Atomenergie
Klimadiskussion liefert neue Argumente für Kernkraft

Atomkraft - ja oder nein? Kaum eine energiepolitische Frage wurde und wird in Deutschland so kontrovers diskutiert wie der Einsatz der Kernenergie. Nun hat die Atomkraft Auftrieb erhalten: Ein Lobbyverband aus Unternehmen der Energiewirtschaft bezeichnete die Kernkraft unlängst als „Klimaschützer“. Atomenergie wird wieder salonfähig gemacht.

DÜSSELDORF. In den 60er-Jahren als Garant billigen Stroms ausgebaut, hat die Atomenergie-Lobby heute mehr als ein Imageproblem. Der Ausstieg ist beschlossen - und zu den Gründen zählt die noch immer fehlende Endlagerungsmöglichkeit für Jahrtausende lang strahlenden Atommüll. Spätestens seit dem verheerenden Reaktorunglück in Tschernobyl 1986 ist auch die Furcht vor einer weiteren Katastrophe präsent.

Auftrieb hat die Atomkraft nun allerdings wieder durch die Klimadiskussion erhalten. So bezeichnete das Deutsche Atomforum, ein Lobbyverband aus Unternehmen der Energiewirtschaft, die Kernkraftwerke unlängst als "Klimaschützer", weil sie im Unterschied zu fossil befeuerten Kraftwerken kein Kohlendioxid ausstoßen. Die 17 Atommeiler in Deutschland helfen nach Berechnungen der Organisation, jährlich 150 Mill. Tonnen des klimaschädlichen Gases zu vermeiden. Das sei ungefähr die Menge, die der gesamte Straßenverkehr freisetze. Im dritten Teil der diesjährigen Klimastudie des Weltklimarates IPCC raten dessen Autoren sogar zum Bau neuer Atomkraftwerke.

Doch noch gilt: Deutschland soll bis zum Jahr 2020 aus der Nutzung von Atomenergie ausgestiegen sein. Der Beschluss war von der rot-grünen Vorgängerregierung im Jahr 2001 gefasst worden. Die Große Koalition hat im Koalitionsvertrag zwar vereinbart, an dieser Entscheidung festzuhalten, doch derzeit scheint für Atomkraft eine Renaissance möglich zu sein. Vor allem seitens der Union wurde der Ausstieg zuletzt häufiger in Frage gestellt. Auch der neue Vorstandschef des drittgrößten deutschen Versorgers EnBW, Hans-Peter Villis, rüttelt am Ausstieg. "Der Beschluss bereitet mir große Sorge. Wir müssen darüber diskutieren, die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern."

Direkter wird der Präsident des deutschen Atomforums, Walter Hohlefelder: "Die Bundesregierung muss sich entscheiden: Entweder sie bleibt beim Ausstieg. Dann verfehlt sie die Ziele zur CO2-Reduktion mit Sicherheit. Oder sie revidiert den Beschluss. Dann hat sie realistische Chancen, die Klimaschutzziele zu erreichen."

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