Atomernergie
Zwei Atomkraftwerke abgeschaltet

Am Freitag mussten zwei Atomkraftwerke wegen Unregelmäßigkeiten vom Netz: Die Reaktoren im emsländischen Lingen und in Phillipsburg. Behörden und Stromkonzerne gaben zunächst Entwarnung. Es handle sich um geringfügige Zwischenfälle.
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LINGEN/PHILIPPSBURG. Zwei Atomkraftwerke sind am Freitag wegen Unregelmäßigkeiten abgeschaltet worden - darunter das im emsländischen Lingen per Schnellabschaltung nach einem Zwischenfall. Eine Überwachungseinrichtung an einem Maschinentransformator löste dort nach Mitteilung des Betreibers RWE die Schnellabschaltung aus. Nach Angaben des niedersächsischen Umweltministeriums handelt es sich aber um einen Vorfall geringer Bedeutung, der nur auf der untersten Meldekategorie und nicht als Störfall eingestuft wurde. Auch ein Block des Kernkraftwerks Philippsburg bei Karlsruhe wurde vom Netz genommen. Als Grund nannte der EnBW die Suche nach einem möglichen Fehler im Bereich der Maschinentransformatoren. Eine Meldepflicht bestehe derzeit nicht.

In Hannover erklärte das Landesumweltministerium für das AKW Lingen, eine Sicherheitsgefahr bestehe nicht, es habe keinerlei Austritt von Radioaktivität gegeben. Unklar ist, wie lange das Werk abgeschaltet bleibt, RWE sprach von zwei Tagen.

RWE teilte mit, alle Sicherheitseinrichtungen hätten ordnungsgemäß funktioniert. Die Überwachungseinrichtung, die den Alarm auslöste, diene dazu, einen Stufenschalter des Maschinentrafos vor Schäden zu schützen. Über den Trafo wird der Strom mit geringerer Spannung aus dem Kraftwerk in das Hochspannungsnetz eingespeist. Die Behörden seien umgehend informiert worden. Experten der Atomaufsicht und Gutachter des TÜV seien zur Anlage gefahren. Der Hersteller solle nun den Maschinentrafo überprüfen, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums. Bei RWE wie auch im Kreis Emsland gab es keine Berichte über Stromschwankungen oder-ausfälle.

EnBW erklärte für Philippsburg, Messungen hätten ergeben, dass die Isolationseigenschaft des Öls der Isolierkerzen eventuell vermindert sei. Der Block zwei habe vom Netz genommen werden müssen, weil während des laufenden Betriebs keine Ölproben entnommen werden könnten. Die Aufsichtsbehörde, das Umweltministerium Baden-Württemberg, sei informiert.

Geringfügiger Zwischenfall

 

Der 1400-Megawatt-Reaktorblock in Lingen wurde 1988 in Betrieb genommen und produziert nach Angaben von RWE elf Mrd. Kilowattstunden Strom jährlich. Damit könnten 3,5 Mio. Haushalte versorgt werden. Der Atommeiler Philippsburg wurde in den 1970er Jahren gebaut. Der erste Block mit einem Siedewasserreaktor ging 1979 ans Netz, der zweite, ein Druckwasserreaktor, 1984. Beide Blöcke decken etwa ein Viertel des Strombedarfs in Baden-Württemberg.

Die Ministeriumssprecherin in Hannover erklärte, der Zwischenfall im AKW Lingen sei so geringfügig, dass er erst innerhalb von fünf Tagen der Atomaufsicht - also dem Ministerium - habe gemeldet werden müssen. Zudem beeinträchtigt er laut einer internationalen Bewertungsskala die Sicherheit nicht.

Beim Reaktorunfall von Tschernobyl wurde die höchste Stufe sieben erreicht. Je nach Bedeutung der Zwischenfälle in Atomkraftwerken gibt es außerdem die Meldekategorie E (Eilmeldung) und S (Sofortmeldung).

Das Kernkraftwerks Philippsburg musste Block 2 am Freitag abgeschalten. Als Grund nannte der Betreiber EnBW die Suche nach einem möglichen Fehler im Bereich der Maschinentransformatoren. Messungen hätten ergeben, dass die Isolationseigenschaft des Öls der Isolierkerzen eventuell vermindert sei. Der Block habe vom Netz genommen werden müssen, weil während des laufenden Betriebs keine Ölproben entnommen werden könnten. Eine Meldepflicht bestehe nach jetzigem Stand nicht. Die Aufsichtsbehörde, das Umweltministerium Baden-Württemberg, sei jedoch informiert.

Der Atommeiler Philippsburg (KKP) liegt etwa 30 Kilometer nördlich von Karlsruhe am Rhein. Er wurde in den 1970er Jahren gebaut. Der erste Block (KKP 1) mit einem Siedewasserreaktor ging 1979 ans Netz. Der zweite Block (KKP 2) ist ein Druckwasserreaktor und ging 1984 in Betrieb. Beide Blöcke decken etwa ein Viertel des Strombedarfs in Baden-Württemberg.

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