Daten ausgeführte Cyber-Attacke hätte „verheerende Auswirkungen“ gehabt. Der Angeklagte habe sie weitergeben wollen, um daraus Kapital zu schlagen und sich an seinem ehemaligen Arbeitgeber zu rächen, bei dem er im Juli 2012 ausschied.

Mit dem Urteil blieb das Gericht nur knapp unter der Forderung der Bundesanwaltschaft, die siebeneinhalb Jahre Haft gefordert hatte. Der 61-Jährige bestreitet die Vorwürfe, seine Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert. Der Mann will sich die Daten beschafft haben, um auf Sicherheitslücken bei der Nato aufmerksam zu machen.

Dafür hätte es aber genügt, sich nur eine Datei zu beschaffen und nicht gleich eine ganze Reihe zu mehreren Zeitpunkten, sagte Richter Völpel. Zudem hätte der Mann die Daten dann nicht auf USB-Sticks speichern und diese in der Küche und dem Keller des eigenen Hauses in der Pfalz verstecken müssen. Die Brisanz der Daten sei dem IT-Experten, der seit seiner Festnahme im August 2012 in Untersuchungshaft sitzt, jederzeit bewusst gewesen.

Die Bundesanwaltschaft zeigte sich zufrieden mit dem Urteil. Verteidiger Michael Rosenthal sagte: „Wir sind ziemlich erschüttert.“ Wahrscheinlich werde Revision eingelegt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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