Biokraftstoffe
Wege aus der Kraftstoff-Falle

Biokraftstoff hat derzeit keinen guten Ruf. Wer möchte sich schon vorrechnen lassen, dass eine Tankfüllung seines Autos so viel Mais verbraucht, wie ein Mensch in Afrika in einem Jahr verzehrt. Doch Wissenschaftler arbeiten bereits an einer akzeptierbaren Alternative.
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DÜSSELDORF. „Die Resultate waren völlig unerwartet und sehr aufregend. Ich hatte regelrecht eine Gänsehaut.“ Wenn Gary Strobel über seinen Fund berichtet, ist die Begeisterung des Entdeckers deutlich zu spüren. Kein Wunder, verspricht die Entdeckung, die der Professor der Montana State University im südamerikanischen Regenwald gemacht hat, doch auf den ersten Blick die Lösung all unserer Energieprobleme. Gliocladium roseum heißt Strobels kostbare Beute, ein Pilz, der Pflanzenabfälle in Biodiesel verwandelt. Werden die Ölkonzerne der Zukunft also Pilzplantagen statt Raffinerien bewirtschaften?

Sicher ist, dass Biosprit der wichtigste Kandidat für den Kraftstoff der Zukunft ist. Noch weiß niemand genau, wann die Ölreserven der Erde erschöpft sind, doch dass sie zu Ende gehen – vielleicht in 50, vielleicht in 80, vielleicht auch erst in 100 Jahren – ist gewiss. Und fossile Energieträger wie Kohle und Gas sind keine wirklichen Alternativen.

Zwar erlebt die Kohleverflüssigung derzeit eine Renaissance in der Kraftstoff-Produktion – Südafrika etwa deckt inzwischen rund ein Drittel seines Spritbedarfs mit diesem Verfahren, auch in Länder wie China oder die USA wird mit der Methode experimentiert – doch rechnet man neben der Verfügbarkeit des Rohstoffs auch den Faktor Klimaschutz ein, überwiegen die Nachteile der fossilen Energieträger. So reduziert sich der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid bei Fahrzeugen mit Gasantrieb nur um 10 bis 20 Prozent gegenüber dem Benzinantrieb. Und Kraftstoff aus Kohle gilt wegen des aufwändigen Umwandlungsprozesses als doppelt so klimaschädlich wie herkömmlicher Kraftstoff.

Also Biosprit. Doch die auf den ersten Blick reizvolle Idee, den Klimakiller Kohlendioxid durch den Anbau von Energiepflanzen aus der Atmosphäre zu filtern, ist in letzter Zeit stark in Misskredit geraten. Denn die mit staatlicher Unterstützung in den Markt gedrückten Biokraftstoffe aus Raps oder Mais benötigen Anbauflächen, die damit für die Nahrungsmittelproduktion verloren gehen. Und wer den Tank seines SUV mit Bioethanol befüllt, möchte sich nicht unbedingt vorrechnen lassen, dass er gerade so viel Mais verbraucht, wie ein Mensch in Afrika in einem Jahr verzehrt.

Wissenschaftler arbeiten daher an einer neuen Generation von Biokraftstoffen. Cellulose heißt das Zauberwort. Für den Menschen unverdaulich, wäre Cellulose, der Hauptbestandteil von pflanzlichen Zellwänden, als Rohstoff für die Treibstoffgewinnung ideal: Es ist in Abfallprodukten der Landwirtschaft wie Reisstroh im Überfluss vorhanden, würde also keine wertvolle Anbaufläche verbrauchen. Pro Jahr bilden Pflanzen mehr als 150 Milliarden Tonnen Cellulose – ein Vielfaches dessen, was weltweit an Mineralölprodukten verbraucht wird.

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