Die Großtrappe
Ein Riesenvogel erobert seine Heimat zurück

Einer der schwersten flugfähigen Vögel weltweit erobert Deutschland zurück. Hierzulande wird die Großtrappe geschützt. Aber es gibt sie nur in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Und der Bestand ist winzig.
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BuckowOben im Holzturm tut sich was. Aus einer Luke schiebt sich behutsam ein Beobachtungsfernrohr. Es bewegt sich hin und her. Ein kurzes Zögern. Jemand scharrt nervös mit den Füßen über den Holzfußboden. Dann steckt Dorothée März ihren Kopf durch die Turmtür. „Sie sind da“, sagt sie leise. „Es sind sogar mehrere.“ Die Forstwissenschaftlerin hält nach Großtrappen Ausschau. Nach mächtigen, scheuen, braun-weiß gefiederten Steppenvögeln. Kein ähnlich gebauter Vogel kann sich so galant in die Lüfte erheben. In Deutschland ist er vom Aussterben bedroht.

Die Großtrappe ist einer der schwersten flugfähigen Vögel der Welt. Ein alter Hahn wird bis zu 18 Kilo schwer - so viel wiegt etwa auch ein Reh. Sie spannen ihre gewaltigen Flügel bis auf eine Länge von zweieinhalb Metern. Die Hennen sind eher klein und zierlich. Nach Angaben des Landesumweltamtes Brandenburg ist der Größenunterschied zwischen Männchen und Weibchen bei keiner anderen Vogelart so deutlich.

Sachsen-Anhalt und Brandenburg kämpfen seit etwa 15 Jahren für das Überleben des Riesenvogels. „Wir sind uns der anhaltend hohen Verantwortung zum Erhalt der vom Aussterben bedrohten Art bewusst“, so Sachsen-Anhalts Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU). Die Prachtexemplare werden bis zu einem Meter groß und 20 Jahre alt. Bei der letzten Zählung im Februar wurden 123 Tiere gezählt. „Märkischer Strauß“ wird die Großtrappe (Otis tarda) auch genannt.

Ein winziger, aber momentan stabiler Bestand, wie Experten meinen. Ein Blick auf alte Statistiken zeigt: Die derzeitige Population entspricht etwa drei Prozent des Bestandes der 30er Jahre. Die Bundesregierung antwortete auf eine Anfrage mehrerer Abgeordneter und der Linken-Fraktion im Bundestag im Juni so: „... wohl weniger als ein Prozent dessen, was einmal der Maximalbestand in Deutschland war“. Die Großtrappe wird darin als „Flaggschiffart“ bezeichnet. Durch ihren Schutz kann ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Biodiversität in der Agrarlandschaft geleistet werden, heißt es.

Zwischen 1939 und 1997 sank die Zahl der Großtrappen in Deutschland von rund 4000 auf 57 Tiere. Die Landwirtschaft nimmt kaum Rücksicht auf die gefiederten Schwergewichte. Die Bodennester sind Eierdieben wie Raben oder Füchsen schutzlos ausgeliefert und viele Küken sterben im Mähwerk der landwirtschaftlichen Maschinen. Insektenreiche stillgelegte Flächen weichen dem intensiven Ackerbau. Der Lebensraum der Großtrappe schwindet und wird zur Einöde.

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