Atomausstieg
Deutschlands Kurs stößt internationel auf Skepsis

Die Energiewende in Deutschland könnte über die Landesgrenzen hinaus die Strompreise deutlich nach oben treiben. Nicht nur deshalb sind im Ausland die Zweifel am Gelingen des Atomausstiegs groß.
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BerlinDas deutsche Wort „Energiewende“ ist längst auch Politikern und Managern in den USA und anderen Teilen der Welt zu einem Begriff geworden. Mit einer Mischung aus Erstaunen und Bewunderung beobachten sie, wie sich ein Industrieland von der Kernkraft verabschiedet und die Vollversorgung durch erneuerbare Energien anstrebt.

Die Zweifel an einem Gelingen des ambitionierten Projektes sind groß. Das belegt eine Befragung des Weltenergierates unter Experten aus 21 Ländern. Keiner der Befragten erwartet, dass Deutschland sämtliche Ziele der Energiewende in der anvisierten Frist erreichen kann. Allerdings halten 62 Prozent der Befragten einzelne Bausteine für nachahmenswert.

„International stehen Experten der Energiewende eher skeptisch gegenüber. Umso wichtiger ist es deshalb, das Projekt zügig und effizient anzugehen, damit sich erste Erfolge einstellen und wir andere so überzeugen“, sagte Jürgen Stotz, Präsident der deutschen Sektion des Weltenergierates, zu den Ergebnissen der Umfrage. Der Weltenergierat versteht sich als energieträgerübergreifendes Netzwerk der Energiewirtschaft und ist in knapp 100 Ländern vertreten.

76 Prozent der Befragten erwarten bis 2020 eine Schwächung der Wirtschaftskraft Deutschlands durch die Umsetzung der Energiewende. Der überwiegende Teil der Befragten erwartet mittelfristig einen Anstieg vor allem der europäischen Strompreise um bis zu 20 Prozent. Außerdem sieht eine Mehrzahl der Befragten erhöhte Gefahren für die Versorgungssicherheit Europas.

Keiner der befragten Experten hält es für vorstellbar, dass sein Land den deutschen Politikansatz vollständig übernehmen könnte. Zu den nachahmenswerten Bestandteilen der Energiewende zählen die Ausbauziele bei den erneuerbaren Energien. Grundlage der Ergebnisse sind Antworten von Fachleuten aus 21 Länderkomitees des World Energy Councils, darunter 14 aus Europa.

Gerade innerhalb Europas war in den vergangenen Monaten bereits Kritik an den Plänen der Bundesregierung laut geworden. Dahinter steht die Befürchtung, dass das Vorgehen Deutschlands die Energiewirtschaft auch in angrenzenden Ländern stark beeinflusst, ohne dass man auf die Entscheidungen der Deutschen einwirken kann. So könnte die geplante Abschaltung der Kernkraftwerke in Deutschland zu einer Verknappung des Stromangebotes führen und das Strompreisniveau auch in anderen Ländern Europas nach oben treiben.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Von G_Wilhelm:
    Die Gewissheit, dass die Erneuerbaren tatsächlich genug Energie liefern können, haben wir. Die Frage der Speicherung sieht bei einem Wechsel zu einer Wasserstoffwirtschaft ebenfalls positiv aus.
    Dass das Ganze nicht zum Nulltarif zu haben sein wird, ist denke ich auch allen klar!
    Dass die Chancen für Deutschlands Mittelstand und seine Bürger enorm - aber natürlich mit einem gewissen Risiko verbunden sind liegt in der Größe des Vorhabens.
    Die Risiken der "Vergangenheit" sprich Endlagerung, Atomwirtschaft etc. waren nicht geringer nur anders...

  • es wird "teuer" "kosten"! Nur Deutschland hat so viel Geld vu verschwenden.

  • Die Inkompetenz der Bundesregierung und die Naivitaet von Medien und Waehlern wirken gespenstisch. Das Streben nach mehr erneuerbarer Energie ist ja lobenswert, aber die Abschaltung der Atommeiler, ohne Gewissheit, dass die Erneuerbaren auch tatsaechlich genug Energie liefern koennen, ist eine beispiellose Dummheit!

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