Energieforscher Norman Gerhardt „Wir brauchen mehr Ökostrom“

Der Fraunhofer-Forscher Norman Gerhardt erklärt im Interview, wo er zukünftige Einsatzmöglichkeiten für erneuerbare Energien sieht. In einem Bereich sieht er besonders großen Handlungsbedarf.
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Norman Gerhardt, Gruppenleiter Energiewirtschaft und Systemanalyse beim Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik, plädiert für eine breitere Nutzung von Öko-Strom. Quelle: obs
Regenerative Energien

Norman Gerhardt, Gruppenleiter Energiewirtschaft und Systemanalyse beim Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik, plädiert für eine breitere Nutzung von Öko-Strom.

(Foto: obs)

„Power-to-X-Technologien“ sollen die Energiewende voranbringen. Das X steht stellvertretend beispielsweise für Gas, Wärme oder Mobilität – etwa E-Autos, die Öko-Strom nutzen. Norman Gerhardt, Gruppenleiter Energiewirtschaft und Systemanalyse beim Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik in Kassel, plädiert für mehr Umwandlung von Ökostrom in Wärme.

Herr Gerhardt, was können Power-to-X-Technologien für die Energiewende tun?
Es ist elementar, Strom aus Sonne und Wind effizient zu nutzen. Power-to-X-Technologien sind in der Lage, zwischen Strom und anderen Energieträgern rasch zu wechseln und so auf wetterbedingte Schwankungen zu reagieren.

Gibt es noch weitere Vorteile?
Um die Klimaziele zu erreichen, ist es nötig, Öko-Strom auch in Sektoren einzusetzen, in denen bisher Kohle, Erdgas und Öl die dominierenden Energieträger sind – also im Verkehr oder bei der Wärmeerzeugung. Das Koppeln dieser Sektoren an die erneuerbare Stromerzeugung ist elementar wichtig, um den CO2-Ausstoß weiter zu reduzieren.

Welche Power-to-X-Technologien sind die effizientesten?
Um Öko-Strom zu nutzen, der wegen Netzengpässen nicht abtransportiert werden kann, sind Elektrodenkessel eine gute Möglichkeit – sie funktionieren nach dem Power-to-Heat-Verfahren. Wird also wetterbedingt zu viel Öko-Strom produziert, nutzen die Anlagen diesen – und wechseln bei normalem Netzbetrieb zu fossilen Energieträgern. Um neue Sektoren ganzjährig einzubinden, eignen sich effiziente Technologien wie Wärmepumpen sowie Elektromobilität besonders.

Wie Sie den Energieverbrauch Ihrer Firma massiv senken
Wer den Cent nicht ehrt, …
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Etwa drei Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland, das geht aus einem Fachartikel im Creditreform-Magazin (05/2016) hervor, gehen auf das Konto von Bürogeräten. Rechnet man den Energiebedarf für Server und Rechenzentren dazu, entfallen sogar mehr als zehn Prozent des deutschen Strombedarfs auf Informations- und Kommunikationstechnologien.

Augen auf beim Einkauf
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Wie Sie mit grüner Hardware und ein paar Tricks den Energieverbrauch um 20 bis 40 Prozent senken können, zeigt die Creditreform in einer Übersicht, die wir Ihnen hier vorstellen. Das Sparen fängt schon beim Kaufen an. So rät die Deutsche Energie-Agentur (Dena), bei der Auswahl energieeffizienter Geräte auf folgende Gütesiegel zu achten…

Die wichtigsten Siegel
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Der Energy Star kennzeichnet in der EU Bürogeräte, die bestimmte Mindeststandards in puncto Energieeffizienz erfüllen.
Das TCO-Label wird für Geräte der Informationstechnologie nach Kriterien wie niedriger Energieverbrauch, Umweltverträglichkeit und Wiederverwertbarkeit vergeben.
Der TÜV-ECO-Kreis kennzeichnet Produkte, die nachweisbar den aktuellen Stand der Technik in Sachen Sicherheit, Ergonomie und Ökologie einhalten.
Das europäische EU-Ecolabel (Euro-Blume) berücksichtigt bei der Bewertung von Produkten und Dienstleistungen Umweltkriterien über den gesamten Lebenszyklus.

Ein Gerät für alles
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Drucker, Fax, Kopierer und Scanner mit jeweils einem eigenen Stromanschluss verbrauchen zusammen mehr Energie als ein Multifunktionsgerät. Nicht benötigte Geräte, rät die Creditreform, sollten ausgeschaltet werden. Ebenso alle Arbeitsplatzgeräte über Nacht, am Wochenende oder in einer längeren Arbeitspause. Manche Apparate verbrauchen auch nach dem Ausschalten noch Energie.

Energie, Toner und Tinte sparen
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Eine schaltbare Steckdosenleiste trennt gleich mehrere Geräte mit einem Knopfdruck sicher vom Netz. Beim Energiesparen hilft es auch, wenn Geräte gemeinsam genutzt und über das Firmennetzwerk bereitgestellt werden. Noch ein Tipp: Vom Hersteller sind die Geräte meist auf „optimale Druckqualität” eingestellt. Meist genügt „normale Qualität” oder „Entwurf” – das Umstellen spart Energie und Toner beziehungsweise Tinte.

Monitore ausschalten
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Der Standby-Modus ist bequem, die Geräte sind viel schneller als beim Ausschalten wieder betriebsbereit. Rund zwei Drittel der Monitore in deutschen Büros bleiben nach einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Yougov sogar über Nacht im Standby-Modus. Aber auch dabei verbrauchen sie Strom. Wie eine Studie ergab, können Mitarbeiter in Deutschland allein durch das Ausschalten der Monitore nach Feierabend jährlich Stromkosten in Höhe von rund 480 Millionen Euro einsparen.

Energiefresser Bildschirmschoner
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Und auch Bildschirmschoner sind Energiefresser. Creditreform rät: Wer ihn über längere Zeit nicht nutzt, sollte ihn in den Ruhezustand versetzen oder besser noch ganz ausschalten. Experten raten zudem dazu, die Helligkeit an LCD-Monitoren an Plätzen ohne direkte Sonneneinstrahlung auf 20 Watt zu dimmen.

Gelingt diese Anbindung denn schon?
Noch nicht wirklich. Denn Strom ist im Vergleich zu fossilen Brennstoffen bislang zu teuer.

Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf?
Der Rechtsrahmen muss geändert werden, um Geschäftsmodelle zu ermöglichen, die mehr auf Strom als Energieträger setzen. Bei der E-Mobilität gibt es immerhin schon die Kaufprämie. Um Strom gewinnbringend zur Wärmegewinnung einzusetzen, muss er billiger werden – oder fossile Brennstoffe teurer. Voraussetzung ist auch, die Erneuerbaren für den steigenden Stromverbrauch stärker auszubauen, als im Moment geplant.

Herr Gerhardt, wir danken Ihnen für das Interview.

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3 Kommentare zu "Energieforscher Norman Gerhardt: „Wir brauchen mehr Ökostrom“"

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  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
    Danke

  • Das sind erfrischende Ansichten eines Forschers mit "Visionen" einer Gesellschaft die sich in eine ökoreligiöse Phantasiewelt begibt, bzw. eine mittelalterlich, verarmte Gesellschaft anstrebt.

    Rechnung für eine Umwandlung umweltschädlichen Solarstroms in Wasserstoff-/Methangas:
    -Solarstrom wird mit ca. 10c/kWh vergütet. Bei einem Wirkungsgrad von 55% inklsive Verdichtung für Wasserstoff ergeben sich Stromkosten von 18c/kWh.
    - Eine Anlage zur Konversion von Strom zu Wasserstoffgas kann z.B. ca. 1000 €/kW Kapazität kosten. Bei einer Nutzung über 1200 h, 15 Jahre Nutzung und 6% U&R ergeben sich Anlagekosten von 13c/kWh.
    - Das sind Gesamtkosten von 31c/kWh.

    Eine Umwandlung in Methangas würde die Kosten massiv weiter erhöhen da dies ein 2-stufiger Prozess ist der auch Kontinuität erfordert.

    Aktuell beträgt der Grenzübergangspreis für Erdgas 1,5c/kWh.

  • Damit Strom NOCH teurer wird!

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