Billionenschweres Geschäft
Die Solartechnik gilt als ausgereift

„Technisch kein Problem“ ist die Meinung aller am Projekt Desertec Beteiligten. Solarkraftwerke wie in Kalifornien laufen seit über 20 Jahren. Auch der Transport des Stroms über große Entfernungen ist seit fast 30 Jahren Alltagsgeschäft. Die Industrie freut sich über die Wiedergeburt dieser alten Idee, denn die entsprechenden Pläne liegen schon lange bereit. Jetzt winkt ein gigantisches Geschäft.
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DÜSSELDORF. Das „Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie“ hat errechnet, dass die am Bau des Projekts beteiligten Firmen bis zu zwei Billionen Euro Umsatz bis zum Jahr 2050 erreichen können. 240 000 Arbeitsplätze könnten entstehen. Allerdings warnt René Umlauft, bei Siemens für das Geschäft mit erneuerbaren Energien zuständig: „Es ist noch viel Vorbereitung und Planung nötig.“

Beim Desertec-Projekt sollen vor allem solarthermische Kraftwerke eingesetzt werden, um die Sonnenenergie einzufangen. Mit Spiegeln konzentrieren sie die Strahlung auf eine Flüssigkeit, die über einen Wärmetauscher Dampf erzeugt, der eine Turbine samt Generator zur Stromerzeugung antreibt. Die Spiegel folgen der Sonne im Tagesverlauf und können so länger deren Energie nutzen.

Der deutsche Anlagenbauer Solar Millennium hat in einem Joint Venture mit MAN Ferrostaal solche Solarkraftwerke bereits in Spanien gebaut, das Kraftwerk Andasol in Andalusien ist kürzlich mit einer Leistung von 50 Megawatt ans Netz gegangen. „Man könnte auch größere Kraftwerke mit einer Leistung bis zu 280 Megawatt wirtschaftlich bauen“, heißt es bei dem Unternehmen. Theoretisch reicht eine Spiegelfläche von 50 mal 50 Kilometern in der Wüste aus, um Deutschland mit Strom zu versorgen.

Doch dürften die Desertec-Kraftwerke eher dezentral an verschiedenen Standorten stehen. Auch die Speicherung der Energie ist technisch gelöst. Geschmolzenes Salz dient als Wärmespeicher, so dass die Kraftwerke Tag und Nacht laufen könnten. Diese Technik ist wesentlich effizienter als die in Deutschland üblichen Solarzellen, die mehr zur dezentralen Stromerzeugung und direkten Einspeisung in das Stromnetz geeignet sind.

Der Transport der Energie über lange Strecken ist ebenfalls technisch kein Problem mehr. ABB und Siemens haben bereits in vielen Projekten die sogenannte Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ) angewendet. Hierbei wird der erzeugte Wechselstrom in Gleichstrom umgewandelt, wodurch über große Entfernungen nur rund drei Prozent der Energie verlorengehen, während es bei Wechselstrom rund 30 Prozent wären. So bauen beide Konzerne derzeit in China entsprechende Leitungen, die den Strom über 2 000 Kilometer vom Landesinneren zu den Industriezentren an der Küste transportieren sollen. Beim Desertec-Projekt ist allerdings noch fraglich, wie der Strom in das europäische Netz integriert wird – der Bau neuer Überlandleitungen in Europa dürfte politischen Widerstand hervorrufen.

Die derzeit geschätzten Kosten von 400 Mrd. Euro schrecken nicht. „Es gibt noch ein großes Kostensenkungspotenzial“, sagt Siemens-Manager Umlauft. Die Industrie setzt aber zumindest für die Startphase auf staatliche Hilfe. „Wir könnten uns vorstellen, dass anfangs eine Anschubfinanzierung wie bei der Windindustrie hilfreich sein könnte“, meint Umlauft.

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