Biogas-Pionier Ulrich Schmack
Mit Schmack(es)

Mit 21 Jahren macht er sich selbstständig, mit 33 droht ihm die Pleite, mit 35 schafft er die Kehrtwende. Ulrich Schmack ist der Pionier der Biogas-Technik in Deutschland. Das Landei aus Niederbayern will nichts weniger, als den Energiemarkt revolutionieren.
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Das Drama beginnt an einem Mittwochmorgen im Bayerischen Wald. Es ist der 25. Juli 2007, über Schwandorf braut sich ein Gewitter zusammen, es ist schwül-warm. Und es brodelt nicht nur in der Natur. Der Biogas-Verband im fernen Berlin hat gerade verkündet, dass wegen gestiegener Preise für Agrarrohstoffe die Landwirtschaft als Kunde für die Biogas-Branche wegfällt. Die Aktionäre von Schmack Biogas, einem der größten deutschen Biogas-Anlagenbauer mit Sitz in Schwandorf, sind alarmiert.

Das Telefon in der Zentrale schrillt ununterbrochen, aber der Chef ist nicht zu sprechen. Ulrich Schmack hat keine Lust auf niemanden. Er weiß in diesem Moment, dass das Ergebnis seines Schaffens bedroht ist. Dabei war er gerade noch ein Star. Der von ihm gegründete Biogas-Anlagenbauer legte an der Börse eine Rally hin, die Medien jubelten ihn in den Himmel, die Bundeskanzlerin suchte seinen Rat. Und dann dieser schwül-heiße Sommertag.

Es ist der Anfang vom Ende eines Höhenflugs, der auch für die an Aufstiegskarrieren reiche Erneuerbare-Energien-Branche ungewöhnlich ist - und der dazu führt, dass Ulrich Schmack, Gründer und Kopf des Unternehmens, in die zweite Reihe zurücktreten muss. Mit dieser Entscheidung rettet Schmack, halb gezwungen, halb freiwillig, was er mit viel Euphorie, bis an Starrsinnigkeit grenzend, aufgeladen mit Visionen und gegen viele Widerstände seit seinem 19. Lebensjahr aufgebaut hat; den ersten deutschen Komplettanbieter für Biogas-Anlagenbau.

Schmack Biogas ist ein Unternehmen, das die Energieversorgung in dieser Republik revolutionieren will, das es auf 500 Mitarbeiter schafft und dann erst ganz kurz vor der Pleite die Kurve kriegt. Ein Unternehmen, so unkonventionell und übermütig, wie es sie nur in aufstrebenden Branchen gibt, und das am Ende im Vergleich zu vielen Wettbewerbern wohl einen entscheidenden Vorteil hat: Durchhaltevermögen und einen Chef, der mit Haut und Haaren und all seinem Geld an seiner Firma hängt.

Die Geschichte des Aufstiegs eines kleinen Bauernjungen zum Energierevoluzzer beginnt im Idyll. Auf der einen Seite begrenzen dichte Wälder die Heimat von etwa 15 000 Niederbayern, auf der anderen Seite plätschert die Altmühl durch die Landschaft. Einfamilienhäuschen reihen sich, im Hintergrund erstrecken sich Felder bis zum Waldesrand. Eine Landschaft wie aus Wattebauschen. Hier in Kelheim wächst Ulrich Schmack auf. Ein bayerischer Bub, der es schon früh schätzen lernt, sich selbst zu versorgen. Der elterliche Hof bietet alles, was die achtköpfige Familie braucht. Nur Energie nicht.

Ulrich ist von der Idee besessen, auch das zu ändern. Aus Landwirtschaftsabfällen will er Gas gewinnen, das sich zu Strom verbrennen lässt. Es ist ein mühsamer Prozess, den der damals 19-Jährige mit zwei seiner vier Geschwister anstößt. Die geeignete Füllmasse, die richtigen Mikroorganismen, Gärgase - das alles muss genau aufeinander abgestimmt werden, bis die Gasfackel zum ersten Mal aufflammt. Während seine Altersgenossen sich aufs Abitur vorbereiten oder mit dem Mofa über die Dörfer brettern, freundet Schmack sich mit Rubivivax Gelantinosus und Clostridium Thermocellum an. So heißen zwei der Bakterien, die für die Vergärung nötig sind.

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