Klimaschutz in Paris

Obstanbau in der Großstadt

Der Gastgeber des letztjährigen Weltklimagipfels fühlt sich verpflichtet: Frankreichs Hauptstadt will die Emissionen von Treibhausgasen deutlich verringern – und setzt jetzt auch auf außergewöhnliche Maßnahmen.
  • Matthieu Quiret
Die Metropole macht sich fit für den Klimawandel. Quelle: dpa
Paris wird grün

Die Metropole macht sich fit für den Klimawandel.

(Foto: dpa)

Paris soll grüner werden. Die Stadtverwaltung sucht „les Parisculteurs“: Interessenten, die einen Teil der städtischen Flächen bewirtschaften wollen. 100 Hektar sollen bis 2020 neu bepflanzt werden, auf Dächern, an Fassaden oder auf Wiesen. Der Clou: Ein Drittel der Bepflanzung soll  der Nahrungsmittelproduktion dienen. Obst und Gemüse aus der Stadt für die Stadt.

Paris erhofft sich dadurch einen großen Effekt für den Klimaschutz: Die städtische Landwirtschaft vermeidet nicht nur Stunden, sondern Tage an Anlieferungszeiten, Treibgasemissionen werden vermindert, und wenn grüne Dächer die Sonnenstrahlungen aufnehmen, wird sogar der Betrieb an Klimaanlagen verringert.

So gefällt Europas Metropolen ihr urbanes Grün
huGO-BildID: 3964713 This aerial view shows New York's landmark Central Park Monday, Aug. 23, 2004. The city prepares to host the Republic National C
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Das Urban Green Ranking misst die Zufriedenheit der Bevölkerung mit den Parkanlagen in zehn europäischen Großstädten von Budapest über London bis Paris – das heißt natürlich, dass der hier abgebildete Central Park in New York City im Ranking nicht vertreten ist. Das Forsa-Institut hat für die Studie im Auftrag der European Landscape Contractors Association, der europäischen Vereinigung des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus, jeweils 500 Personen pro Stadt befragt.

Bei der Studie wurden große Diskrepanzen zwischen Idealvorstellung und Zustand der Grünanlagen festgestellt. Die größten Abstriche machen die Grünanlagen europaweit beim Angebot von Ruhezonen und Rückzugsmöglichkeiten.

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Platz 10: Paris

In der „Stadt der Liebe“ sind nur 48 Prozent der befragten Bewohner mit dem Angebot der Grünflächen und Parks zufrieden. Die grünen Oasen sorgen dafür, dass die Bewohner leicht dem Stadtlärm entkommen können. Für 92 Prozent der Befragten ist dies sogar sehr schnell möglich, da Parks in unmittelbarer Umgebung gelegen sind.

Den Bewohnern der französischen Hauptstadt ist sehr wichtig, sich im Park in Ruhezonen zurückziehen zu können. Hier besteht allerdings noch Handlungsbedarf, denn nur 42 Prozent der Befragten sahen dieses Bedürfnis erfüllt. Mit der allgemeinen Gestaltung der Parkanlagen zeigten sich zudem lediglich 59 Prozent der Pariser zufrieden. Und wenn es um das Angebot von Sitz- und Sportflächen geht, erreicht die Zufriedenheitsskala gerade einmal ein Drittel der möglichen 500 Befragten.

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Platz 9: Budapest

In Budapest gefällt rund 53 Prozent der Befragten das grünflächige Angebot innerhalb der Stadt. Die Budapester benutzen Parks besonders gerne, um Spazieren zu gehen sowie zum Ausspannen und Lesen. Die Grünflächen sollen Orte der Ruhe und der Rückzugsmöglichkeit sein. Für 73 Prozent sind die Parks in der Stadt sehr leicht zu erreichen, mindestens einmal in der Woche halten sich 44 Prozent der Befragten dort auf.

Praktisch allen Budapestern ist eine professionelle Pflege der Grünanlagen wichtig – das liegt den Einwohnern der ungarischen Hauptstadt im europäischen Vergleich am meisten am Herzen. Doch nicht einmal zwei Drittel sind mit der Pflege der Parks zufrieden. Bei der Frage nach der allgemeinen Gestaltung herrscht hier europaweit die größte Diskrepanz: 97 Prozent legen Wert darauf, aber nur 64 Prozent der Befragten sind mit der Gestaltung einverstanden.

huGO-BildID: 31751150 In this June 26, 2013 photo, people cool off on a hot summer day in Esplanade Park in Helsinki, Finland. In summer, glorious su
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Platz 8: Helsinki

In Helsinki sind 62 Prozent der Befragten sehr zufrieden mit der Anzahl von Parks und Grünflächen. 92 Prozent können sie außerdem schnell erreichen, während 59 Prozent der Befragten sie auch mindestens einmal in der Woche nutzen – am liebsten zum Spazierengehen oder um Sportarten wie Joggen oder Fahrradfahren zu betreiben.

Die Hauptstadt Finnlands schneidet in einigen Kategorien allerdings am schlechtesten ab: Dass nur 37 Prozent der Befragten mit dem Angebot an Rückzugsmöglichkeiten zufrieden sind, ist zum Beispiel ein Tiefstwert. Der schlechteste Wert der gesamten Studie findet sich bei der Frage nach der Nähe des Parks zu gastronomischen Angeboten: 26 Prozent der gefragten Helsinkier sind damit zufrieden. Mit der allgemeinen Gestaltung der Parkanlagen ist gerade einmal die Hälfte der Befragten einverstanden.

Tree blossom and sunshine on Petrin hill in Prague
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Platz 7: Prag

68 Prozent der Befragten in Prag sind mit dem Angebot von grünen Flächen und Parks zufrieden. 85 Prozent können auch bequem von der Haustüre in den Park spazieren. Rund 58 Prozent machen dies auch täglich oder mindestens einmal in der Woche.

Für die Prager Bevölkerung ist es besonders wichtig, dass die Parks professionell gepflegt sind und sich dort eine breite Vielzahl von Bäumen und Pflanzen befindet. Mit dem jetzigen Zustand sind sie nicht ganz einverstanden, denn dass 74 Prozent der Befragten mit der tatsächlichen Vielfalt zufrieden sind, ist noch steigerungsfähig.

huGO-BildID: 31922945 People enjoy the sun in central London's Hyde Park, Tuesday, July 9, 2013. After one of the coldest and wettest starts to
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Platz 6: London

In London gefällt 75 Prozent der Befragten das grüne Angebot der Stadt. Für 88 Prozent liegen die Parks und Grünflächen in unmittelbarer Reichweite vom Büro oder dem Wohnort. 38 Prozent der Befragten halten sich in den grünen Oasen auch mindestens einmal in der Woche auf. Besonders wichtig ist den britischen Hauptstädtern die attraktive Gestaltung der Parks.

Zum Angebot von Sitzgelegenheiten sowie zu Ruhezonen äußert sich allerdings immerhin fast die Hälfte der Befragten kritisch. Anlagen wie der Hyde Park (Foto) sind zwar sehr zentral, aber offen angelegt und kaum verwinkelt. Die Londoner genießen ihre Parks demnach immer in unmittelbarer Nähe zu anderen Londonern.

Danube Island Festival 2013
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Platz 5: Wien

Noch zufriedener sind die Wiener mit ihren Grünflächen. 76 Prozent der Befragten halten das Angebot für ausreichend. Für 90 Prozent ist es kein Problem, sie zu erreichen, da sie in der direkten Umgebung angesiedelt sind. 54 Prozent nutzen die Flächen mindestens einmal in der Woche. Sehr viel Wert legen die österreichischen Befragten auf ausreichend Sitzgelegenheiten und Bänke in den Parkanlagen, um die Ruhe besser genießen und kleine Verschnaufpausen beim Joggen einlegen zu können.

Allerdings mangelt es auch in der österreichischen Hauptstadt an Ruhezonen, findet immerhin ein Drittel der Befragten – hier besteht eine große Diskrepanz, denn 85 Prozent der Wiener ist genau das besonders wichtig an ihren Grünanlagen. Dafür entsprechen sowohl die Gestaltung als auch die Pflege der Parks den Vorstellungen der Hauptstädter.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo engagiert sich für die Begrünung ihrer Stadt. Schon ihr Vorgänger, Betrand Delanoë, war hier aktiv, doch Hidalgo geht noch weiter. Im September drängte sie beispielsweise den Verkehr mit einer entschlossenen Maßnahme weiter zurück: Sie schloss die Stadtautobahn rechts entlang der Seine.  Pendler stöhnen, doch Einheimische und Touristen wandeln erfreut am rechten Seineufer.

Paris folgt damit dem Beispiel vieler Städte in Nordeuropa. Und inzwischen wird die Politik auch von einer breiten Mehrheit getragen. Selbst die rechte Opposition, die sich einst solchen Schritten vehement entgegenstellte, sieht allmählich ein, dass die Verschmutzung in der Stadt verringert werden muss. Unternehmen freunden sich immer mehr mit den Fahrverboten an. Lieferungen erfolgen inzwischen frei Haus per Elektrofahrzeug.  Und die RATP, die öffentlichen Verkehrsbetriebe, beginnen ihre Busse mit Strom oder Gas zu betreiben.

Die Ergebnisse lassen sich sehen. Zwischen 2004 und 2014 sanken die Emissionen von Treibhausgasen um 9,2 Prozent oder 25,6 Millionen Tonnen, wie die Stadt im Juli mitteilte. Die Studie ist dabei breit angelegt. Sie umfasst sogar das Flugreiseverhalten der Pariser, welches immerhin für ein Viertel der Emissionen verantwortlich ist und innerhalb der zehn Jahre um drei Prozent angestiegen ist. Dies ist aber der einzige größere Rückschlag. Dagegen sanken die Emissionen im Güterverkehr deutlich - nämlich um 18 Prozent auf fünf Millionen Tonnen. Doch dies hängt wohl mehr mit den Auswirkungen der Finanzkrise als mit dem ökologischen Umbau  der Logistik zusammen.

Aber auch die Gebäudeemissionen sind um 15 Prozent gesunken – und hier zahlt sich offenbar tatsächlich die höhere Energieeffizienz aus. Die Stadtverwaltung sieht sowohl bei  Bürogebäuden und Unternehmen Fortschritte, als auch bei privaten Haushalten, die ihren Energieverbrauch eingeschränkt haben. Strengere nationale Richtlinien sowie ein besseres Angebot an  umweltfreundlicheren Produkten haben dazu beigetragen, insbesondere Heiz- und Beleuchtungsemissionen sowie den Schadstoffausstoß durch Haushaltsgeräte zu verringern.

Die Emissionswerte fallen nicht schnell genug
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