Braunkohle-Pilotanlage
Abschied vom Klimakiller

In Südbrandenburg soll Industriegeschichte geschrieben werden: Zwei Jahre nach dem ersten Spatenstich für die Pilotanlage eines weltweit ersten Braunkohlekraftwerks, das fast kein klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) in die Luft blasen soll, sind die letzten Gerüstteile abgebaut. Seit Mai nimmt der Energieversorger Vattenfall Europe dort die einzelnen Komponenten schrittweise in Betrieb.

HB SPREMBERG. Mitte September soll die Lausitzer Anlage offiziell die Arbeit aufnehmen und dann 30 Megawatt (MW) Wärme erzeugen.

Die Bedeutung der Anlage lässt sich daran erkennen, dass es sich seinerzeit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht nehmen ließ, zum Spatenstich anzureisen. Vattenfall steckt etwa 70 Millionen Euro in das kleine Kraftwerk, das direkt neben dem 1600-Megawatt-Riesen am Spremberger Industriestandort Schwarze Pumpe an der Landesgrenze zu Sachsen steht.

In der Pilotanlage wird das von dem Energieversorger favorisierte Oxyfuel-Verfahren erprobt, bei dem vorgetrockneter Braunkohlenstaub im Kessel mit reinem Sauerstoff und Rauchgas statt wie bisher mit Luft verbrannt wird.

„Das CO2 wird dann bis 98 Prozent konzentriert und abgeschieden, um es unterirdisch zu speichern“, beschreibt der Projektkoordinator Damian Müller das sogenannte CCS-Verfahren (Carbon Capture and Storage). Kohlendioxid gilt wegen des von ihm maßgeblich verursachten Treibhaus-Effektes als „Klimakiller“.

Kritisch wird das Vorhaben von der Brandenburger Volksinitiative gegen neue Tagebaue begleitet, zu der Umweltschützer, die Bündnisgrünen und die Partei Die Linke gehören. Sie fordern bis 2050 den Ausstieg aus der Braunkohleverstromung. Mitte Mai übergaben ihre Vertreter im Potsdamer Landtag eine Liste mit 26 574 Unterschriften und einen ausformulierten Gesetzentwurf. Nun muss sich das Parlament mit dem Anliegen befassen.

„Falls die CCS-Technologie überhaupt funktioniert, kann sie erst ab 2020 flächendeckend eingeführt werden“, bemängelt Axel Kruschat, Brandenburger Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland.

Probleme seien zudem der geringe Wirkungsgrad sowie Risiken beim CO2-Transport und der Speicherung. Auch Gabriela Goerne von Greenpeace ist skeptisch: „Bei der CCS-Technologie wird bis 30 Prozent mehr Energie benötigt als bisher – und das bedeutet neue Braunkohletagebaue“, bemerkt die Hamburger Geologin.

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