Biokraftstoffe
Der Sprit vom Acker

Biokraftstoffe sollen nicht nur gut für das Klima sein, sondern auch die Abhängigkeit vom Öl verringern. Aber mit steigenden Lebensmittelpreisen wächst auch die Kritik an dem Treibstoff aus Mais und Weizen.

Die Biokraftstoffe haben fulminant Karriere gemacht. Noch vor wenigen Jahren als Steckenpferd spinnerter Ökovisionäre verspottet, setzen heute weltweit Regierungen und Energiekonzerne ihre Hoffnung in den Sprit vom Acker. Denn mit den Treibstoffen aus Biomasse, argumentieren die Befürworter, lassen sich gleich zwei Probleme unseres Energiehungers auf einmal lösen: die Abhängigkeit von Ölimporten und der Klimawandel.

Die USA fördern deshalb mit jährlich mehr als sieben Mrd. Dollar die Herstellung von Ethanol aus Mais und Getreide. Die EU hat sich verpflichtet, bis 2020 den Anteil von Biosprit am Kraftstoffverbrauch auf mindestens zehn Prozent zu steigern. Ein ehrgeiziges Ziel - aktuell liegt der Anteil bei unter einem Prozent.

Doch zunehmend wird Kritik an der Euphorie über die Biokraftstoffe laut. Denn der Boom hat Nebenwirkungen. So sind wegen der hohen Nachfrage die Preise für Getreide enorm gestiegen. Das trifft besonders Stadtbewohner in den Entwicklungsländern. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung prognostiziert einen weiteren Preisanstieg von 20 bis 50 Prozent bis 2016 und warnt vor einer "Sprit-statt-Essen"-Debatte; Umweltschützer fürchten, dass der wachsende Biomassebedarf den Trend zu Monokulturen verstärkt und die Abholzung von Regenwäldern fördert.

Doch auch beim Klimaschutz schneiden die Biokraftstoffe teilweise schlecht ab. So verursacht der Anbau von Mais und seine Destillation zu Ethanol mehr klimagiftiges Kohlendioxid und Umweltschäden als die Verbrennung von Benzin. Das scheint inzwischen auch die EU-Kommission ins Grübeln zu bringen. In ihrer für Jahresende geplanten Richtlinie zum Biokraftstoff-Ziel will sie ökologische Mindeststandards vorschreiben.

Lösen lassen sich die Probleme durch Biokraftstoffe der zweiten Generation, bei denen Rohstoffe wie Holz, Stroh und Klärschlamm verwendet werden. Doch die Verfahren sind noch im Versuchsstadium. Experten erwarten, dass sie frühestens in zehn Jahren wirtschaftlich sind. Selbst wenn dies gelingt, wird der Sprit auch künftig überwiegend aus Mineralöl gewonnen. Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert, dass die Biotreibstoffe 2050 einen Marktanteil von 13 Prozent haben werden.

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