Banker gegen Klimawandel
Weinberge in Schottland, Haifische in der Nordsee

Wenn in der Hochfinanz das Thema Umweltschutz zur Sprache kommt, dann liegt der Verdacht nahe, dass dort nicht nur aus reiner Gutherzigkeit gehandelt wird. Tatsächlich übt sich die Business-Welt der Londoner City im Artenschutz. Ziel der Aktion: Der Erhalt des eigenen Lebensraums.

LONDON. Es ist ein Mitleid erregendes Bild: fünf dürre Bäumchen, von denen zwei trotz wärmender Sonne bereits im Frühsommer schon reichlich kahl da stehen, vier Holzquader, in deren rissige Oberfläche einige Gedichtstrophen eingraviert sind, dazwischen viel Asphalt und ein paar leere Bänke. Das Mahnmal für den Klimawandel mitten in der Betonwüste rund um den Londoner Pendler-Bahnhof Fenchurch Station sorgt für Betroffenheit, aber eher weil die vom Versicherungsmarkt Lloyds spendierte Installation so wirkt, als sei die CO2-Falle bereits zugeschnappt, so als ob die britische Insel ausgelaugt von einer unbarmherzigen Sonne bereits versteppt und verödet sei.

Dabei hätte die Erderwärmung durchaus ein dramatisches und aufrüttelndes Denkmal in der britischen Hauptstadt verdient. Denn kaum ein Thema bewegt die Banker in der Londoner City derzeit so sehr wie der Klimawandel. Dabei geht es nicht nur um die Liebe zu Mensch, Tier und Umwelt, sondern auch um knallharte Geschäftsinteressen und am Ende, wenn die Apokalyptiker Recht behalten, vielleicht sogar um das Überleben des Finanzzentrums an der Themse.

Stephen Green, Chairman von Europas größter Bank HSBC, macht seinem Nachnamen zurzeit große Ehre. Erst vor wenigen Tagen spendierte HSBC 100 Millionen Dollar für den Klimaschutz, ein neuer Wohltätigkeitsrekord für ein britisches Unternehmen. Das Geld soll an vier Umweltschutzorganisationen gehen, die damit die Entwicklung von wichtigen Waldgebieten beobachten, große Flüsse säubern und das Umweltbewusstsein in China und Indien stärken sollen. „Es hat keinen Sinn mehr, den Klimawandel zu leugnen“, sagt Green. Natürlich geht es HSBC auch um grüne PR, aber Europas größte Bank zählt auch zu einer Koalition britischer Dienstleister, die künftig klimaneutral wirtschaften wollen.

Das Engagement der Wirtschaft für den Umweltschutz hat vielleicht auch damit zu tun, dass die Bedrohung direkt vor der Haustür liegt. Längst ist in britischen Energiesparberichten von Weinbergen in Schottland, Haifischen in der Nordsee und Termitenhügeln auf einst idyllischen Dorfangern die Rede. Zynische City- Banker, die solch düstere Prognosen für die Hirngespinste hysterischer Umweltfanatiker halten, werden von den kühl rechnenden Mathematikern des deutschen Versicherungsriesen Allianz eines Besseren belehrt.

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