Bedrohte Süßigkeit So ist die Schokolade noch zu retten

Kakao ist nicht nur bei Naschkatzen beliebt, für viele tropische Länder gehört er zu den wichtigsten Exportprodukten. Doch Schädlinge und Pilze bedrohen viele Plantagen. Eine einfache Maßnahme könnte helfen.
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Nicht nur für Naschkatzen ist das Kakaoprodukt unverzichtbar. Quelle: dpa
Schokolade

Nicht nur für Naschkatzen ist das Kakaoprodukt unverzichtbar.

(Foto: dpa)

HeidelbergSchokolade gehört zu den beliebtesten Süßwaren weltweit, doch die Versorgung damit ist bedroht: Schädlinge und vor allem Pilze bereiten Landwirten in den wichtigsten Anbauregionen heftiges Kopfzerbrechen. In Mittelamerika etwa hat der Pilz Moniliophthora perniciosa als Auslöser der Hexenbesenkrankheit dafür gesorgt, dass die Ursprungsregion der Frucht im globalen Handel praktisch kaum mehr eine Rolle spielt.

Dabei können Züchter die Widerstandskraft der Pflanzen schon mit relativ einfachen Mitteln unterstützen, wie eine Arbeit von Natalie Christian und ihrem Team von der Indiana University nahelegt. Dazu genüge es, die Kakaosetzlinge mit dem Wurzelmikrobiom gesunder ausgewachsener Bäume in Kontakt zu bringen, so die Wissenschaftler.

Die dunklen Geheimnisse der Weihnachtsleckereien
Schokolade könnte bald knapp werden
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Die Kakaopflanze, aus der die Rohstoffe für Schokolade stammen, ist ein empfindliches Gewächs und braucht ein geeignetes Klima. Für bestimmte Kakaoregionen wie etwa Elfenbeinküste/Ghana sagen Klimamodelle einen Temperaturanstieg von über einem Grad bis 2030 voraus. Aufgrund der Erwärmung verschieben sich die für den Kakaoanbau geeigneten Regionen in größere Höhen, wo es kühler ist. Und da Berge zum Gipfel hin meistens schmaler werden, dürften die Anbauflächen drastisch schrumpfen. Außerdem ist die Kakaopflanze sehr anfällig für Schädlinge und Pilzinfektionen. Die meisten Kakaobauern sind aber schlicht zu arm, um Schädlinge effektiv zu bekämpfen.

Man kann Vanillearoma aus Kuhfladen gewinnen
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Im Jahr 2007 machte die japanische Chemikerin Mayu Yamamoto eine erstaunliche Entdeckung: Wenn man einen Kuhfladen mit der vierfachen Menge Wasser in einem druckfesten Gefäß auf 250 Grad Celsius erhitzt, erhält man messbare Mengen Vanillin – natürliches Vanillearoma. Der Grund dafür liegt in der chemischen Verwandtschaft von Vanillin mit Lignin, einem in der pflanzlichen Zellwand eingelagerten Stoffs. Kühe scheiden Lignin in ihrer Nahrung unverdaut wieder aus, so dass man den Stoff nur noch mit Hitze und Druck zerlegen muss. Die entstehende Lösung enthält Vanillin – leider nicht allzu viel.

Schokolade enthält Insektenteile
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Wie viele andere Gewürze enthalten auch die Rohstoffe für Schokolade Bruchstücke von toten Insekten, die bei Ernte und Verarbeitung in das Rohmaterial gelangen. Die US-Lebensmittel- und Medikamentenbehörde FDA betrachtet bis zu 60 Insektenteile in 100 Gramm Schokolade als akzeptabel. Tatsächlich enthalten fast alle Nahrungsmittel Spuren von Insekten. Um die Tiere auf allen Stufen der Produktionskette von Lebensmitteln fernzuhalten, bräuchte man große Mengen Insektizide, deren Rückstände in der Nahrung weit ungesünder wären als die Insektenreste selbst. (Foto: dpa)

Was nach Vanille riecht, ist meist keine
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Im Jahr 2015 wurden weltweit über 15.000 Tonnen Vanillin verbraucht – doch nur etwa 2000 Tonnen der Jahresproduktion stammen tatsächlich aus Vanilleschoten. Der Rest wird überwiegend aus dem Erdölprodukt Guajakol hergestellt. Wenn auf einem Lebensmittel Vanillin als natürlicher Aromastoff deklariert ist, stammt es entweder biotechnisch aus Reiskleie, die den Ausgangsstoff Ferulasäure enthält, oder wird aus Eugenol synthetisiert, dem Hauptbestandteil des Nelkenöls.

Kakaobohnen als Geld der Azteken
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Die Wirtschaft in Mittelamerika vor der spanischen Eroberung basierte auf Tauschhandel, kombiniert mit zwei Sorten von „Kleingeld“: Baumwollstreifen und eben Kakaobohnen. Kakao spielte anders als unser Geld in der Wirtschaft eine vergleichsweise geringe Rolle – er war das Luxusgetränk der Elite, und der allergrößte Teil der Bohnen wurden zum Trinken gekauft. Immerhin, die gerösteten Bohnen waren gut haltbar und leicht zu transportieren, und das machte Kakao auch zu praktischem „Kleingeld“ im gängigen Tauschgeschäft – und zwar so sehr, dass Kakaobohnen mitunter sogar aus Teig oder Wachs gefälscht wurden.

Vanille ist eine Orchidee
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Die Gewürzvanille, die zu Weihnachten so beliebt ist, ist nur eine Art von über 100 verschiedenen Pflanzen der Gattung Vanilla, die zu den Orchideen gehört. Sie alle sind tropische Kletterpflanzen, die sich an Bäumen entlangranken oder gar auf ihnen wachsen. Ihre Früchte ähneln oberflächlich eher den Hülsenfrüchten, sind aber tatsächlich botanisch gesehen Beeren, die unter ihrer ledrigen Schale mit unzähligen winzigen Samen und einem Vanillin-haltigen Öl gefüllt sind. Bei besonders guter Vanille kann beim Trocknen auf den Schoten Vanillin auskristallisieren. (Foto: dpa)

Macht Schokolade Nobelpreisträger?
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Je mehr Schokolade in einem Land verspeist wird, desto mehr Nobelpreise gingen an Forscher aus diesem Land. Diesen Zusammenhang enthüllte vor einigen Jahren der Mediziner Franz H. Messerli im „New England Journal of Medicine“. Der Arzt führte diesen Zusammenhang auf Flavanole in der Schokolade zurück, eine Gruppe von Naturstoffen, die angeblich gut fürs Gehirn ist. Die wahrscheinlichere Ursache ist aber ein äußerer Faktor: Wohlhabendere Länder, in denen viel Schokolade konsumiert wird, haben auch ein besseres Bildungssystem und sammeln deshalb mehr Preise ein.

Christian vergleicht dies mit der Geburt von Kindern, die während der Passage durch den Geburtskanal mit Bakterien und Pilzen der Mutter in Kontakt kommen, was zumeist ihr Immunsystem stärkt. Ursprünglich wuchs Kakao in tropischen Regenwäldern, in deren Streuschicht zahlreiche Mikroben und Pilze hausen. Christian entdeckte nun, dass bestimmte Arten wie etwa der Pilz Colletotrichum tropicale das Immunsystem der Nutzpflanze stärken und sie damit besser gegen Pathogene und Fraßschädlinge schützen.

In den Monokulturen, in denen der weitaus größte Teil der kommerziell genutzten Kakaobäume wächst, ist diese Vielfalt aber verringert. Zudem können sich in den Plantagen Krankheiten oder Insektenplagen schnell und großflächig ausbreiten: Kranke Individuen können Pilzsporen oder Bakterien rasch an benachbarte Artgenossen weitergeben.

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