Cradle to cradle
Ewiger Kreislauf

Wenn Materialien in geschlossenen Stoffkreisläufen zirkulieren, entsteht kein Abfall mehr. In Holland will jetzt eine ganze Region diesen Weg der Abfalvermeidung gehen. Cradle to Cradle heißt das Prinzip, das auf eine ganz neue Form von Konsum setzt.



DÜSSELDORF. Den Stein ins Rollen brachte der Dokumentarfilm „Afval = voedsel“ (deutsch: Abfall ist Nahrung), der im Oktober 2006 im holländischen Fernsehen lief. Er präsentierte eine Vision, die das Paradigma der Nachhaltigkeit auf den Kopf stellt. Ihr Credo: Statt Produkte schadstoffärmer, recycelbarer und damit öko-effizienter zu machen, sollten sie von Anfang an so konzipiert werden, dass sie bedenkenlos konsumiert und entsorgt werden können. Und damit ähnlich „öko-effektiv“ wie ein Kirschbaum sind, dessen verschwenderische Blütenpracht der Natur nicht schadet, sondern sie im Gegenteil nährt. Dieses Designprinzip – Cradle to Cradle („von der Wiege zur Wiege“) genannt – verursacht keinerlei Abfall, sondern bewegt sich fortwährend in geschlossenen Stoffkreisläufen.



Die Öko-Vision bewegt derzeit ganz Holland: Ein Fachkongress lockte vor kurzem rund 600 Teilnehmer nach Maastricht. Die holländische Regierung will Cradle to Cradle-Kriterien in der öffentlichen Beschaffung berücksichtigen, die Stadt Venlo sich mit Unterstützung der niederländischen Industrie- und Handelskammer sowie der Provinz Limburg als nachhaltige Region etablieren. Die ortsansässige Hochschule richtet einen Lehrstuhl für Cradle-Design ein, mehrere Dutzend Betriebe analysieren derzeit ihre Produktionsprozesse. Leuchtturm-Projekt aber ist die 2012 in Venlo stattfindende Weltgartenausstellung Floriade. Aus den dafür errichteten Bauten soll anschließend ein innovatives Gewerbegebiet im Grünen entstehen.

Eine regionale Cradle to Cradle-Initiative startete kürzlich auch in der österreichischen Stadt Graz – mit dem Bestreben, Wirtschaft und Regionalpolitiker für die Vision zu begeistern. Deren geistige Väter – der deutsche Chemiker Michael Braungart und der US-Architekturprofessor William McDonough – rufen damit nichts Geringeres aus als „die nächste industrielle Revolution“. Schließlich gelte es, sämtliche Produkte neu zu erfinden: Auf dass sie entweder vollständig kompostierbar oder schadstofffrei zu verbrennen sind. Oder – im Falle komplexer Gebrauchsgüter – dass sich alle verarbeiteten Materialien am Ende des Lebenszyklus rückbauen und als hochwertige „Nährstoffe“ dauerhaft in folgende Produktionen – den „technischen Kreislauf“ – einbringen lassen.

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