Alternative Energien
Versorger zapfen neue Quellen an

Grüne Energie wächst - vor allem durch die staatliche Förderung. Die garantierten Erlöse mit der alternativen Energie senken die Wettbewerbsfähigkeit von Kohle- und Gaskraftwerken. Die Energiebranche baut ihre Aktivitäten in den grünen Segmenten aus.
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DÜSSELDORF. Deutschlands Energiemix verändert sich. Während die regenerativen Versorgungsquellen auf dem Vormarsch sind, sehen die Aussichten für die Verstromung von Kohle und Gas sowie für die Kernkraftwerke eher düster aus. Die Energiewirtschaft muss heftige Marktturbulenzen bewältigen: Die Nachfrage sinkt gar bei der Edelenergie Strom erstmals deutlich. Die Finanzierung meist sehr kapitalintensiver Projekte wird gerade für kleinere Akteure schwieriger. Heino Elfert, Herausgeber des Hamburger Fachblatts "Energie Informationsdienst (EID)", erwartet einen Konzentrationsprozess in der Energieversorgung Europas; staatliche Unternehmen aus Frankreich und dem übrigen Ausland könnten in Deutschland überdurchschnittlich zulegen.

Allerdings bremst die russische Staatsgesellschaft Gazprom derzeit das Tempo: Der Bau neuer Erdgaskraftwerke in Deutschland wurde vertagt. Bisher plante Gazprom Germania zwei Projekte. Ein Gaskraftwerk in Eisenhüttenstadt aber wird gar nicht mehr errichtet, eine Anlage zur Gasverstromung in Lubmin zumindest kurzfristig nicht realisiert.

Generell werden die Geschäftsmodelle der Energieversorger grüner. "Angesichts der staatlich garantierten Erlöse für den Einsatz der regenerativen Versorgungsquellen setzen Deutschlands etablierte Stromproduzenten immer stärker auf den Ausbau der erneuerbaren Energien", sagt der Kölner Energieprofessor Dieter Schmitt.

Investitions-Entscheidungen müssen laut Schmitt berücksichtigen, dass sich die Rahmendaten verändern. "Die Ausstoßmengen klimarelevanter Spurengase wie Kohlendioxid oder Methan werden global begrenzt", sagt er. "Die hierdurch verknappten Emissionszertifikate werden längerfristig teurer und erhöhen die Attraktivität von CO2-neutraler Energieerzeugung sowie von Energieeffizienz automatisch."

Große Unternehmen können sich dank hoher Kapitalkraft breiter aufstellen und werden kleinere Betriebe aufkaufen, um deren Know-how zu nutzen. "Für große Versorger ergeben sich beachtliche Akquisitionsmöglichkeiten, weil eine Reihe von kleinen Firmen unter der Kreditklemme leidet", sagt Experte Elfert. Stadtwerke hätten vor allem Chancen, wenn sie kommunale Allianzen bildeten. In grünen Marktsegmenten zeichne sich dennoch eine intensive Konkurrenz ab - auch weil sich Konzerne aus anderen Branchen wie Siemens, General Electric oder Bosch verstärkt engagieren.

Die Gefahr von Versorgungsengpässen wird in der Branche unterschiedlich bewertet. "Die Schätzrisiken sind beträchtlich", sagt Schmitt. "Wir wissen nicht, wie nachhaltig die Stromnachfrage durch die Wirtschaftskrise sinkt und ob genügend Kraftwerke am Netz bleiben."

Die Wettbewerbsfähigkeit der Kohleverstromung werde durch staatliche Interventionen gefährdet, politische Risiken für eine längerfristige Nutzung der Kernkraftwerke seien noch nicht beiseite geräumt, sagt Schmitt. Die hohen Preisrisiken der Gaskraftwerke könnten nur verdaut werden, wenn die einheimischen Konzerne ausländische Gasproduzenten als Partner gewinnen. Dies gestalte sich schwieriger.

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