Deichbau
Mit Sandsäcken gegen die Fluten

Sie sind das Mittel Nummer eins gegen herannahende Wassermassen: Sandsäcke. Mit ihnen schützen Helfer die Häuser gegen die Fluten oder stützen Deiche ab. Aber wie genau helfen Sandsäcke bei Hochwasser?
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DüsseldorfEgal ob in Sachsen, Thüringen, Bayern oder anderen betroffenen Gebieten, überall kämpfen Soldaten, Feuerwehrleute und tausende Freiwillige mit den Fluten. An einigen Orten werden bereits die Pumpen knapp. Das wichtigste Hilfsmittel gegen die Wassermassen ist aber weiterhin der Sandsack. Doch wie können mit gewöhnlichem Sand befüllte Jute- oder Plastiksäcke helfen, wo befestigte Deiche versagen?

Einer der Gründe ist ihre Flexibilität, da sich die Sandsäcke zum einen gut an den Untergrund anpassen können, aber auch dank ihrer Maße im Vergleich zu größeren Barrieren leicht transportieren lassen. „Bei einem Übertritt oder wenn Wasser längere Zeit am Deich steht, wird der Deichkern ausgespült. Damit verliert der ganze Deich an Stabilität“, sagt Thomas Tjäden vom Technischen Hilfswerk (THW). „Eine sogenannte Deichfuß-Sicherung mit gezieltem Abstützen der betroffenen Stellen durch Sandsäcke bringt dann zusätzliche Stabilität. Das hilft in etwa 95 Prozent der Fälle.“

Dabei werden die Sandsäcke so am Fuß des Deichs gestapelt, dass das Wasser noch gezielt abfließen kann. „Ohne die Drainierung würde sich das Wasser aufstauen und sich einen anderen Weg suchen“, so der THW-Fachberater.

Wie effektiv die aufgestapelten Sandsäcke das Wasser zurückhalten, hängt auch stark mit ihrer Füllung zusammen. Der Grundsatz „Viel hilft viel“ gilt hier nicht: Prall gefüllte Sandsäcke sind zu steif und können sich in ihrer Form nicht an darunter liegende Sandsäcke anpassen. So entstehen Lücken im Deich.

„Ein guter Sandsack ist nur zu rund zwei Dritteln gefüllt“, weiß Tjäden. Zusätzlich kommt es auch auf die Bauweise der provisorischen Wasser-Barrieren an. Die Sandsäcke werden nicht nur aufeinander gestapelt, sondern müssen für eine optimale Stabilität miteinander verkeilt werden.

Künftig könnte es auch eine technologische Alternative zu den bewährten Sandsäcken geben. Die sogenannten Floodsax-Kissen funktionieren im Prinzip wie eine Babywindel. Sie saugen sich voll Wasser und wachsen dann zur vollen Größe an. Leer wiegt er nach Angaben des Herstellers 200 Gramm, mit Wasser dann bis zu 25 Kilogramm.

Die wasserabsorbierende Innenpads bestehen aus einer Mischung von geflocktem Zellstoff und einem selbstaktivierenden Polymer. Der Hersteller verspricht, dass die Hightech-Säcke das Wasser bis zu drei Monaten speichern kann.

Bis auf weiteres kommt bei Flutkatastrophen und Überschwemmungen aber noch der Sandsack zum Einsatz. Deren Anschaffung ist Ländersache, die Bundesländer unterhalten ihre eigenen Landessandsackreserven. Die präventiv gelagerten Sandsäcke sind eine der Lehren aus der Flutkatastrophe 2002. Damals könnten die Helfer bei dem großflächigen Hochwasser an einigen Deichen nur tatenlos zusehen – weil ihnen die Sandsäcke ausgegangen waren.

Um einen ausreichenden Schutz zu gewähren und die potenziellen Schäden eines Hochwassers möglichst gering zu halten, hat die Landesregierung in München bereits 2001 ein Aktionsprogramm 2020 auf den Weg gebracht. Das Programm sieht für die 20 Jahre Laufzeit Investitionen in Höhe von insgesamt 2,3 Milliarden Euro vor, bisher sind rund 1,6 Milliarden Euro in das Programm geflossen. Dieser Mittelbedarf wird durch bayerische Haushaltsmittel, EU-Mittel, Bundesmittel, Beteiligtenbeiträge Vorteilsziehender sowie Eigenmittel nichtstaatlicher Maßnahmenträger abgedeckt.

Sebastian Schaal
Sebastian Schaal
Handelsblatt Online / Redakteur

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