Tierseuchenforschung auf Riems
Merkel weiht neues Hochsicherheitslabor ein

Nach fünf Jahren Bauzeit wird der Hochsicherheitstrakt des Instituts eingeweiht. Dafür reist sogar die Bundeskanzlerin an. Sie wird einer der letzten Besucher dort sein.
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Riems/RostockBundeskanzlerin Angela Merkel weiht am Freitag zusammen mit Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner auf der kleinen Ostseeinsel Riems offiziell die ersten Hochsicherheits-Forschungslabore für Großtiere in Europa ein. Damit kann das dortige Friedrich-Löffler-Institut für Tiergesundheit (LFI) künftig noch besser Tierkrankheiten wie Rinderwahn, Vogelgrippe und Schweinepest erforschen.

Nirgendwo in Europa gibt es ähnliche Labore und Ställe der höchsten Sicherheitsstufe 4, in denen mit Großtieren an tödlichen Erregern wie Sars, Ebola oder dem Krim-Kongo-Hämorrhagischen Fieber geforscht werden kann – Krankheiten, die, von Tieren übertragen, hochgefährlich für den Menschen sind und gegen die es bislang keine wirksame Impfung oder Therapie gibt. Lediglich im kanadischen Winnipeg und dem australischen Geelong arbeiten vergleichbar dimensionierte Einrichtungen, sagt Institutschef Thomas Mettenleiter.

Kanzlerin Merkel bei der Einweihung einer der letzten Besucher in der tierischen Hochsicherheitszone sein. Schrittweise werden die komplexen Anlagen bis 2015 hochgefahren, Notfallsituationen trainiert und Mitarbeiter geschult, bevor dort mit den Erregern gearbeitet wird.

Rund 300 Millionen Euro hat der Bund in die beiden neuen über 200 Meter langen Gebäude gesteckt, in denen insgesamt 89 Labore verschiedener Sicherheitsstufen und 163 Ställe untergebracht sind. Das Sicherheitssystem für den sensibelsten Bereich der höchsten Stufe L4 vergleichen Experten mit dem für Atomkraftwerke.

Die Labore liegen im Inneren der Gebäude. Die Tierforscher können sie nur erreichen, wenn sie vorher bereits die Sicherheitsschleusen der niedrigeren Sicherheitsstufen passiert haben. Dann müssen sie noch einmal duschen, sich desinfizieren und Spezialanzüge anlegen, die denen von Astronauten ähneln.

Der Weg zurück ins Freie ist ebenso aufwendig. Luft und Wasser gehen durch diverse Filter, bevor sie in die Labore und wieder heraus strömen. In den Laboren herrscht ständig ein Unterdruck. Dadurch soll zusätzlich verhindert werden, dass gefährliche Viren, Bakterien und andere Krankheitserreger nach außen gelangen.

In den neuen Hochsicherheitslaboren soll nach Angaben einer Institutssprecherin auch das Krim-Kongo-Fieber erforscht werden. In den vergangenen Jahren war die Krankheit in Südosteuropa mehrfach von infizierten Ziegen, Schafen oder Kühen auf Menschen übertragen worden. Ein weiteres Forschungsprojekt beschäftigt sich mit dem Schmallenberg-Virus, das nach einem Ort in der Eifel benannt sei. Es kann Rinder, Schafe und Ziegen befallen und führt zu Missbildungen des Nachwuchses.

Außerdem erobern exotische Mücken zunehmend Deutschland als Lebensraum. Die als Überträger des für Menschen gefährlichen West-Nil-Virus bekannte Asiatische Buschmücke wurde erstmals im Jahr 2012 in einer größeren Population in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz nachgewiesen.

In erster Linie erforscht das bundeseigene FLI die Krankheiten von Nutztieren. Es beschäftigt sich aber auch mit artgerechter Haltung oder effizienter Fütterung von Nutztieren. Als Versuchsobjekte dienen derzeit knapp 100 Rinder, Schweine, Wildschweine und Schafe. Hinzu kommen Fische wie Lachse und Forellen, sowie Versuchsmäuse und -kaninchen. Die Tiere werden zum Teil auf der Insel für die Forschung gezüchtet.

Auf Riems werden seit 1910 Tierkrankheiten erforscht. Benannt ist das Institut nach seinem Gründer Friedrich Löffler (1852 - 1915). Der Mediziner und Forscher entdeckte unter anderem den Erreger der Maul- und Klauenseuche und entwickelte ein Serum dagegen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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