Australiens Autoindustrie
Wenn dicke Reifen nicht mehr ziehen

Der deutsche Autozulieferer ZF hat sich auf dem australischen Markt große Chancen ausgerechnet. Doch das Geschäft mit Kraftfahrzeugen läuft „Down Under“ längst nicht mehr von selbst. Neuerdings haben auch die Australier herausgefunden, dass dicke Autos für dicke Luft sorgen und setzen gegen den Klimawandel auf Konzepte, die der sturen Autoindustrie das Genick brechen könnten.

ADELAIDE. Jürgen Bracht ist ein Mann von sichtbarer Gelassenheit. Er ruht in sich, ist nicht besonders gesprächig, und das wohl auch deshalb, weil der Beruf des 51-Jährigen schon hektisch genug ist. Bracht ist Manager von ZF Lemförder in der australischen Stadt Adelaide. Und dessen Firmenprinzip heißt: „Just in Sequence“.

„Stress gehört in dieser Branche einfach zum Geschäft“, sagt der Vater von zwei Söhnen und präsentiert die Werkshallen. In einem brandneuen Gebäude, sauber wie ein überdimensionierter Operationssaal, bauen seine Mitarbeiter und ein paar Roboter gerade Achsensysteme für den neuen australischen Mittelklassewagen Holden Commodore zusammen. Das Werk des australischen Automobilherstellers Holden – einer Tochter der amerikanischen General Motors (GM) – steht nur einen Steinwurf vom ZF-Gebäude entfernt.

Das muss auch so sein, denn „just in Sequence“ heißt, dass die 177 Mitarbeiter von ZF nach Eingang der Bestellung genau zwei Stunden Zeit haben, um die Achsen für Fahrzeuge zusammenzubauen, die im Holden-Werk nebenan bereits auf dem Band zusammengeschraubt werden. 520 Vorder- und Hinterachsensets pro Tag, bald sollen es über 600 sein.

Der Grund für den chronischen Wettlauf mit der Zeit: In der Automobilindustrie wollen weder Zulieferer noch Hersteller Kosten für teure Lager tragen, in denen Material auf seine Verwendung wartet. Der australische Markt ist allerdings besonders schwierig. Immer öfter denken die großen Autobauer über einen Rückzug nach – und müssen nun auch noch eine Debatte über umweltfreundlichere Autos fürchten.

Bracht und ZF bekommen den Druck des Geschäfts tagtäglich zu spüren. Geographische Nähe zwischen Zulieferer und Autofabrik ist alles. Schon die geringste Verzögerung, und der Produktionsablauf ist unterbrochen. Das kann teuer werden: Der Betrieb einer Automobilfabrik kostet Hunderttausende Dollar pro Tag. „Spielraum gibt es da keinen“, sagt Reinhard Buhl, Vorsitzender der Geschäftsführung ZF Lemförder. „Wenn der Lastwagen auf dem Weg zum Werk einen platten Reifen hätte, müssten wir buchstäblich die Schubkarre holen und die Produkte von Hand hinbringen“.

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