Atomkraftwerk Grafenrheinfeld
„Keine Kontamination – bitte durchgehen“

Vor einem Jahr ist das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld vom Netz gegangen. Wie sieht es jetzt im Innern der Anlage aus? Und was machen nach der Abschaltung die Menschen, die dort arbeiten? Ein Ortsbesuch.

GrafenrheinfeldIm Kontrollbereich eines Atomkraftwerks gibt man sich nicht die Hand. Zu groß ist die Gefahr, dass an den Einmalhandschuhen einige Partikel radioaktiven Staubs kleben. Damit man die Kontamination nicht weitergibt, nickt man sich nur freundlich zu, ohne sich zu berühren.

Das AKW Grafenrheinfeld bei Schweinfurt in Unterfranken ist vor einem Jahr vom Netz gegangen. Regeln wie diese sind in seinem Inneren trotzdem noch notwendig – und werden das auch noch eine ganze Zeit lang bleiben.

Sascha Haberland zieht sich um, bevor er den A-Teil betritt. Über seinem Hemd knöpft er sich einen leuchtend orangefarbenen Kittel zu. Dann zieht er orangerote Überschuhe aus Gummi an, die bis unters Knie gehen. Er schlüpft in Einmalhandschuhe aus weißer Baumwolle, die einen undefinierbaren Geruch verströmen. Auf den Kopf setzt er einen gelben Helm.

Der A-Teil ist das Allerheiligste des Kraftwerks, dort befinden sich Reaktor und Abklingbecken. Männer in grünen Overalls – Abteilung Strahlenschutz – achten beim Betreten des „Kontrollbereichs“ sehr genau auf die vorgeschriebene Schutzkleidung.

Im Reaktorraum herrscht Unterdruck

Haberland, 35 Jahre alt, hellbrauner Vollbart und norddeutsche Mundart, hat umgeschult. Bis vor einem Jahr hat er in Grafenrheinfeld die Reaktorphysik geleitet. Nun leitet er den Teilbereich Entsorgung. „Ich war am 27. Juni beim Abschalten mit auf der Warte“, sagt er. „Das war ein ergreifender Moment.“

Er hält seinen Ausweis vor einen Kartenleser, es piepst. Ganz langsam schwingt die gut zwanzig Zentimeter dicke Stahltür auf. Dahinter liegt eine Röhre, die an ein U-Boot erinnert. Hat sich die Tür wieder geschlossen, wird Luft aus der Schleuse gepumpt. Man merkt davon nichts, doch im Reaktorraum herrscht Unterdruck. Radioaktiver Staub kann so nicht nach draußen wehen, alle Luft zieht nach innen.

Es ist ein Irrglaube, dass alles im Innern eines Atomkraftwerks fortlaufend strahlt. Wohl aber gibt es verstrahlten Staub im Innern. Ziel von Schleuse, Schutzkleidung und Sich-nicht-die-Hand geben ist, dass der Staub nicht nach draußen kommt.

Mit einem Fahrstuhl geht es auf 21,5 Meter über dem Boden. Der Reaktorraum ist hoch und kreisrund. Es dominiert die Farbe beige: Linoleum, Wände und Decke sind komplett in einem Zahnbelag-Ton gestrichen. Haberland lehnt sich an das orangefarbene Geländer des Abklingbeckens. Er deutet hinüber zu einer großen, freien Fläche. „Darunter ist der Reaktor. Und auch wenn der noch liefe, würden wir hier davon nichts merken.“

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