Bodenschätze und Schiffsrouten Arktis-Erwärmung weckt Begehrlichkeiten

Unter dem Eis der Arktis schlummern kostbare Bodenschätze. Der globale Treibhauseffekt eröffnet Aussichten, sie in nicht allzu ferner Zukunft erschließen zu können. Das Rennen um die besten Plätze hat schon begonnen.
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Die globale Erwärmung könnte die eisige Wasserstraße in Zukunft auch für normale Frachtschiffe passierbar mache. Quelle: AP
Mit dem Eisbrecher in der Nordwestpassage

Die globale Erwärmung könnte die eisige Wasserstraße in Zukunft auch für normale Frachtschiffe passierbar mache.

(Foto: AP)

Lancaster SoundAuf ihrer Oberfläche sieht die nördliche Küste von Baffin Island in der Arktis unwirtlich aus – eine raue Welt mit schneebedeckten Gipfeln und Gletschern inmitten eines Sees von treibendem Eis, sogar mitten im Sommer. Aber unter der gefrorenen Schale der fünftgrößten Insel der Welt lagern reiche Vorkommen an ungewöhnlich reinem Eisenerz. So viel davon, dass die Baffinland-Mine vermutlich Hüttenwerke Jahrzehnte lang am Laufen halten könnte.

Und nicht nur das. Die US-Behörde Geological Survey (USGS) schätzt, dass innerhalb des nördlichen Polarkreises bis zu 30 Prozent der bisher unentdeckten Gas- und 13 Prozent der weltweiten Ölvorkommen schlummern. Und wertvolle Minerale zusammen mit seltenen Elementen, Lithium und Kobalt, die etwa in Batterien elektrischer Autos verwendet werden.

Wo das Meer die Arktis frisst
Arktische Permafrost-Küste
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34 Prozent der Küsten weltweit sind Permafrost-Küsten. Das heißt, der Boden enthält jede Menge gefrorenes Wasser, das die eingelagerten Sedimente wie Zement zusammenhält. Doch in Zeiten des globalen Klimawandels wird dieser Zement brüchig. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Erodierende Steilküste auf Herschel Island
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In den vergangenen Jahren hat sich das Auftauen der Permafrost-Küsten so stark beschleunigt, dass sich das Meer in manchen Regionen über 20 Meter pro Jahr ins Land frisst. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung haben das Phänomen auf der nordkanadischen Permafrost-Insel Herschel Island untersucht und dokumentiert. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Erodierende Steilküste auf Herschel Island
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„Herschel Island verliert pro Jahr bis zu 22 Meter seiner Steilküste. Der aufgetaute Permafrostboden rutscht dann in Form von Schlammlawinen ins Meer und trübt die umgebenden Flachwasserbereiche so großflächig ein, dass die braun-grauen Sedimentfahnen viele Kilometer weit ins Meer hineinreichen“, erläutert AWI-Forscher Michael Fritz. (Foto: AWI/Michael Krautblatter)

An der Küste von Herschel Island
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Taut der Permafrost auf, lösen sich die zuvor im Eis eingeschlossenen Sedimente, Tier- und Pflanzenreste und werden von den Wellen ausgewaschen. Bei diesem Vorgang werden nicht nur die klimarelevanten Treibhausgase Kohlendioxid und Methan freigesetzt. Das erodierte Material enthält auch jede Menge Nähr- und Schadstoffe wie Stickstoff, Phosphor oder Quecksilber. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Satellitenbild von Herschel Island mit gut sichtbaren Sedimentfahnen vor der Küste
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Diese Stoffe gelangen ins Meer, werden dort weiter transportiert, abgebaut oder angereichert und verändern nachhaltig die Lebensbedingungen im Flachwasserbereich. „Die Folgen für das Nahrungsnetz können wir bisher nur erahnen“, sagt Michael Fritz. (Foto: NASA Worldview)

Erodierende Steilküste der Herschel Insel
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Wie sich die Biogeochemie der Küstenzone im Zuge der zunehmenden Erosion verändert und welche Konsequenzen dies für die Ökosysteme, für wichtige Fischgründe und somit am Ende auch für die Menschen in der Arktis hat, ist tatsächlich bislang noch kaum untersucht worden. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Forschungsarbeit an der Küste von Herschel Island
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Vor allem logistische Probleme haben bislang eine genauere Erforschung des Phänomens verhindert. Viele der arktischen Küsten- und Flachwasserzonen sind weder per Auto oder Flugzeug noch mit großen Eisbrechern zu erreichen. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Aber angesichts der rauen eisigen Bedingungen zählt die Arktis mit ihrer berühmten Nordwestpassage – dem knapp 5800 Kilometer langen Seeweg nördlich der amerikanischen Küste, der den Pazifik mit dem Atlantik verbindet – zu den letzten Regionen auf der Welt, die bisher weitgehend unerforscht geblieben sind.

Der Kampf ist in vollem Gange

Doch nun zieht sich das Eis im Zuge der globalen Erwärmung stetig weiter nordwärts zurück – und es ist bereits von einem zu erwartenden „Goldrausch“ in der Arktis die Rede. Dabei geht es nicht nur um die reichhaltigen natürlichen Ressourcen unter dem Eis, sondern auch um wertvolle Schiffsrouten und potenziell lukrative Aussichten für das Tourismus- und Fischereigewerbe.

Eine stärkere Nutzung der Nordwestpassage allein könnte dramatisch neue Zukunftschancen eröffnen. Die Reiseentfernung von Ostasien nach Westeuropa würde sich um mehr als 10.000 Kilometer verkürzen, verglichen mit der traditionellen Route durch den Panama-Kanal. Das würde enorme Kraftstoffeinsparungen bedeuten.

So ist denn der Kampf um die Arktis auch schon in vollem Gange. US-Präsident Donald Trump hat im April von seinem Vorgänger Barack Obama erlassene Beschränkungen bei Ölbohrungen aufgehoben.

Grönland beansprucht mit Blick auf etwaige künftige Schürfrechte den Lomonossow-Rücken für sich, der sich auf einer Länge von etwa 1800 Kilometern im Arktischen Ozean erstreckt. Russland wehrt sich dagegen, hat vor zehn Jahren am Nordpol eine Unterwasser-Flagge gepflanzt und baut die Infrastruktur an seiner nördlichen Küste aus.

Kanada argumentiert, dass sich das arktische Archipel in seinen Gewässern befinde und hat seine Präsenz in der Region verstärkt, unter anderem ein neues arktisches Forschungszentrum eingerichtet. Die USA fechten Kanadas Anspruch an, zumal er Ottawa das Recht geben könnte, die freie Fahrt durch die Nordwestpassage zu unterbinden.

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