Bio-Recycling
Ein Plastikfresser aus Japan

Plastikmüll ist ein großes Umweltproblem, denn er ist biologisch praktisch nicht abbaubar. Jetzt haben Forscher ein Bakterium entdeckt, das Kunststoff verdaut. Kann der Plastikfresser helfen, die Müllberge zu beseitigen?

HeidelbergPlastik ist nicht biologisch abbaubar. Das ist der große Vorteil der synthetischen Kunststoffe: Sie schimmeln nicht. Allerdings wird diese erwünschte Eigenschaft heute auch mehr und mehr zum Problem, denn es gibt auf diesem Planeten kaum einen Ort, an dem man kein Plastik findet. Am Ende seiner Lebensdauer landet ein großer Teil der synthetische Polymere in der Umwelt und bleibt dort – nicht biologisch abbaubar – bis auf Weiteres erhalten.

Diesem Zustand suchen Forscher seit geraumer Zeit abzuhelfen, indem sie gezielt nach den spezialisierten Organismen suchen, die Kunststoffe eben doch abbauen können. Denn, so der Grundgedanke, wenn das Zeug überall herumliegt, gibt es bestimmt auch irgendwelche Organismen, die gelernt haben, es zu essen.

Der neueste Fund aus dieser Strategie ist ein Bakterium mit dem vorläufigen Namen Ideonella sakaiensis, das den Kunststoff Polyethylenterephthalat abbaut, den wir vor allem in Form von PET-Flaschen kennen. Eine japanische Arbeitsgruppe unter der Leitung von Kohai Oda vom Kyoto Institute of Technology untersuchte dazu 250 mit PET-Resten kontaminierte Umweltproben – in einer davon, Nummer 46, wurde das japanische Team fündig: Dort lebte tatsächlich eine Bakteriengemeinschaft, die Löcher in den Kunststoff frisst – und Ideonella produziert die beiden Enzyme, die PET in seine ungefährlichen Bestandteile zerlegen.

Problem gelöst? Leider nicht. Kunststoffe sind zu hartnäckig für einfache Lösungen. Ideonella ist nur der neueste Organismus in einer Sammlung von Lebewesen, die künstliche Stoffe in der Umwelt verdauen können. Doch sind sie alle weit davon entfernt, die Umwelt von Plastikmüll zu befreien. Das gilt leider auch für Ideonella.

Das neue PET-spaltende Enzym, die so genannte PETase, von Ideonella erwies sich als um ein Vielfaches aktiver als vergleichbare Enzyme aus Bakterien und Pilzen. Trotzdem braucht die Bakteriengemeinschaft auch unter optimalen Bedingungen und bei Temperaturen um 30 Grad Celsius etwa sechs Wochen, um ein kleines Stück Polyethylenterephthalat zu zersetzen.

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Ein Plastikfresser aus Japan

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Der Natur ein wenig nachhelfen

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