Anlagenbauer Roth & Rau
Revolution in der Solar-Branche

Dass Hersteller von Klimaschutz-Technologie gute Gewinne machen können, beweist der Anlagenbauer Roth & Rau. Mit seinem jüngsten Halbjahresbericht hat das sächsische Unternehmen die Erwartungen der Finanzmärkte erneut übertroffen. Seine Maschinen verhalfen der Massenfertigung von Siliziumzellen zum Durchbruch.

Umsatzplus 318 Prozent, Gewinnzuwachs 320 Prozent. Die Anleger sind begeistert: Bis auf 235 Euro schoss der Kurs des Mittelständlers in die Höhe, der erst im Mai 2006 mit einem Ausgabepreis von 36 Euro je Anteilsschein am Aktienmarkt gestartet war. "Der reine Wahnsinn", sagt Firmengründer, Vorstandschef und Großaktionär Dietmar Roth mit Blick auf den Kurschart.

Ein Ende der Aufwärtsbewegung ist nicht in Sicht. Im Juli und im August trudelten neue Aufträge im Wert von knapp 28 Mill. Euro ins Haus, im September ein weiterer Großauftrag im Volumen von 25 Mill. Euro. Deshalb klettert auch die Mitarbeiterzahl von Roth & Rau jede Woche weiter - auf derzeit 190 Festangestellte und 90 Leiharbeiter.

"Wenn wir in der ersten Novemberwoche in die neue Produktionshalle umziehen, machen wir nochmal einen deutlichen Wachstumssprung", prognostiziert Investor-Relations-Chefin Silvia Roth. In diesem Jahr sollen sich die Erlöse von zuvor 43 Mill. auf 135 Mill. Euro verdreifachen. Als langfristiges Ziel peilt Ehemann Dietmar die halbe Milliarde an. Der 58-Jährige fühlt sich wie ein Teenager im Wachstum. "Wenn man so schnell groß wird, tun einem die Knochen weh."

Noch mit DDR-Geld hatte der frisch habilitierte Ingenieurdozent 1990 an der TU Chemnitz gemeinsam mit seiner Frau und Bernd Rau die Roth & Rau Oberflächentechnik gegründet. Die ersten Produkte waren Komponenten für die Erzeugung von Plasma. 1999 wurde in Hohenstein-Ernstthal in der Nähe von Chemnitz der Grundstein für das heutige Unternehmen gelegt. Damals nahm Roth & Rau die erste Beschichtungsanlage für die Entspiegelung und Passivierung von Silizium-Solarzellen in Betrieb - der Durchbruch zur industriellen Massenfertigung war geglückt. Und mit der strategischen Ausrichtung ihres Geschäfts auf die Photovoltaik im Jahr 2002 wurde die mittelständische Firma vom folgenden Boom in der Solarindustrie mitgerissen.

Denn ihre "Sina" genannten Anlagen können heute pro Stunde bis zu 3 000 Siliziumscheiben (Wafer) beschichten. Das kontinuierliche Produktionsverfahren ist deutlich schneller, kostengünstiger und schonender als die frühere Herstellung, die stark an einen vorindustriellen Manufakturbetrieb erinnerte. Obendrein können Solarzellen durch die zusätzliche Beschichtung 1,5 bis zwei Prozentpunkte mehr Leistung aus der Sonnenstrahlung in Strom umwandeln - was bei aktuellen Wirkungsgraden von 15 Prozent ein enormer Fortschritt ist. Den Weltmarktanteil bei diesen Maschinen beziffert das Unternehmen auf über 50 Prozent.

Mit dem Projektgeschäft hat sich Roth & Rau jetzt ein zweites Standbein aufgebaut. Da immer mehr Newcomer die lukrative Solarbranche entdecken, steigt der Bedarf an "Einrichtern", die eine neue Fabrik mit den nötigen Maschinen für eine komplette Produktionslinie ausstatten.

Der Durchbruch gelang Roth & Rau mit Conergy. Für das Hamburger Unternehmen statten die Sachsen eine schlüsselfertige Solarzellen- und -modulfabrik aus, die Produktion soll in diesen Tagen anlaufen. Zwar kauft Roth & Rau den Großteil der Maschinen bei anderen Herstellern ein. Aber bei der Auswahl der Zulieferer und der Abstimmung der Prozesskette ist das Know-how aus Sachsen gefragt.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%