Biokraftstoffe
Klimaschutz wächst nicht auf dem Acker

Können Biokraftstoffe in ihrer heutigen Form etwas zum Klimaschutz beitragen? Wohl kaum, haben US-Wissenschaftler jetzt berechnet – und dabei gleich eine klaffende Lücke im Kyoto-Protokoll aufgezeigt.

HEIDELBERG. Wenn herkömmliche Äcker der Biospritproduktion weichen müssen, dürfte dessen Umweltbilanz noch schlechter ausfallen als ohnehin befürchtet. Bei der Produktion der Agrarkraftstoffe könnte sogar mehr als doppelt so viel Kohlendioxid (CO2) entstehen, wie die Energiepflanzen während ihres Wachstums aufnehmen. Die Bilanz wäre also negativ und würde dem Klima damit mehr schaden als nützen, wie Jerry Melillo vom Marine Biological Laboratory in Woods Hole und seine Kollegen berichten.

Dazu kämen Lachgasemissionen aus stickstoffhaltigen Düngemitteln, die beim Anbau von Sojabohnen oder Mais eingesetzt werden und deren Treibhauspotenzial noch größer ist als das von Kohlendioxid. Bereits mehrfach hatten Studien darauf hingewiesen, dass Energie vom Acker eine miserable Umweltbilanz aufweist - etwa, wenn Regenwälder gerodet werden, um Platz für Ölpalmen oder Sojafelder zu schaffen. Wird Agrardiesel beispielsweise aus brasilianischem Soja vom Amazonas gewonnen, sind sogar fossile Brennstoffe wie Diesel und Benzin noch klimafreundlicher.

Diese aktuellen Ergebnisse schrieb Melillos Team nun für die Zukunft fort: Sie entwickelten ein Computermodell, in das ökonomische und biogeochemische Daten einflossen - zum Beispiel CO2-Emissionen aus Böden und CO2-Aufnahmekapazitäten von Ökosystemen oder die Preisentwicklung von Rohstoffen. Danach spielten sie verschiedene Szenarien durch, wie sich zukünftig die mit Agrarkraftstoffen verbundenen Emissionen verändern, wenn die Staatengemeinschaft weiterhin konsequent auf diese Energieträger setzt und sie finanziell fördert.

Fatale Konsequenzen hätte sowohl die direkte Umwandlung natürlicher Ökosysteme wie Wälder und Grasländer als auch die Nutzung bisheriger landwirtschaftlicher Flächen für die Energieerzeugung. Um ausreichend Nahrungsmittel zu erzeugen, sind die Landwirte dann gezwungen, auszuweichen und neue Gebiete für Ackerbau und Viehzucht zu erschließen.

In beiden Fällen überstieg aber das zur Energiegewinnung genutzte Land jenes für die Nahrungsmittelproduktion, und es würden riesige Mengen Kohlendioxid frei werden, etwa aus der Brandrodung oder weil es wegen verstärkter mikrobieller Aktivität aus Böden ausgast: „Die massiv entweichenden Treibhausgase sind die unbeabsichtigten Folgen der weltweiten Bioenergieprogramme. Sie verstärken die Erderwärmung eher noch, als dass sie zu deren Vermeidung beitragen“, kommentiert Jerry Melillo die Ergebnisse seiner Studie.

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