Teleportation
Ist beamen möglich?

Das Zitat „Beam mich rauf, Scotty!“ ist nicht nur Science-Fiction-Fans bekannt. In der US-Kultserie „Star Trek“ werden Menschen problemlos von einem Fleck zum anderen teleportiert. Aber wie sieht es in der Realität aus?
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„Beam mich rauf, Scotty!“ Dieses Kommando ist Fans der in den 70er-Jahren erschienenen US-Kultserie Star Trek – in Deutschland bekannt unter dem Namen „Raumschiff Enterprise“ – bestens vertraut. Begleitet von einem durchdringenden metallischen Geräusch lösten sich die Passagiere an Bord des Raumschiffs zuerst in Nichts auf, um dann kurze Zeit später an anderen Orten wieder aufzutauchen.

Seit damals ist das Beamen ein fester Bestandteil der Science-Fiction-Literatur – und eine schöne Utopie. Aber ist man der Verwirklichung des Traums inzwischen nähergekommen?

Leider: Auch wenn wir uns noch so gerne aus dem Stau oder der ultralangweiligen Party wegbeamen würden, es geht nicht. Wir können mittlerweile Bilder, Musik und Filme über weite Entfernungen transportieren, und TV-Stationen können ihre Außenreporter relativ überzeugend per Projektion im Studio auftauchen lassen. Aber Materie zu „teleportieren“ ist bis heute technisch unmöglich und wird es wohl auch auf Jahre noch bleiben.

Das hat viele Gründe: Bilder oder Musik kann man in viele kleine Bestandteile zerlegen, in digitale Pakete. Mit Materie ist das nicht möglich. Warum das so ist, hat Peter Aufmuth vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik anschaulich für die gemeinnützige Initiative „Wissenschaft im Dialog“ beantwortet: Zum einen müsste ein Objekt für eine erfolgreiche Teleportation mit all ihren aktuellen Zuständen – die Fachleute sprechen von Ort und Impuls – analysiert werden. Nur dann könnte es an anderer Stelle exakt wieder aufgebaut werden. Für das hochkomplexe Gebilde des Menschen nennt Aufmuth rund zehn hoch 26 Atome, für die das geschehen müsste – das sind 100 Quadrillionen an der Zahl. Selbst wenn die rasante Entwicklung der Informationstechnologie berücksichtigt wird, ist es auf Jahre unmöglich, alle diese Informationen zu erfassen, auszuwerten, zu speichern und noch dazu wegzutransportieren.

Zum anderen ist es nach bisherigen Erkenntnissen ohnehin nicht machbar, für jedes dieser Atome Ort und Impuls festzustellen. Das ergibt sich aus der Heisenberg’schen Unschärferelation. Das Gesetz der Quantenmechanik besagt – vereinfacht ausgedrückt –, dass die Informationen über das Objekt zu ungenau sind für eine erfolgreiche Teleportation.

Die Autoren von Star Trek waren immerhin so ehrlich, dieses Manko einzuräumen. Sie haben deshalb einen „Heisenberg Kompensator“ erfunden. Wie der genau funktionierte, wurde natürlich nicht erklärt.

Am heikelsten ist aber das Zerlegen eines Objekts. Abgesehen davon, dass das im Fall eines Menschen schwer vorstellbar ist, ist Experte Aufmuth davon überzeugt, dass man dazu mehr Energie benötigen würde, als die gesamte Menschheit derzeit herstellt. Auch der verlustfreie Transport all dieser Teilchen ist ein nicht einmal im Ansatz geklärtes Problem. Zu guter Letzt braucht man ein Gerät, das aus den Teilchen wieder das Ursprungsobjekt zusammenbaut. Ideen, wie das funktionieren könnte, gibt es ebenfalls keine.

Fazit: Beamen ist also auch mehr als 40 Jahre nach seiner filmischen Erfindung nichts weiter als eine Utopie, an der Wissenschaftler derzeit keinen ernsten Gedanken verschwenden.

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