Nachwachsende Werkstoffe
Hoch hinaus mit Bambus

In China wird der schnell nachwachsende Bambus künftig auch zum Bau von Pipelines eingesetzt. Das schont die Umwelt und spart Geld. Ein Besuch bei den Bambus-Pionieren in Shanghai.
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ShanghaiChina ist mit Bambus gesegnet. Die Waldfläche umfasst rund sechs Millionen Hektar. Traditionell wird Bambus als Werkstoff vielfältig verarbeitet, da das Holz sehr widerstandsfähig ist. Der Markt für Bambus wird allein in China auf umgerechnet 24,6 Milliarden Dollar geschätzt.

Ye Ling ist Chinas Bambus-Pionier. Seit 2006 erforscht er, wie sich der schnell nachwachsende Werkstoff noch verwenden lässt. Seine Idee: Pipelines aus Bambus. Denn die Nachfrage nach Pipelines wächst weltweit stark. Allein in der Volksrepublik gibt es heute Öl- und Gaspipelines von 120.000 km Länge, bis 2025 sollen es doppelt so viele sein.

Aber wie kann aus Bambus eine Pipeline werden? Der Schlüssel heißt Aufwickeln. Bambus ist sehr elastisch und flexibel. Er kann also durch Wickeln und Weben sehr leicht verarbeitet werden. Bambus-Verbundrohre mit Harzkleber sind feuerfest, wasserfest und sogar erdbebensicher. Sie haben eine gute elektrische Isolierung und Wärmedämmung, sind korrosionsresistent und können großem Druck standhalten.

Im Vergleich zu Kunststoff, Stahl, Zement und anderem traditionellen Material für Rohrleitungen sind Bambusrohre außerdem umweltfreundlich. Denn Bambus ist durch seinen extrem schnellen Wuchs und die hohe CO2-Speicherkapazität eine nachhaltige Ressource. „Traditionelle Pipelines durch Verbundrohre aus Bambus zu ersetzen bedeutet eine Abkehr von Materialen, die die Umwelt schädigen und viel Energie verbrauchen“, sagt Ye. Und Geld lässt sich auch noch sparen: Vorsichtigen Schätzungen zufolge könnten die Kosten für Bambus-Pipelines um 20 Prozent niedriger liegen als für traditionelle Rohre.

Ye ist überzeugt, dass Bambus-Verbundrohre für die Öl- und Gasindustrie, kommunale Wasserversorgung, Bewässerung in der Landwirtschaft, Telekommunikation und Chemieindustrie eine umweltfreundliche Alternative sind. Denkbar sei die Technologie auch für Schnelltriebwägen, Flugzeugrümpfe und Militärausrüstung.

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Die Chancen der Bambusindustrie

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