Climategate 2?: Wirbel um Datenklau eines Klimaforschers

Climategate 2?
Wirbel um Datenklau eines Klimaforschers

Interne Dokumente von Klimaskeptikern sorgen in den USA für Aufsehen. Ein renommierter Forscher hat sie sich erschlichen – und damit Erinnerungen an die Climategate-Affäre wachgerufen.
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In den USA sorgen Enthüllungen über die Methoden von Klimaskeptikern für Schlagzeilen. Der demokratische Abgeordnete Raul Grijalva forderte am Mittwoch eine Anhörung im zuständigen Parlamentsausschuss. Es geht um Vorwürfe, wonach ein beim Innenministerium angestellter Forscher für ein Kapitel in einem klimaskeptischen Buch 1000 Dollar im Monat vom konservativen Heartland-Institut bekommen haben soll. Einem Mitarbeiter des Energieministeriums sollen sogar vierteljährlich 25.000 Dollar überwiesen worden sein, als Gegenleistung für Entwürfe von Schulmaterial mit klimaskeptischem Tenor.

Die Vorwürfe basieren auf Dokumenten, die sich der renommierte US-amerikanische Klimaforscher Peter Gleick erschlichen hatte. Gleick hatte Anfang der Woche auf seinem Blog eingeräumt, sich ein Strategiepapier des Heartland Institute unter falschem Namen besorgt zu haben. Das Institut gilt als konservativer Thinktank, der sich offensiv für freie Märkte und gegen staatliche Einmischung jeglicher Art einsetzt. Daneben wird auch die von der überwiegenden Mehrheit der Wissenschaftler vertretene These verneint, dass der Mensch das Klima beeinflusst und zu steigenden Erdtemperaturen beiträgt.

Die internen Dokumente waren bereits in der vergangenen Woche im Internet veröffentlicht worden. Sie deckten unter anderem auf, dass das Heartland-Institut hunderttausende Dollar an Spenden von der Energieindustrie erhielt – und wofür es das Geld ausgibt. Demnach will das Institut 200.000 Dollar in das fragliche Schulmaterial zum Klimawandel investieren, das Schüler davon überzeugen soll, dass der Klimawandel in der Fachwelt hochumstritten ist.

Das Institut erklärte nach der Veröffentlichung, eines der Dokumente sei gefälscht. Eine Interview-Anfrage der Nachrichtenagentur AFP wurde nicht beantwortet. Klimaforscher Gleick hat sich mittlerweile entschuldigt. Zu seiner Verteidigung erklärte er, er sei frustriert gewesen „über die anhaltenden Versuche – oft anonym, gut finanziert und koordiniert – die Klimaforschung und -forscher zu attackieren“.

Der Fall erinnert an die Climategate-Affäre kurz vor der Klimakonferenz von Kopenhagen im Jahr 2009. Seinerzeit hatten Hacker illegal erlangte E-Mails veröffentlicht, die sich wichtige Klimaforscher um Phil Jones von der Climatic Research Unit (CRU) der University of East Anglia geschrieben hatten. Aus den Mails leiteten Klimaskeptiker Vorwürfe ab, wonach in der Klimaforschung massiv Daten manipuliert würden, die die zunehmende Erderwärmung in Frage stellen.

Alle zur Klärung dieser Vorwürfe eingesetzten Kommissionen kamen allerdings zu dem Ergebnis, solche Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage. Wer seinerzeit für den Datenklau verantwortlich war, ist bis heute unbekannt.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Climategate 2?: Wirbel um Datenklau eines Klimaforschers"

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  • Oh, Sie armes, armes Opfer! Kleiner Vorschlag: Vieleicht, wenn Sie nicht andere als "fanatisch" und "grüner Ku-Klux-Klan" beschimpfen würden....

  • Ich werde im Internet jeden Tag beschimpft - und ich sage Ihnen, es macht Spaß! Am lustigsten ist es, daß sich all die fanatischen Verteidiger der Treibhauslehre stets irgendwelche Fakten oder Mutmaßungen über meine Person heraussuchen. Und stets wird die grüne Ku-Klux-Klan-Mütze getragen - man schimpft und diffamiert am liebsten anonym! Fachargumente fehlen stets - das ist ja auch der Grund für die ad.personam-Attacken.
    An unserer Klimaretter-Studie hat übrigens im Hintergrund ein Dutzend Fachexperten mitgewirkt, darunter 5 Wissenschaftler mit einer universitären Lehrbefähigung in Mathematischer Physik und/oder Theoretischer Meteorologie.

  • Text ist aggressiv beleidigend

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