Steinkohletag in Essen
Abschied von einer Schlüsselindustrie

Deutschland verabschiedet sich von einer seiner stolzesten Industriebranchen. Beim deutschen Steinkohletag in Essen schwang schon ein Hauch von Wehmut mit: 2018 ist Schluss mit der Förderung.
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EssenViele Jahre war die Steinkohle eine der Schlüsselindustrien im Land mit bis zu 500.000 Beschäftigten. Jetzt kämpft die traditionsreiche Branche, deren Aus bis Ende 2018 politisch beschlossen ist, um eine sanfte Landung für die letzten tausend Kumpel - ohne betriebsbedingte Kündigung und Kahlschläge in den Zechenstädten. Allein bis Ende dieses Jahres werden 3000 Jobs auf dann noch 14.500 Stellen in den verbleibenden drei deutschen Zechen abgebaut - keine leichte Aufgabe bei laufendem Betrieb und ohne Qualitätseinbußen, wie der Chef des Zechenbetreibers RAG, Bernd Tönjes, am Montag in Essen beim deutschen Steinkohletag sagte.

Die Steinkohle deckt trotz der Energiewende weiter rund ein Fünftel der Stromerzeugung in Deutschland ab - nur, dass die nötige Kohle weit überwiegend und ab 2019 komplett importiert wird. Daneben sucht die RAG neue Wege als grüner Energieproduzent. Solarparks im Saarland, wo deutlich häufiger die Sonne scheint als im Ruhrgebiet, sind geplant. Es gibt bereits Biomasseparks in Gelsenkirchen auf Zechenhalden. Die RAG baut Windparks auf den bis zu 100 Meter hohen Halden im Ruhrgebiet und im Tecklenburger Land.

Ein Schlüsselprojekt könnten Pumpspeicherkraftwerke mit mehreren hundert Megawatt Kapazität in ehemalige Schächten werden. In ihnen würde das Wasser zu Zeiten des Strombedarfs rund 1000 Meter tief stürzen und Turbinen antreiben. Wenn Strom im Überfluss vorhanden ist, wird es wieder hochgepumpt: Ein großer möglicher Beitrag zum Problem der Energiespeicherung, von dessen technischer Machbarkeit die RAG überzeugt sei, sagte Tönjes. Größere Proteste von Umweltschützern seien nicht zu befürchten, da diese Kraftwerke äußerlich kaum sichtbar sind. „Seltene Schmetterlinge, Fledermäuse und Feldhamster gibt es unter Tage eben nicht“, sagt Tönjes.

Infografik Woher kommen die Rohstoffe für deutsche Energie?



All diese Bemühungen können den einstigen Glanz der Kohlebranche natürlich nicht ersetzen, sind sich alle Beteiligten einig. Für die grüne Zukunft der Steinkohle rechnen Fachleute nur mit wenigen hundert Jobs. Die RAG wird außerdem schon wegen der dauerhaften Folgelasten wie dem Abpumpen von Grubenwasser weiterbestehen.

Ins Schwärmen geraten die Kohlemanager angesichts eines Angebots aus China. Bei einer Reise einer Delegation unter anderem mit NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) hatten vor kurzem chinesische Verantwortliche den Deutschen angeboten, in einer lukrativen Kohlelagerstätte in China ein Referenzbergwerk für deutsche Bergbautechnik zu errichten. Die Gespräche dazu sollen fortgesetzt werden. Das wäre eine tolle Chance, deutsche Bergbauexpertise auch künftig zu zeigen, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) Ulrich Grillo.

Ob etwas draus wird, ist offen - genau wie bei den grünen Zukunftsbemühungen der Branche. Klar ist dagegen, dass der Traditionsgruß der Bergleute in Deutschland bald verstummt. Wegen des Kohleausstiegs wurde das Programm des Kohletages am Montag bereits auf einen Vormittag komprimiert. Die nächsten Jahre soll die Veranstaltung ganz wegfallen - bis zu einem letzten Treffen im Jahr 2018, dem endgültigen Abschied aus der Förderung.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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