Brüchiger UV-Schutz Ozonschicht der Erde erholt sich nicht überall

Die Ozonlöcher an den Polen der Erde schließen sich zwar, doch andernorts schwindet der UV-Schutz der Atmosphäre weiter – zum Beispiel über Mitteleuropa.
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Während die Ozonschicht über den Polen wieder dicker wird, erholt sie sich andernorts nicht. Quelle: dpa
Ozonloch über der Antarktis 2006 (r.) und 2013

Während die Ozonschicht über den Polen wieder dicker wird, erholt sie sich andernorts nicht.

(Foto: dpa)

BerlinVor über 30 Jahren schreckten Nachrichten über ein Ozonloch über der Antarktis die Weltgemeinschaft auf. Mittlerweile wird – dank internationaler Schutzmaßnahmen – die Ozonschicht über den Polen der Erde allmählich wieder dicker. Doch in tieferen Breitengraden schrumpft die Schicht, die die Erde vor den krebserregenden UV-Strahlen der Sonne schützt, weiter, berichten Forscher im Fachblatt „Atmospheric Chemistry and Physics“.

„Das Ozon in der Stratosphäre erholt sich offenbar nicht zwischen den 60. Breitengraden Nord und Süd“, schreiben die Forscher. Das schließt große Teile der Welt mit ein – darunter auch Deutschland.

Was hinter diesem Phänomen steckt, wissen die Experten noch nicht. Sie fürchten allerdings, dass die Folgen schlimmer sein könnten als die Konsequenzen des polaren Ozonschwunds. Zum einen, weil die UV-Strahlung in mittleren Breiten höher sei als an den Polen, zum anderen, weil dort mehr Menschen lebten.

„Das ist verblüffend und besorgniserregend“, sagt der Leiter der Atmosphärenforschung am Alfred-Wegener-Institut in Potsdam , Markus Rex, über die Ergebnisse. Die Forschergemeinde hätte sich zuletzt ein bisschen zurückgelehnt, „um der Ozonschicht bei der Erholung zuzusehen“, sagte Rex, der an der Studie nicht beteiligt war. Er bezeichnete die Untersuchung als robust und solide.

An den Polen war in den 80er Jahren ein besonders rasanter Schwund des Ozons bemerkt worden. In der Antarktis tat sich jedes Jahr ein regelrechtes Ozonloch auf. Die Lage besserte sich dort aber durch das Montreal-Protokoll von 1987, das die Produktion von ozonschädigenden Chemikalien, die zum Beispiel in Kühlgeräten verwendet wurden, weitgehend stoppte.

Die Ozonkonzentration in der oberen Stratosphäre über 30 Kilometern sei seit 1998 deutlich gestiegen, heißt es in der Studie. Dass die Erholung die tieferen Breitengrade der Erde nicht erreichte, konnten die Forscher erst jetzt durch eine neue Datenanalyse nachweisen. Sie verknüpften dazu Ergebnisse aus zahlreichen Messungen verschiedener Forscher und stellten eine umfassende Datenreihe seit 1985 her.

„Diese Ergebnisse stellen nicht den Erfolg des Montreal-Protokolls in Frage“, betont Rex. Es sei erwiesen, dass der Produktionsstopp der Chemikalien erheblich zur Erholung der Ozonschicht in der oberen Stratosphäre und an den Polen beigetragen habe.

Eine Erklärung für die gegenteilige Entwicklung in tieferen Breitengraden könnten kurzlebige ozonschädliche Gase und durch den Klimawandel bedingte Wetterveränderungen sein, so die Studie. Die Menge dieser Gase wachse, und durch zunehmend stärkere Gewitterstürme könnten sie schneller in die untere Stratosphäre gelangen, wo sie Ozon zerstören.

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