Abfallfreier Wirtschaftskreislauf
Wirtschaften ohne Gift und Müll

Das sogenannte Cradle-to-Cradle-Konzept hat nur ein Ziel: ein völlig abfallfreier Wirtschaftskreislauf. Immer mehr Firmen verschreiben sich dem zukunftsfähigen Produktdesign. Was wie Ökospinnerei klingt, rentiert sich für Unternehmen - und generiert ganz neuartige Geschäftsmodelle.

DÜSSELDORF. Mattrot schimmern die Stoffe an den Wänden, elegante Sessel in grünem Blattdekor stehen davor, die sandfarbenen Vorhänge greifen die Farbtöne der Polster auf. Dies ist kein Schaufenster eines Designer-Shops, sondern ein Raum mit Weltneuheiten: den ersten umweltfreundlichen, recyclebaren und doch flammhemmenden Stoffen, hergestellt nach dem Prinzip "Cradle-to-Cradle" (Von der Wiege zur Wiege). Das Ziel: ein völlig abfallfreier Wirtschaftskreislauf.

Was sich zunächst wie Öko-Spinnerei anhört, hält Reinhard Backhausen für das einzig zukunftsfähige Produktdesign und Wirtschaftsprinzip. Der Chef der österreichischen Backhausen Interior Textiles, Hersteller hochwertiger Möbel- und Vorhangstoffe, richtet jetzt sein Unternehmen ganz danach aus. "Im Laufe des Jahres werden wir unsere gesamte Produktion auf die Returnity-Technologie umstellen und auf schädliche Chemikalien verzichten", erzählt Backhausen. Gebrauchte Stoffe wird er gegen einen Bonus zurücknehmen, um sie komplett wiederzuverwerten.

Anfang Oktober begann Backhausen, der in 40 Länder exportiert, mit dem Vertrieb. Die neuen Stoffe sind zwar rund zwei Prozent teurer, "aber das akzeptieren unsere Kunden, weil sie ein viel hochwertigeres Produkt erhalten", sagt Backhausen. Eine derart flotte Umstellung des Geschäfts ist mutig in einer hart umkämpften Branche. "Cradle to Cradle macht man ganz oder gar nicht, bekräftigt er. Wer das Prinzip früh umsetze, liege im Wettbewerb vorne.

Das Cradle-to-Cradle-Konzept entwickelten der deutsche Chemieprofessor Michael Braungart und der US-Architekt William McDonough. Es soll helfen, die Umwelt vor der Zerstörung zu retten und Mitte des Jahrhunderts neun Milliarden Menschen lebenswert zu versorgen. "Ökoeffizienz reicht nicht. Falsches effizient gemacht wird nicht richtig", erklärt Braungart. "Intelligentes Produktdesign muss und kann in allen Branchen wirkliche Umweltfreundlichkeit für die Produktlebenszyklen erreichen."

Neue Geschäftsmodelle wie Verleihen statt Verkaufen bringe Hersteller dazu, auf maximale Verwertbarkeit ihrer Produkte zu achten. "Wollen wir nur fernsehen oder 4 360 Chemikalien im Wohnzimmer?" fragt der Chemiker, der einmal so viele Substanzen in einem TV-Gerät fand.

Einige Unternehmen haben sich bereits Cradle-to-Cradle (C2C) verschrieben und erfinden sich neu. "Wir wollen bis 2020 ein vollständiges Cradle-to-Cradle-Unternehmen sein", sagt Stef Kranendijk, Geschäftsführer des niederländischen Teppichfliesenherstellers Desso. Alle Produkte sollen aus hochwertigen Recyclingmaterialien bestehen ohne schädliche öko-soziale Effekte. Die Firma mit einem Umsatz von 200 Mio. Euro hat dazu 29 Leistungskriterien festgelegt und misst die Fortschritte monatlich.

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