Cancún
Wirtschaft duckt sich beim Klimagipfel weg

Nutzten die deutschen Wirtschaftsverbände den Klimagipfel in Kopenhagen im vergangenen Jahr noch als Bühne für große Auftritte, so halten sie sich nun auf der Konferenz in Cancún lieber wieder bedeckt beim Thema Klimaschutz. Nur einzelne Unternehmen signalisieren Handlungswillen.
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CANCÚN. Joachim Hein verfolgt die internationale Klimadiplomatie seit Jahren. Er kennt die zähen Verhandlungsprozesse und den Showdown, den es regelmäßig am Ende eines Gipfels gibt. Er sah Konferenzleiter am Rande des Nervenzusammenbruchs, erlebte Durchbrüche bei Klimagifeln und vor allen Dingen auch ihr Scheitern. Hein arbeitet beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in der Abteilung Klima und nachhaltige Entwicklung. Beim Weltklimagipfel in Cancún repräsentiert er zugleich die gesamte deutsche Wirtschaft: Er ist der einzige Vertreter des Spitzenverbandes der deutschen Industrie.

Bei früheren Gipfeln traten wichtige Konzernlenker auf

Bei dem noch bis Freitag laufenden Gipfel in Cancún ist der Kernpunkt – ein Nachfolgeabkommen zum Kyotoprotokoll – völlig offen. Auch die deutsche Wirtschaft hält sich beim Thema Klimaschutz lieber wieder bedeckt. Ganz anders als noch vor einem Jahr: Den Gipfel in Kopenhagen nutzte man als Bühne, trat mit großer Delegation auf, BDI-Präsident Hans-Peter Keitel war dabei, BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf ebenfalls.

Das Signal, das man aussenden wollte, war eindeutig: Ja, wir haben verstanden, verbindliche Klimaschutzziele sind eine gute Sache, wir verschreiben uns dem Ziel, auf eine kohlenstoffarme Form des Wirtschaftens umzustellen. Die Wirtschaft organisierte hochkarätig besetzte Diskussionsforen am Rande des Kopenhagener Gipfels. Es erschienen Konzernlenker wie RWE-Chef Jürgen Großmann und der damalige Eon-Chef Wulf Bernotat. Bernotat verkündete noch beim Gipfel ehrgeizige Reduktionsziele für sein Unternehmen.

Das Kalkül damals: Wenn am Ende des Kopenhagener Gipfels verbindliche Reduktionsziele für die großen Industrienationen stehen, profitieren alle. Die Energieversorger und energieintensive Unternehmen, etwa aus den Branchen Stahl, Chemie, Zement, Papier oder Aluminium, müssten sich nicht mehr vor einseitigen Belastungen fürchten, weil ja die Konkurrenten aus anderen Nationen, auch aus den USA und China, ebenfalls verbindlichen Reduktionszielen unterworfen würden. Und Technologiekonzerne würden sich freuen: Ambitionierte Klimaschutzziele auf der ganzen Welt würden das Geschäft mit Photovoltaikanlagen, Windrädern und anderen umweltfreundlichen Technologien beflügeln.

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  • Das Scheitern von Cancun wäre die erste gute Nachricht seit langem, für das gebeutelte deutsche Volk!

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