Weltenergiekonferenz in Korea
In den Wind geschlagen

Auf der Weltenergiekonferenz findet die deutsche Energiewende kaum Beachtung. Kein deutscher Politiker hat den Weg überhaupt erst auf sich genommen. Dabei würde der Blick über die eigenen Grenzen vieles relativieren.
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DaeguMehr als 6000 Energiemanager und -experten sind zur Weltenergiekonferenz ins südkoreanische Daegu gereist. Aus 110 Ländern sind sie gekommen. Auch Hunderte Politiker sind darunter, sogar 50 Minister. Nur aus Deutschland, dem Land der Energiewende, hat kein Politiker den Weg auf sich genommen.

Vertreter von Union, SPD und Grünen haben in Berlin vermeintlich Wichtigeres zu tun. Sie feilschen um die künftige Regierung und positionieren sich für die zukünftige, die nationale Energiepolitik. Dabei würde der Blick über die eigenen Grenzen vieles relativieren. Bei der Weltenergiekonferenz, die alle drei Jahre stattfindet, wird deutlich: Das deutsche Modell ist einzigartig, und das wird es wohl auch bleiben. Zu groß ist der Energiehunger in den Entwicklungs- und Schwellenländern.

"Die meisten hier verstehen gar nicht richtig, was bei uns vor sich geht" , sagt Eon-Vorstand Leonhard Birnbaum. "Und wenn man es ihnen erklärt, können sie es kaum glauben. Erzählen Sie einmal einem Afrikaner, mit wie viel Geld wir die erneuerbaren Energien fördern!"

Birnbaum ist Vice-Chairman Europe des Weltenergierats, der die Konferenz ausrichtet. Der Rat wurde 1923 gegründet und bringt als nichtstaatliche Organisation Vertreter von Energiewirtschaft, Energietechnik und Politik zusammen.

Der Weltenergierat präsentierte zum Auftakt der Konferenz neue Prognosen, die Experten aus allen Kontinenten erarbeitet haben. Eine der wichtigsten Aussagen: Die Nachfrage nach Primärenergien - also natürlich vorkommenden Energieformen oder Energiequellen - wird bis 2050 um bis zu 61 Prozent klettern, der Stromverbrauch um bis zu 150 Prozent. Selbst wenn sich die Welt auf einen Klimaschutz einigen sollte, werde der Anteil der fossilen Energieträger am Primärenergieverbrauch bei 59 Prozent liegen, sonst bei 77 Prozent. Heute haben Öl, Kohle und Gas einen Marktanteil von 80 Prozent.

Infografik Woher kommen die Rohstoffe für deutsche Energie?



Khalid Al-Falih hat sich über diese Prognose sehr gefreut. Er ist Vorstandschef von Saudi Aramco, der staatlichen Ölgesellschaft von Saudi Arabien, dem weltgrößten Ölproduzenten. Auf der Energiekonferenz verbreitete er gute Laune. So werde bis 2050 die Weltbevölkerung um zwei auf dann neun Milliarden steigen und die Weltwirtschaft "auf das Drei-, hoffentlich sogar das Vierfache", sagt Al-Falih. Damit steige die Nachfrage nach Treibstoff und Elektrizität - Sparmaßnahmen hin oder her. Nur gut, meint Al-Falih, dass die Welt "mit einem kolossalen Reservoir an fossilen Energien gesegnet ist". Allen voran natürlich Öl.

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