25 Jahre danach: Die Überlebenden von Tschernobyl

25 Jahre danach
Die Überlebenden von Tschernobyl

Bereits vor 25 Jahren erlebte die Welt einen Schock, als ein atomarer Super-GAU in Tschernobyl tausende Menschen das Leben kostete. Handelsblatt-Korrespondent Florian Willershausen traf in der Sperrzone zwei Überlebende.
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DüsseldorfAn einem Sonntag vor 25 Jahren endet das Leben in Pripjat. Seitdem verfällt die Mittelschule Nummer eins. Im Klassenzimmer rostet nun die Tafel an der Wand, die Noten der letzten Klausur stehen darauf. Am Boden ist ein Buch mit dunkelgrünem Ledereinband festgefroren: „Theorie und Praxis kommunistischer Erziehung.“ Nach diesem Buch hätten die Lehrer wohl auch die Kinder von Andrej Gluchow zu wackeren Sowjetmenschen erzogen, wenn nicht vor 25 Jahren dieses schreckliche Unglück geschehen wäre.

Gluchow erzählt draußen auf der Straße, wie schön das Leben in Pripjat einmal war, bevor dieses Unglück den Tag in der Schule eingefroren hat, in die nun kalte Luft zieht durch die geborstenen Fenster.

Am 28. April 1986 gegen 14 Uhr bleibt das Leben hier einfach stehen. Hunderte Busse fahren vor, die 48 000 Bewohner der „Stadt der Energetiker“, wie sie Pripjat gerne nennen, steigen hastig ein. Niemand weiß, wo die Fahrt enden wird, nicht einmal der Fahrer. Die Frauenstimme aus dem Radio hatte lediglich gesagt, die Genossen mögen sich auf eine dreitägige Abwesenheit einstellen. Eine Evakuierungsübung, keine große Sache. Die Bewohner von Pripjat denken, es wird schon nicht so tragisch sein. Sie werden nie zurückkehren.

Die Natur erobert seit diesem Tag die verlassene Stadt zurück. Es kommen nur mehr ein paar Plünderer, die Scheiben zerschlagen und Wertsachen stehlen. Auf dem Boden der Schule liegen nun Scherben und Staub.

Staub? Der Sicherheitsmann vom Kraftwerk hatte gewarnt: Auf befestigten Wegen bleiben, keinen verseuchten Staub aufwirbeln und einatmen. Es ist wohl an der Zeit, die Schule zu verlassen.

Dieser erste Besuch in Pripjat ereignet sich an einem Donnerstag im Februar, beinahe 25 Jahre nachdem die Bewohner von Pripjat ihre Häuser verlassen haben. EU-Kommission und Europas Wiederaufbaubank EBRD haben gut 50 Journalisten aus verschiedenen Ländern hierher ins Sperrgebiet um Tschernobyl gebracht. An ihren Hälsen baumeln Geigerzähler. Am Ende des Tages werden sie eine Strahlenbelastung anzeigen, die jener entspricht, die ein Mensch während eines Langstreckenflugs aufnimmt.

Tschernobyl gibt eine traurige Vorschau auf das, was Japan noch bevorstehen könnte

Die Brüsseler Organisatoren der Reise wollen, dass der bröckelnde Tschernobyl-Unglücksreaktor einen Sarkophag bekommt, sie wollen ihm einen Mantel überstülpen und so die Strahlengefahr für die nächsten 100 Jahre bannen. Dafür brauchen sie Geld, fast anderthalb Milliarden Euro, doch manche EU-Länder wollen nicht zahlen. Öffentlichkeit durch Journalisten, so das Kalkül, könnte helfen.

Sie wissen noch nicht, dass die Welt zwei Wochen später wegen der atomaren Katastrophe in Japan eine andere sein wird. Nun dürften sie auf der nächsten Geberkonferenz Ende April in Kiew wohl keine Probleme mehr haben, die noch fehlenden 500 Millionen Euro aufzutreiben.

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  • @opsat

    Ok, SIE sind da;-), wir sind die einzigen seit 11:30 Uhr... .naja, der Artikel steht nicht auf der Hauptseite, schade.

    Ja wie gesagt, ein vergleichbares Unglück in DE oder näherer Umgebung wie in Tschernobyl, Fukuschima, Majuk,... dann können wir alle auswandern... .
    Nur das wird auch schlecht gehen.

    DE muss Vorreiter ein, das erwarte ich, wir können es, da bin ich sicher, dann steigt auch der Druck in den Nachbarländern, 100%. Und wenn die Franzosen zu lange brauchen umzudenken, fahre ich nicht in den Urlaub dahin und kaufe auch keine französischen Produkte mehr... wollen wir doch mals sehen, was der Verbraucher alles ereichen kann;-)


  • Es gibt Meschen die eine Tendenz haben, von Überzeugungen nicht loszulassen, weil es einer Bankrotterklärung gleich käme, lieber Fakten ignorieren (aber sonst immer auf rationalität pochend), anstatt es auszuhalten, ggf. ein wenig Scham zu empfinden, weil man auf dem falschen Weg war und andere Recht behalten haben.

    Das mag zum teil menschlich sein, bringt uns aber nicht weiter, im Gegenteil.

  • @missionpossible - ich war doch schon dabei...
    Die Doku die Sie scheinbar meinen lief übrigens
    auch gestern.
    Es gibt übrigens sogar eine Spielereihe die sich - natürlich auf Ihre Weise - der Zone um Pripjat annimmt. Landschaft und Atmosphäre beklemmend eingefangen.
    Wie gesagt, erschütternd das "wir" so wenig daraus gelernt haben. Wir wollten so gerne glauben das das nicht mehr vorkommt - aber jetzt reichts. Lächerlich uns angesichts solcher Apokalypsen mit Stromschwankungen drohen zu wollen.

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