Atomkatastrophe in Japan: Welche Strahlengefahren in Deutschland drohen

Atomkatastrophe in Japan
Welche Strahlengefahren in Deutschland drohen

Essen, Reisen, Strahlenwolke: Die Sorge um mögliche Folgen der japanischen Reaktorkatastrophe für Deutschland treibt viele Menschen um. Dabei rechnen Experten eher mit geringen direkten Auswirkungen.
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DüsseldorfRadioaktive Wolken, verstrahlte Lebensmittel – die möglichen Gefahren, die sich aus der Reaktorkatastrophe in Fukushima für Deutschland ergeben, treiben hierzulande viele Menschen um. Und dass, obwohl sich Experten und Politiker alle Mühe geben, solche Bedenken zu zerstreuen.

„Es werden Minimal-Dosen Radioaktivität bis zu uns transportiert. Eine Gesundheitsrelevanz besteht aber nicht“, so etwa Gerhard Wotawa von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Ähnlich schätzen auch die Experten des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach das Risiko ein: Wind und Regen würden die in Japan freigesetzten radioaktiven Partikel in der Luft so weit verdünnen, dass in Europa kaum etwas messbar sein wird.

Auch beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) stuft man das Risiko einer radioaktiven Belastung für Deutschland als gering ein. Aufgrund der großen Entfernung und der damit verbundenen hohen Verdünnung würden nur sehr geringe Mengen Radioaktivität erwartet, so BfS-Sprecher Florian Emrich. „Sie werden keine gesundheitliche Gefahr für Menschen und Umwelt in Deutschland oder Europa darstellen.“ Sobald erste Partikel an Radioaktivität Deutschland erreichen, werde das BfS die Bevölkerung umfassend informieren.

Wer will, kann sich auf der BfS-Website auch selbst laufend über die aktuelle Strahlenbelastung hierzulande informieren. Mit 1800 Messstationen deutschlandweit unterhält das BfS ein dichtes Netz von Frühwarnstationen, das selbst kleinste Veränderungen der Strahlenbelastung registriert. Gemessen wird rund um die Uhr die natürliche Radioaktivität, die durch das radioaktive Edelgas Radon aus dem Boden kommt.

„Unsere Technik kann diese natürliche Radioaktivität von zusätzlicher künstlicher Radioaktivität unterscheiden“, sagt Erich Wirth, Leiter der BfS-Messstation auf dem Schauinsland bei Freiburg, wo 25 besonders sensible Geräte installiert sind. Werden etwa in der 700 Kilometer entfernten Atom-Wiederaufbereitungsanlage im französischen La Hague Brennstäbe zerschnitten oder Betriebspausen eingelegt, registrieren die Messinstrumente auf dem 1284 Meter hohen Schauinsland die daraus resultierende Veränderung der Strahlung.

Doch nicht nur die Sorge vor einer direkten Strahlenbelastung treibt viele Menschen um. Meldungen von radioaktiv belasteten Agrarprodukten in Japan schüren auch hierzulande die Sorge, dass importierte Nahrungsmittel aus Japan verseucht sein könnten. Eine Sorge, die trotz der vergleichsweise geringen Menge an Nahrung, die aus Japan nach Europa exportiert wird, von der EU-Kommission in Brüssel ernst genommen wird. Sie kündigte am Donnerstag verstärkte Kontrollen für Lebensmittel aus den zwölf von der Reaktorkatastrophe in Fukushima betroffenen Präfekturen an.

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  • Und im Übrigen, bitte keine unqualifizierten Vergleich mehr zwischen A- und H-Bomben und AWKs
    Bei A- und H-Bombem geht es um "Brisanz", bei AKWs um
    "Energie".
    Brisanz: Abfeuern einer Pistole, eindruckvoll aber der Schaden ist begrenzt. Man sollte nicht im Weg stehen. Irgendwo ein kleines Loch, was man i.A. leicht verputzen kann. Evtl. auch kleine Verseuchung durch Bleistaub etc.
    Energie von AKWs: 100 Tanklaster mit Benzin und Öl werden ausgeleert und angesteckt. Knallt vielleicht nicht so laut aber brennt und die Aufräumarbeiten sind wohl etwas mehr wie man mit einem Spachtel in kurzer Zeit erledigen kann!!!
    DAS sind die Verhältnismäßigkeiten.
    Wer Atombomben mit AKWs vergleicht betrügt in völlig absurder Weise.

  • O Strahlentote????
    Aber wie lange noch.
    Wenn eine radiokative Wolke an den Bergen rund um Tokio abregnet (und das ist nur eine Frage der Zeit, denn die Wolken bilden sich über dem Meer und regnen an den Bergen ab) und dann wird das Land für tausende von Jahren unbewohnbar. Das bedeutet alle dort mittelfristig tot!!!
    Vermutlich wird dagegen die Statistik des 2. Weltkriegs mit 50 Mio. Toten in knapp 5 Jahren etwas abfallen. Tote im Juni 1939 durch den zweiten Weltkrieg in Europa: 0.
    Aber was ist doch wohl kein Trost im nachhinein?

  • Folgende Frage an die Experten:
    Wie lange würden AKW-Kerne ihre Energie behalten und weiterglühen, wenn es zum Super-Gau kommt. Könnte die Biospäre dadurch langsam so verseucht werden, dass das Leben höherer Lebewesen irgentwann, vielleicht in Jahrzehnten oder Jahrhunderten nicht mehr möglich ist. Durch die Entropie vermischt sich die Atmosphäre doch mittelfristig völlig.

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