Desertec Das Stromabenteuer in der Wüste

Das ehrgeizige Wüstenstromprojekt Desertec will bis Ende 2012 ein Konzept für riesige Solar- und Windparks in den Wüsten Nordafrikas und des Mittleren Ostens aufstellen - sie sollen Europa mit Strom versorgen. Noch muss das Projekt aber viele Probleme lösen. Es fehlt vor allem ein Hochleistungsnetz für den Stromtransport.
  • Georg Weishaupt
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Ein Projekt in der Wüste: Die Sonne fungiert hier als Energiespender. Quelle: ap

Ein Projekt in der Wüste: Die Sonne fungiert hier als Energiespender.

(Foto: ap)

BARCELONA. Die EU-Kommission will das Wüstenstromprojekt Desertec massiv unterstützen. „Wir setzen uns dafür ein, die Energienetze in Europa deutlich zu verbessern“, sagte EU-Energiekommissar Günther Oettinger in Barcelona.

Bereits im November will er dazu einen Plan in Brüssel vorlegen. „Es geht darum, eine ähnlich hohe Qualität und Leistungsfähigkeit wie bei Auto- und Datenautobahnen zu schaffen“, sagte er bei der ersten Jahrestagung der Desertec Industrie Initiative DII.

Bis 2050 sollen 15 Prozent des Stroms aus der Wüste kommen

Nur wenn ein solches Hochleistungsnetz rechtzeitig entsteht, wird die Vision der DII Wirklichkeit: Die darin zusammengeschlossenen internationalen Konzerne wollen Strom mit Wind- und Solarkraftwerken in den Wüsten Nordafrikas und des Mittleren Ostens produzieren und dann zum Teil nach Europa transportieren. Bis 2050 sollen die Wüstenkraftwerke 15 Prozent des europäischen Stroms decken.

Dafür reichen die vorhandenen Stromnetze von Nordafrika nach Europa jedoch bei weitem nicht aus. Außerdem ist nicht klar, wer die künftigen Hochleistungsnetze baut und finanziert. Und außerdem scheitern solche Netze momentan daran, dass es noch keinen durchlässigen europäischen Strommarkt gibt.

Paul van Son, Chief Executive Officer (CEO) von DII, muss also noch viele Probleme lösen, um das auf 400 Mrd. Euro geschätzte Wüstenstromprojekt anzuschieben. Beim Netzproblem erhält er zumindest Unterstützung von einer neuen Organisation. Am 15. November startet die Medgrid-Industry-Initiative, die sich ausschließlich darauf konzentriert, in den kommenden Jahren ein Hochleistungsnetz im Mittelmeerraum vorzubereiten.

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9 Kommentare zu "Desertec: Das Stromabenteuer in der Wüste"

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  • @gerhardq - Großkraftwerk: Warum wohl bauen die Energieversorger Großkraftwerke? Weil der Aufwand pro erzeugter MWh geringer ist, sprich weil Strom wirtschaftlicher erzeugt werden kann als dezentral. Und weil ich in Großkraftwerken Technologien und brennstoffe einsetzen kann, die eben nicht so einfach sind.
    Desertec reiht sich positiv hier ein, auch diiese Technik ist nicht im Kleinen wirtschaftlich.
    Und zu ihrer Kritik mit dem Strom im eigenen Land: Erstmal sind die Länder doch auf die Einnahmen angewiesen. Ein marokkanischer Freund sagte mir mal "Das ist wie mit den Tomaten, die wir für den Export produzieren. Wenn wir die nicht verkaufen, haben wir auch keine Einnahmen und sie verfaulen. beim Öl wäre das was anderes, das könnte man zurückhalten und später verkaufen".

  • Ja die Kleinbauern werden ja durch Viehhaltung, dazu gehörigen Sojaanbau und Gentechnik vertrieben.

    Dabei kann man wom Sojaanbau schon alleine leben, wenn den Tofu die Menschen essen und nicht die Kühe.

  • und wieder ist ein Subventionsprojekt eröffnet an dem viele mitverdienen wollen und nix kommt dabei raus.

    Staub und Hitze sind ein großes Problem in Nordafrika besonders bei großen Anlagen.
    Folge: die Kosten des Stroms sind viel höher als viele heute glauben wollen.

    Die billigste Energiequelle ist das Energiesparen besonders im verschwenderischen Norden dieser Welt.

    Das heißt 50% des jetzigen Stroms müssen wir gar nicht erzeugen bei sparsamen Umgang und das ist dann der komplette Kohlestrom.

    Danach kommt zuerst eine solare Energieerzeugung für die Länder in sonnigen Gegenden selbst.
    Dazu müssen sie dann auch kein Erdgas oder Erdöl mehr einsetzen.
    Dezentrale Anlagen für Strom und Warmwasser in den Dörfern mindern die Rückständigkeit und die Landflucht. Alternativ sind Mikro-biogasreaktoren einsetzbar zum Kochen mit Gas, auch um die Methanemissionen der Exkremente zu mindern.

    Fazit: Megaprojekte dieser Art sind zum Scheitern verurteilt ohne Riesensubventionen. Zum Glück ist die Verschuldung schon hoch.

    Warum haben die Kleinbauern der dritten Welt keine biogasreaktoren, Solarkocher und PV-Module, um die nötigsten Energieanforderungen zu erfüllen für ein menschenwürdiges Leben?

    Pro Kleinbauer sind da vielleicht 200€ nötig. bei 1 Milliarde bauern mit ihren Familien sind dann 200 Milliarden Euro.

    Folge: weniger Landflucht, weniger Abholzung, weniger Ölverbrauch, weniger Hunger

    eine bessere Welt.

    Wieviel Euro gibt Herr Niebel für dieses Thema aus?

  • Diese Lobbyarbeit gegenüber wichtigen Stromnetzen ist jedoch nicht wie es dauernd geschieht mit der Lobbyarbeit für Stuttgart21 gleichzusetzen und dies gegeneinander auszuspielen.

  • Das Geheimnis zur verlustfreien Gleichstromübertragung über riesige Distanzen heißt HGÜ und existiert schon seit 50 Jahren. Vor allem Lobbyarbeit blockiert den Fortschritt in dieser Hinsicht.

  • Es ist für die Stabilität einer EU äußerst wichtig, dass Spanien Einnahmequellen hat.

    Erst gestern war Spanien wieder im TV, weil es aufgrund von Tomatenernte sein Grundwasser in regenarmen Gebieten leerpumpt, damit weltweit Tomaten verkauft werden, die anschließend zu 50 % aufgrund von Überkapazität weggeworfen werden. Zudem enormer Pestizideinsatz etc. eingesetzt wird.

    Der echte bioanbau aus Spanien erfolgt leider nicht, obwohl das Lebensexilier Sonne für alle Frücht vorhanden ist. Statt dessen diese sinnlose und vergiftene Massenindustrie. Setzt in Spanien wieder Kleinbauern ein, die ihr Handwerk verstehen und wohlschmeckende Südfrüchte erzeugen können ohne Gifteinsatz.

    Natürlich ist in dem Fall Solarenergie nicht der gleiche Fehler zu begehen wie bei den Tomaten. Aus diesem Grund brauchen wir ein unabhängiges wissenschaftliches Sicherheitsmanagement mit Handlungsvollmacht, sowohl im ökologischen, ökonomischen und naturwissenschaftlichem bereich sowie weiterer Fakultäten.

    Das Abschalten von Kernkraftwerken und die Vermeidung von Restmüll ist dabei oberstes Ziel.

    Sowie der Schutz der Kleinbauern.

  • Für mich sieht es auch danach aus unliebsame Konkurrenz fernzuhalten und mit Milliarden an Steuergeldern ein Lebenswerk zu schaffen ohne wirklichen Nutzen. Was ist denn aus den Steuergeldern und Zuschlägen nach dem EEG passiert. Können wir jetzt endlich mal die Früchte ernten? Nein. Wäre ja zu schön für die bürger, wenn sich das auch für sie auszahlen würde. Ein neuer Zuschlag muss her.

  • Desertec ist ja in erster Linie erstmal nur ein Planungskonsortium. D.h. hier wird erstmal Geld verbraucht ohne einen Spatenstich in der Wüste getan zu haben. Die eigentlichen Kraftwerke sollen investoren bauen. Und die wollen natürlich Subventionen in Form von Steuergeldern für ihren grundgütigen Einsatz für das Wohl der Menschheit. Jetzt folgt die nächste Planungskommision mit Medgrid-industry. Denn mit Planung lässt sich gut Geld verdienen. Dass die Verlagerung unserer Stromerzeugung nach Afrika absoluter Schwachsinn ist, weiß jeder der beteiligten. Aber so lässt sich noch legal Geld in dubiose Kanäle abzweigen. Wenn es um ein angebliches 400 Mrd.-Projekt geht, wird keiner feststellen können, wie die eine oder andere Million der Subventionsgelder irgendwohin verschwunden ist. Nach der Einführung von EEG- und Ökozuschlägen ist es für die Stromkonzerne eine weitere Möglichkeit den Strom zu verteuern. Auch hier wird man dem Endverbraucher hinterher die Rechnung auf den Tisch knallen: "ihr wolltet, dass wir die Welt retten. Deshalb haben wir uns für dieses Projekt stark gemacht. Jetzt müsst ihr dafür die Zeche zahlen!" Man stelle sich nur mal vor welche Unmengen an ach so schädliches CO2 zusätzlich in die Luft gebracht werden für die Produktion und den Transport der Solarkomponenten nach Afrika. Denn die Produktion der Teile muss natürlich in Europa stattfinden. Der Profit soll doch im eigenen Land bleiben. Das Ganze ist doch ein ganz mieses abgekartertes Spiel. Da werden künstlich neue Geschäftsfelder und Abhängigkeiten geschaffen, um den Energie-Preis verteuern zu können.

  • Desertec ist nichts weiter als ein weiteres Großkraftwerk, daß von monopolistschen Stromanbietern als isolierte Lösung gebaut werden soll, um eine große Verteilung kleiner Anlagen zu verhindern.
    Es löst unsere Abhängigkeit von ausländischen Energielieferanten nicht, sondern verstärkt sie sogar noch. Gleichzeitig zentralisiert dieses Projekt die Stromerzeugung an einem Ort, mit allen Gefahren, die damit verbunden sind.
    Viel sinnvoller wäre ein Umbau der deutschen Stromnetze zu SmartGrids, also intelligenten Netzen. Diese können im Land bleiben, angefangen von Windrädern über Photovoltaik bis zu Wasserkraftwerken und blockheizkraftwerken.
    Die meisten Menschen glauben, daß nur die großen Kraftwerke genug Energie liefern können. Diese Vorstellung ist grundfalsch, denn jede Heizungsanlage im Häuschen könnte in die Lage versetzt werden, neben Wärme auch Strom zu erzeugen. Und wenn dazu noch die Strommengen aus regenerativen Energien kommen, können wir unseren Strombedarf im Grund autarkt decken.
    Desertec ist nur eine "investitionsruine" für deutsche Stromgebühren. Anstatt diese zu senken oder sie für die Modernisierung einzusetzen, soll das Geld im Ausland investiert werden. Was passiert mit diesen investitionen, wenn die Länder, in denen Desertec steht, der Meinung sind, daß der Strom im eigenen Land bleiben soll? Schicken wir dann die Armeen hin?

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