Bahn spart an Geschwindigkeit
Keine Chance für den Bleifuß auf der Schiene

Auf deutschen Schienen wird schon lange nicht mehr wortwörtlich „geheizt“: Dampfloks sind Geschichte – aber dennoch können auch moderne Züge durch „vorausschauende Fahrweise“ Ressourcen sparen. Mit Schulung ihres Personals und moderner Technik verbraucht die Deutsche Bahn weniger Energie und vermindert Treibhausgase

DÜSSELDORF. Seinen Lokführern hat Bahnchef Hartmut Mehdorn den „Bleifuß“ verboten. Ob im ICE oder im schweren Güterzug – die Maschinenmänner sind dem bahninternen „Projekt Energiesparen“ verpflichtet. Wie der Autofahrer auf der Straße sollen sie ihre schweren Zugpferde gewissermaßen gezügelt fahren, solange dabei der Fahrplan eingehalten werden kann. „Vorausschauende Fahrweise“ nennen das die Fachleute. Mit ihr können nach Unternehmensangaben bei elektrischen Loks und Triebzügen bis zu fünf Prozent und im Dieselbetrieb vier Prozent Energie eingespart werden. Wie das funktioniert, können vor allem ICE-Fahrgäste immer dann auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken beobachten, wenn ihr Zug pünktlich gestartet ist. Dann muss er meist gar nicht bis aufs Spitzentempo beschleunigen: Er nutzt die im Fahrplan eingearbeiteten Zeitreserven, um mit weniger Geschwindigkeit pünktlich anzukommen.

Oder der Lokführer schaltet schon lange vor dem nächsten Halt den Strom einfach ab: Der geringe Rollwiderstand des Rades auf der Schiene lässt den Zug dann ausrollen. Kilometerweit. Heinrich Strößenreuther, Leiter des Energiespar-Projektes, hat ein Beispiel parat: ICE-Züge, die von Süden aus nach Hannover fahren, können dank eines leichten Gefälles schon 60 Kilometer vor dem Ziel auf Antriebsenergie verzichten, ohne dass der Zug deshalb unpünktlich ankommen.

Damit spart die Bahn nicht nur teure Energie, sondern sie vermindert auch weiter die CO2-Emissionen. „Andere reden über Klimaschutz, wir handeln“, sagt Mehdorn stolz. Seit 1990 habe die Bahn ihren CO2-Ausstoß bereits um über 25 Prozent gesenkt. Und sie will bis 2020 noch mal weitere 20 Prozent einsparen. Allein der wachsende Güterverkehr auf der Schiene ersetze täglich bis zu 100 000 Langstrecken-Fahrten von LKWs.

„Beim Klimaschutz ist die Bahn auf gutem Wege“, attestiert ihr Andreas Troge, Chef des Umweltbundesamtes. Die Bahn müsse aber weiter daran arbeiten, möglichst viele Transporte von der Straße auf die Schiene zu verlagern.

Das Bleifuß-Verbot ist dabei nur ein Schritt von vielen zur Verminderung der Treibhausgase. Ein anderer ist die Rückgewinnung von Energie beim Bremsen: Bei modernen elektrischen Loks wird überschüssige Energie in den Fahrdraht der Oberleitung zurückgespeist. Bei einem ICE auf einer Hochgeschwindigkeitsstrecke macht das nach den Berechnungen der Bahn fast ein Zehntel aus.

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